Kultserie
Das neuste Kapitel von «Sex and the City» ist derber und trauriger als alle zuvor

Seit Donnerstag sind die ersten Folgen von «And Just Like That...» zu sehen. Und die Serie um die drei Freundinnen ist besser gealtert, als befürchtet.

Katja Fischer De Santi
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Sie sind wieder in der Stadt: Miranda, Carrie und Charlotte in den neuen Folgen der HBO-Serie.

Sie sind wieder in der Stadt: Miranda, Carrie und Charlotte in den neuen Folgen der HBO-Serie.

© 2021 media Direct / Warner

Wem bei der zweiten Folge von «And Just Like That...» nicht die Tränen runterlaufen, der hat kein Herz oder fand Carrie Bradshaw schon immer eine Nervensäge. Denn kaum hat das neuste Kapitel im Leben der drei Freundinnen aus New York angefangen, wird es existenziell, zum Heulen dramatisch.

Davor war das Wiedersehen mit den drei New Yorkerinnen aber oft zum Schreien komisch. Die drei gut gealterten Freundinnen haben es immer noch drauf, selbstironisch und tough versuchen sie, im woken New Yorker Zeitgeist nicht unterzugehen. Carrie ist jetzt auf Instagram und macht Podcasts – oder versucht es zumindest. Denn wie sagt sie es gleich zu Beginn:

«Wir können nicht ewig sein, wer wir einst waren.»

Das verklemmte Cis-Weibchen Carrie

Die Welt dreht einen rechten Zacken schneller, seit sie in den letzten Folgen 1998 ihren «Mister Big» knapp nicht geheiratet hat. Damals galt es schon als weibliche Selbstermächtigung, über den eigenen Nicht-Orgasmus zu sprechen. In der Neuauflage sitzt Carrie, die ehemalige Sex-Kolumnistin, in einem Podcast-Studio und weiss nicht, was sie auf die Frage, wo sie öffentlich masturbiere, antworten soll. «Gib deiner Pussy einen Schubs», rät ihr die queere, non-binäre, mexikanische Moderator:in, «du willst doch nicht als das verklemmte Cis-Weibchen in Erinnerung bleiben.» Ja, es weht ein sehr frischer Wind durch die neuen Folgen. Und der Sex ist zwar aus dem Titel verschwunden, aber in der Serie ist er immer noch drin.

Sorgt für Aufklärung: Sara Ramírez, der non-binäre Star aus «Grey’s Anatomy».

Sorgt für Aufklärung: Sara Ramírez, der non-binäre Star aus «Grey’s Anatomy».

© 2021 media Direct / Warner

Der Streit mit Samantha ist echt

Aber beginnen wir von vorne und der grossen Frage: Kann eine Neuauflage von SATC – so das liebevolle Akronym – nach MeToo überhaupt gelingen? Will irgendwer noch sehen, wie drei weisse, bestens situierte, immer perfekt gestylte Cis-Frauen mit Cocktails in der Hand durch ihr Beziehungsleben und New York stöckeln? Natürlich will man das sehen, nur schon der guten alten Zeiten willen und wegen Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Charlotte York (Kristin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon). Kim Cattrall alias Samantha Jones fehlt leider. Die Schauspielerin erteilte der Serien-Neuauflage eine Absage. Sie habe sich mit Sarah Jessica Parker zerstritten. In den neuen Folgen wird das denn auch genau so thematisiert. Samantha lebe jetzt in London und melde sich nicht mehr, seit Carrie sie als ihre Presseagentin entlassen hat.

Carrie muss in der zweiten Folge mit einem grossen Verlust umgehen.

Carrie muss in der zweiten Folge mit einem grossen Verlust umgehen.

Craig Blankenhorn / Warner

Aber ansonsten stehen die drei von der ersten Minute da, als seien sie nie weg gewesen – oder nur der Pandemie wegen. Carrie trägt deswegen jetzt immer glitzernde Handschuhe, um kontaktfrei Liftknöpfe zu drücken, versteht sich. Sie sehen immer noch hinreissend gut aus, ob mit gefärbtem oder grauem Haar wie Miranda. «Ich muss keine feurige Rothaarige mehr sein, um als Anwältin, die gerade einen Master in Menschenrecht macht, erfolgreich zu sein», erklärt sie Charlotte, die findet, die grauen Haare machen sie alt.

Miranda: Die aufgeklärte, verunsicherte Feministin

Der Cast ist diverser geworden: Karen Pittman mimt Dr. Nya Wallace, Mirandas Rechtsprofessorin.

Der Cast ist diverser geworden: Karen Pittman mimt Dr. Nya Wallace, Mirandas Rechtsprofessorin.

© 2021 media Direct / Warner

Sowieso ist Miranda einmal mehr das Highlight der Serie. Sie möchte so sehr aufgeklärt, feministisch und antirassistisch sein, dass sie in jedes Fettnäpfchen tritt, das sich ihr in den Weg stellt. Man schämt und lacht dabei sehr mit ihr. Dass ihr treuer Ehemann derweil nicht mehr so gut hört und der Teenager-Sohn nur noch Sex im Kopf hat, macht ihr Leben nicht gerade leichter, aber sehr authentisch. Sie bestellt denn auch öfters schon am helllichten Tag Wein oder nimmt gleich selbst eine Flasche mit in den Konzertsaal.

Carrie: Das perfekte Leben im Luxus

Carrie und John (Mister Big): Fast zu perfekt, um wahr zu sein.

Carrie und John (Mister Big): Fast zu perfekt, um wahr zu sein.

Craig Blankenhorn / Warner

Carries Leben hingegen ist derart distinguiert perfekt, dass man schon ahnt, dass da bald eine Bombe platzt. Mit ihrer grossen Liebe, Mister Big, lebt sie in einer luxuriösen Wohnung, ihr begehbarer Schrank ist so gross wie ein Kinderzimmer, seine Schallplattensammlung so exquisit wie der Wein, den er sofort kredenzt, als sie von der Arbeit kommt. Gemeinsam salzt man den schottischen Wildlachs vom Fischhändler des Vertrauens. Plant das Wochenende in den Hamptons und tanzt verliebt zu sanftem Jazz. Es ist so derart überzeichnet, dass es schon wieder gut ist.

Charlotte: Designer-Kleider für alle

Kristin Davis als Charlotte: die perfekte Mutter und Hausfrau.

Kristin Davis als Charlotte: die perfekte Mutter und Hausfrau.

Craig Blankenhorn / Warner

Und Charlotte? Sie versucht immer noch, die perfekte Ehefrau und Mutter zu geben. Kauft teure Designer-Kleider für ihre Töchter, von denen eine aber lieber Skateboard fährt und die andere zur Pianistin getrimmt wird. Das war schon in den 1990er-Jahren eher langweilig und ist es heute noch, aber der Kontrast tut gut. Und wer weiss, was mit Charlotte noch alles passiert.

Wir würden aber nicht das Jahr 2021 schreiben, wenn da nicht noch ein paar neue und diversere Figuren den Cast bevölkern würden. Politisch korrekt, stösst mit Lisa Todd eine Woman of Colour zur Gruppe, deren Humor einiges verspricht und die es wohl schaffen wird, Samantha ganz gut zu ersetzten.

Die neue im Freundinnenbund: Nicole Ari Parker als Dokumentarfilmerin Lisa Todd Wexley.

Die neue im Freundinnenbund: Nicole Ari Parker als Dokumentarfilmerin Lisa Todd Wexley.

© 2021 media Direct / Warner

Das Fazit: Es macht richtig Freude, diesen Frauen beim Älterwerden zuzusehen. Auch fast 20 Jahre später taugen sie gut als moderne Role-Models. Einziger Wermutstropfen, das Streamingportal Sky schaltet jede Woche nur eine Folge online. Frau (und Mann) muss sich also wieder wie früher den Donnerstag freihalten, um zu sehen, wie es Carrie, Charlotte und Miranda ergeht. Und wie gesagt, schon zum Schluss der ersten Folge wird es ziemlich heftig traurig. Legen Sie die Taschentücher bereit.

Die neuen Folgen erscheinen jeweils donnerstags exklusiv auf dem Streamingportal Show Sky. Tipp: Auf Englisch sind bereits zwei Folgen online.

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