Kultur

Radios zeigen in der Corona-Krise Solidarität mit Schweizer Musikschaffenden

Schweizer Musiker dürfen auf die Hilfe der Radiosender zählen.

Schweizer Musiker dürfen auf die Hilfe der Radiosender zählen.

SRF 3 verdoppelt ab heute seinen Anteil an Schweizer Musik und die Radios von CH Media passen ihr Programm an.

Die Sängerinnen Corin Curschellas und Nadja Zela haben den Anstoss gegeben: Über die sozialen Medien haben sie Radio SRF aufgerufen, in der Corona-Krise vermehrt Schweizer Musik zu spielen. Denn nach dem vom Bund verordneten Konzertverbot ist den Musikerinnen und Musikern die Haupteinnahmequelle verloren gegangen. Viele sind existenziell bedroht, stehen vor dem Nichts. «Wir brauchen Einnahmen jetzt dringend», schrieb Curschellas.

Der Bundesrat hat zwar versprochen, der Kultur Mittel zur Verfügung zu stellen. Doch darf bezweifelt werden, dass damit alle Gagenausfälle kompensiert werden. «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht garantieren, dass Kompensationszahlungen erfolgen werden», heisst es bei Sonart. Der Verband der Schweizer Musikschaffenden steht mit den Bundesbehörden in Kontakt und fordert die Schweizer Musikschaffenden auf, ihre Gagenausfälle auf der Website von Sonart zu erfassen.

Gagenausfälle werden zumindest minimiert

Umso willkommener ist, dass die SRF-Radios zugesagt haben, den Anteil an Schweizer Musik auf all ihren Sendern zu erhöhen. Denn jeder am Radio ­gespielte Song wird über Urheberrechtsgebühren bei der Verwertungsgesellschaft Suisa abgegolten. Das hilft den betroffenen Musikern, die Ausfälle zumindest zu minimieren.

Ab heute Mittwoch wird der Anteil Schweizer Musik bei Radio SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3, Virus und teilweise bei der Musikwelle «fliessend erhöht». «Wir wollen dadurch die Vielfalt der nationalen Musikszene noch besser abbilden und in diesen Zeiten unser Publikum mit speziellen Songs durch den Tag begleiten», sagt Michael Schuler, der Leiter Fachredaktion Musik (Pop & Rock) bei SRF, auf Anfrage. «Konkret bauen wir bei Radio SRF 1 das Angebot von Songs aus anderen Landesteilen der Schweiz aus. Bei Radio SRF 2 Kultur bieten wir vielen Musikschaffenden eine Plattform, insbesondere in der Sendung von 16-18 Uhr und im Tagesprogramm».

Ohne Schweizer Musik keine Schweizer Radios

Bei Radio SRF 3 wird der Anteil Schweizer Musik in den nächsten Tagen sogar verdoppelt. Und SRF Virus wird – neben den ­Spezialsendungen wie z. B. «Bounce» – ausschliesslich Schweizer Musik präsentieren. Weitere Ideen sollen folgen.

Am weitesten geht bisher Radio 3FACH. Das Kulturradio für Junge und Junggebliebene stellt ab heute sein Tagesprogramm vorübergehend um und spielt nur Musik von Schweizer Künstlern. «Die aktuelle Situation schafft Herausforderungen für die gesamte Musikszene. Auch wenn wir als kleines unkommerzielles Radio nicht allzu viel ausrichten können, möchten wir Solidarität mit allen Musikerinnen und Musikern in der Schweiz zeigen. Ohne ihr Schaffen gäbe es kein 3FACH – gäbe es kein Radio», heisst es.

Auch die Radios von CH Media (Radio Argovia, Radio 24, Radio FM1, Radio Pilatus, Radio Melody und Virgin Radio) zeigen Solidarität mit den betroffenen Schweizer Musikern und werden das Musikprogramm «aufgrund der aktuellen Situation punktuell anpassen». «Angedacht sind etwa Wunschkonzerte oder Spezialtage, um unseren Hörerinnen und Hörern so auch musikalische Überraschungen zu bieten in dieser Zeit. Dabei werden wir natürlich auch die Schweizer Musikerinnen und Musiker und ihre aktuelle Situation berücksichtigen», sagt Radio-Programmleiter Nicola Bomio.

Datenerfassung Gagenausfälle www.sonart.swiss/corona

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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