«Ich bin überzeugt, dass ein glücklicher Junge aus der Schweiz Blues singen kann und darf. Wichtig ist aber, dass er die Geschichte dieser Musik kennen und respektieren muss», sagt Pascal Geiser schon beinahe entschuldigend zum Titel seines Debütalbums «Lucky Man». Und ob er das darf! Aufrichtigkeit ist die Grundvoraussetzung für gute Musik. Wem es in der Schweiz an nichts fehlt, der tut gut daran, nicht übers Schuften auf Baumwollfeldern zu singen. Pascal Geiser hat das Wesen des Blues begriffen: Der Sänger, Bluesharp-Spieler und Gitarrist erzählt authentische Geschichten aus seinem eigenen Leben – und verzaubert auf der Bühne mit dem Talent eines selbstbewussten Entertainers.
Das hat bisher derart gut funktioniert, dass der Ruf des in Erlinsbach (Solothurn) aufgewachsenen Musikers auch im Ausland gehört wird. Jetzt erscheint sein mit Spannung erwarteter erster Tonträger, und der macht deutlich: Geiser will es wissen!

In Los Angeles aufgenommen
Nach wenigen Takten spürt man, dass hier ausgefuchste Profis am Werk waren; die Platte tönt, wie in legendären amerikanischen Studios produzierte Bluesplatten tönen: authentisch, kraftvoll, edel. Kein Wunder, denn Geiser hat sein Album in der Musik- und Filmstadt Los Angeles beim renommierten Produzenten und Songschreiber Eric Corne eingespielt.
Corne weiss, wie man Blues arrangiert, hat schon für Cracks wie John Mayall oder Walter Trout gearbeitet – und für den «lucky man from Switzerland» eine hochkarätige Band ins Studio geholt: Dave Raven (Drums), Taras Prodaniuk (Bass) und Billy Watts (Gitarre). Zusammen sind sie die «Mojo Monkeys», gefragte Session-Musiker aus der Szene von Los Angeles, seit 30 Jahren gemeinsam unterwegs. «Sie gaben den Songs ihre ganze Energie und Erfahrung», schwärmt Geiser. Seine Augen leuchten, wenn er von dieser Erfahrung spricht. «Unglaublich motivierend, mit solchen Leuten zu arbeiten. Und die Horns erst (Richie ‹La Bamba› Rosenberg, Trombone; Marc Pender, Trumpet, und Ron Dzjubla, Sax). Mein Gott, diese Jungs haben schon für Stars gespielt, die mir den Atem stocken lassen: Robert Cray, Bruce Springsteen, Bon Jovi ...»
Wer vermutet, dass sich hier ein wohlbehüteter Schweizer Musiker für teures Geld in den USA eine Bluesplatte produzieren liess, liegt falsch. Pascal Geisers Karriere entwickelte sich organisch, und der Trip ins Mutterland des Blues war eigentlich gar nicht Teil des Plans.

Erfolge im Ausland
Doch das Schicksal hatte anderes vor: 2015 gewann der 38-jährige Bluesmusiker die Promo Blues Night in Basel, ein Jahr später auch die Swiss Blues Challenge. Das hatte Folgen; Geiser durfte 2017 sein Land mit seiner exzellenten Schweizer Band an der «European Blues Challenge» (einer Art EM des Blues) in Dänemark vertreten und holte den dritten Platz, was noch kein anderer Schweizer Bluesmusiker schaffte. An der «International Blues Challenge» in Memphis erreichte er das Viertelfinal. In Memphis, in der Stadt des Blues, kreuzte sich Geisers Weg mit jenem von Eric Corne. Nach einem Gespräch von zehn Minuten war für Geiser klar: «Irgendwie sprang der Funke, die Chemie hat einfach gepasst und ich wusste, dass Eric mein Album produzieren wird.»

Positive Ausstrahlung
Ein halbes Jahr später reiste Geiser für eine intensive Studiowoche nach Los Angeles, zusammen mit seinem langjährigen Keyboarder Shanky Wyser, welcher die meisten Stücke komponiert hatte. «Die Songs waren im Grunde alle bereits arrangiert, wir spielten sie in der Schweiz mit meiner Live-Band schon eine ganze Weile. Doch wir gaben Eric Corne bewusst nur Skizzen zum Anhören; wir wollten ihm freie Hand lassen.» Ein kluger Entscheid, die Alchemie konnte ungehindert ihre Wirkung entfalten. «Es waren unglaublich fruchtbare Tage. Mir wurde zunehmend bewusster, dass Eric von Anfang an ein klares Bild der Songs im Kopf hatte, welches wie selbstverständlich mit meiner und Shankys Vorstellung der Songs harmonierte. Wir ergänzten uns prächtig!»
Entstanden ist ein abwechslungsreiches Bluesalbum mit elf persönlichen Songs, mal sanft, dann wieder temporeich und druckvoll. Die amerikanische Handschrift und Vorbilder wie B. B. King oder Buddy Guy sind unüberhörbar; dennoch schafft es Geiser, mit Swissness, rauer Stimme und positiver Ausstrahlung eine eigene Identität zu vermitteln.

Pascal Geiser Lucky Man (bluespage productions/Cede.ch; itunes; igroove).
Live 15. 6. Mahoganyhall Bern; 22. 6. Oberdiessbach Castle Jazz; 2. 7. New Orleans meets Zofingen; 27. 7. Wasserfest Aarburg; 27. 10. Musigburg Aarburg; 2. 11. Baronessa Lenzburg; 9. 11. Vario Bar Olten (Plattentaufe).
Radio SRF1 Pascal Geiser heute ab 21 Uhr in der Sendung «Swissmade».