Nachruf
«Üble Sache, Maloney!»: Radio-Kultdetektiv Michael Schacht ist tot

Michael Schacht war 30 Jahre lang die rauchig-zynische Stimme des Privatdetektivs Philip Maloney. Nach langer Krankheit ist der 81-jährige Schauspieler mit der Whisky-Stimme gestorben. Privat aber trank er gar keinen Whisky.

Hansruedi Kugler
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Michael Schacht in seiner Paraderolle als Privatdetektiv Philip Maloney.

Michael Schacht in seiner Paraderolle als Privatdetektiv Philip Maloney.

Oliver Menge

«Ich tat, was ich immer tat, ich schenkte mir einen Whisky ein» - ein Sonntagvormittag ohne diese rauchigen Sprüche des Kult-Detektivs auf Radio SRF 3? Undenkbar, früher in Wohngemeinschaften und später beim Familienbrunch. Selten so oft ein gezischtes «Psst!» am Esstisch gehört.

Geplaudert werden durfte da nur in den Musikpausen zwischen den sprücheklopfenden Rauhbein-Szenen mit dem Traumpaar Jodoc Seidel als schusseliger Polizist und Michael Schacht als Privatschnüffler Philip Maloney, als Parodie auf Raimond Chandlers Philip Marlowe. Und nun? «Üble Sache, Maloney», einen passenderen Abschiedsspruch für den nach langer Krankheit verstorbenen Charakterdarsteller gibt es wohl nicht.

Folge vom 21.08.2022

SRF

«Wo Maloney, ist auch ein Toter» füllte auch unzählige Schweizer Gemeindesäle

30 Jahre, 400 Fälle mit dem Kult-Duo: Die Stimmen bleiben unvergessen. Und mit ihnen die unzähligen Sprüche, die Jodoc Seidel und Michael Schacht (im Colombo-Regenmantel) auch in gefühlt jeder zweiten Dorfturnhalle, jedem zweiten Kleintheater in der Schweiz vor vollen Rängen zum besten gaben: «Wo Maloney, ist auch ein Toter», «Wären Sie ein Politiker, man müsste Sie in den Bundesrat wählen, dort wimmelt es von abgehalfterten Leuten».

Und zum Gaudi des Publikums dann auch selbstironisch: «Lesen Sie eines Ihrer Gedichte, das vertreibt die Zuschauer», «Früher spielten Polizisten die Hauptrollen in Hörspielen. Und was hat man heute? Einen privaten Schnüffler, der die Leute am Sonntag vom Kirchgang abhält.»

Und wenn Maloney säuselt: «Heisser Dampf zischt an mein Ohr, so stell ich mir den Himmel vor», und sein Polizisten-Kumpel sarkastisch kontert: «Im Namen des guten Gedichtes, Sie sind verhaftet», dann wirkt der ruppig-volkstümliche Humor dank Seidel-Schacht charmant.

Genial, wie die beiden all die vielen neurotischen Mörder in den Krimis stimmlich sympathisch veräppelten: den Macho-Italo, die betuliche ältere Dame, den Möchtegern-Indianerhäuptling, den klebrigen Stofftier-Liebhaber und viele mehr.

Charisma - auch ohne Whisky im Blut

Es ist ein zwiespältiges Glück, wenn man als Schauspieler mit einer charismatischen Stimme gesegnet ist und mit einer einzigen Rolle identifiziert wird. Michael Schacht nahm es mit professionellem Humor. Krimiautor und «Maloney»-Erfinder Roger Graf schreibt denn auch in seinem kurzen Nachruf auf den Kollegen, die Rolle des Maloney sei für Michael Schacht «keine Figur, keine Rolle, sondern ein Zustand» gewesen.

Und zum Verhältnis Figur und Privatmann fügt er hinzu: «Er gab dem Privatdetektiv einen Ausdruck, eine rauchige Seele, er, der nie rauchte und der den Whisky, den man ihm gelegentlich schenkte, an mich weiter reichte.»

In Berlin geboren, in der Schweiz auf vielen Bühnen

Michael Schacht wurde 1941 in Berlin geboren, nach seiner Schauspieler-Ausbildung in Frankfurt spielte er in den 1960- und 70-Jahren zuerst auf deutschen Bühnen in Frankfurt, Kassel. Dann zog es ihn in die Schweiz. Einem ersten Engagement am Städtebundtheater Biel-Solothurn folgten Stationen in Zürich, St. Gallen und Bern.

Seit 1978 war er freischaffender Schauspielen, vor allem für Sprechrollen im Radio, als Synchronstimme und in Nebenrollen in vielen Spielfilmen und Fernsehkrimis. In Erinnerung aber bleibt er uns vor allem als Maloney: Ein knorriger Einzelgänger, der sich mehr schlecht als recht, aber mit viel schwarzem Humor, durchschlug.