Konzert
Therapie für einen Männerchor

Freiämter Sturm aufs Badener ThiK mit der bestens gelungenen Uraufführung von «Roti Rösli» mit Philipp Galizia und Musiker Erich Strebel.

Rosmarie Mehlin
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Roti Rösli

Roti Rösli

Eine Neuauflage des Freiämter Sturms – nunmehr friedlich und mit Baden als Ziel: Was sich am vergangenen Wochenende im Theater im Kornhaus, ThiK, tat und am kommenden erneut tun wird, kann füglich als solcher bezeichnet werden, sind es doch lauter Freiämter, welche zum unterhaltsamen Angriff aufs Badener Publikum blasen. Blumig ist, mit «Roti Rösli», das Motto; der Zusatz «Eine musikalische Wurzelbehandlung» allerdings tönt nach Schmerz.

Worin die Wurzelbehandlung besteht, bleibt jedoch rätselhaft, wird das Publikum doch höchst lustvoll unterhalten. Schmerzlich ists zwischendurch höchstens insofern, als gewisse Lieder Erinnerungen an – für die allermeisten Zuhörer – lange oder gar längst vergangene Tage weckt: Lieder, die uns einst beim Einschlafen geholfen oder die wir im Kindergarten, in der Schule, «uff dr Gass» gesungen haben.

Die Handvoll Freiämter hat sich also daran gemacht, uns musikalisch mit einer Portion Nostalgie zu beglücken, denn «Erinnerung bringt Erlösung» verkündet Philipp Galizia alias Röbi Rösli von der Bühne herunter. Und um die Musik herum? Galizia ist ein Plauderi – einer im besten Sinn des Wortes. Ob, wie in früheren Programmen, von Totengräbern, Engeln, Hundehaltern – Galizia erzählt locker und zugleich intensiv von Menschen und ihren Wünschen, Enttäuschungen, Träumen, Frustrationen. Er gerät dabei stets ins Fantasieren, Mögliches und Unmögliches vermischt sich, gibt den Weg frei für immer neue, unerwartete, spannende Wendungen.

Zwiesprache hält Galizia immer mit seinem Bass, so auch diesmal. Doch jetzt ist noch ein Flügel dabei und der Musiker Erich Strebel, der den schwarzen und weissen Tasten locker und virtuos prickelnde Töne entlockt. Die altbekannten Melodien begeistern mal etwas verfremdet, mal frisch aufgepeppt.

«Roti Rösli» ist die Geschichte von Röbi Rösli und seiner Entwicklung vom Rockmusiker zum Stimmbildner und als solcher in einem Männerchor schliesslich zum (Psycho)-Therapeuten. Entsprechend sind die Geschichten von Männerchormitgliedern eingeflochten. Wie auch immer deren Probleme und Nöte beschaffen sind: Röbi Rösli nimmt sich ihrer an.

Die Texte sind ein Gemeinschaftswerk der Autoren Jörg Meier und Paul Steinmann, von Galizia selbst sowie von Adrian Meyer, der auch Regie führte. Nahtlos reihen sich aus vollem (Bünzli-)Leben gegriffene Geschichten an absurd überhöhte, wobei die einen in verblüffenden, andere in eher banalen Pointen gipfeln. Zusammen fügen sich die Schilderungen höchst vergnüglich zu einem spannenden Ganzen, abgerundet von besagten Liedern, die immer wieder überraschend wie aus einer Wundertüte hervorgezaubert werden. Und die, auch mal von Strebel/Galizia im Duett, so vorgetragen werden, dass die Zuhörer eins übers andere Mal leise seufzend ins Schwelgen geraten. Tja: Erinnerung ist tatsächlich Erlösung.

«Roti Rösli» Weitere Vorstellungen im ThiK Baden am 24., 25. und 26. September. www.thik.ch und www.galizia.ch

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