Zum ersten Mal werden die Swiss Music Awards (SMA) ausserhalb von Zürich verliehen, im Luzerner KKL. Das bedeutet erstmals ein Gesundschrumpfen: Denn im Hallenstadion hatte der Anlass eine Dimension angenommen, die an einen zu fest aufgeblasenen Ballon kurz vor dem Platzen erinnerte. Er war überladen und wollte mehr sein, als der Schweizer Musikmarkt hergibt. Wie man aus Musikkreisen hört, sollen am Ende aber doch vor allem monetäre Gründe den Ausschlag zum Umzug gegeben haben – auch wenn der Veranstalter das selbstverständlich in Abrede stellt.

Auch nach dem Umzug wollen die Swiss Music Awards aber mehr ein Cüpli-Anlass als ein Bier-und-Wurst-Fest sein. Den roten Teppich gibt es auch in Luzern, da stöckeln dann die Marc Sways, Stefanie Heinzmanns und Trauffers drüber und versuchen, etwas Glanz und Glamour zu verstrahlen. Die besten Auftritte haben jeweils jene Künstler, die sich ironisch überhöhen. Abgespeckt hat der Award vor allem bezüglich Zuschauerkapazität (im KKL haben insgesamt 3000 Personen Platz).

Quantität vor Qualität

Und hoffentlich geht es dieses Jahr wieder etwas mehr um Musik als auch schon. Noch immer steht Quantität vor Qualität: Nominationsentscheidend in fast allen Kategorien sind hohe Verkaufszahlen. So sind Bligg und Trauffer ernsthaft in der Kategorie «Best Album» nominiert (zusammen mit Stephan Eicher und Martin Suter) – der kommerzielle Anspruch ist bei beiden Scheiben deutlich höher als der künstlerische. Aber die SMA hatten noch nie das Ziel, besonders innovative oder mutige Musik auszuzeichnen. Sie bilden ab, was gerade gut ankommt.

In diesem Jahr haben sich die Macher Talentförderung auf die Fahnen geschrieben. Zu diesem Zweck wurden Tandems von bekannten Musikern mit Newcomern gebildet (Sina mit Pamela Méndez, Büne Huber mit Abu, Stress mit Comme1Flocon). Wir sind gespannt, ob das mehr als eine PR-Massnahme war.

Echte Talentförderung gibt es in der Kategorie «Best Talent». In Zusammenarbeit mit SRF 3 kämpfen Marius Bear, KT Gorique und JulDem um den Titel – entschieden wird dieses Rennen in einem (bereits abgeschlossenen) Publikumsvoting.

Ihr Sieg würde den SMA guttun

Die Mischung ist durchaus spannend: JulDem macht modern unterfütterten Singer-Songwriter-Sound, Marius Bear mit grosser Kelle angerichteten Pop und KT Gorique wilden, direkten Rap auf Französisch. Und gerade ein Sieg der im Wallis wohnhaften Hip-Hopperin würde dem Swiss Music Award unheimlich gut tun. Seit Jahren sind Frauen unter den Preisträgern konstant untervertreten, und auch die ganze Romandie findet abseits von Stress und Bastian Baker kaum Platz. Zudem wäre KT Gorique tatsächlich mal ein «Talent», welches der breiteren Masse noch nicht bekannt ist und die auch nicht bereit ist, um jeden Preis Kompromisse einzugehen. Kurzum: Ein Sieg von KT Gorique würde den SMAs Glaubwürdigkeit zurückgeben.

Wenn wir wetten müssten, würden wir aber auf einen Sieg von Marius Bear tippen. Der Appenzeller hat eine fantastische Stimme – und auch die notwendige Massentauglichkeit.

Swiss Music Awards Samstag, 16.2. Ab 20.05 Uhr werden sie auf SRF übertragen.