50-Jahr-Jubiläum
Steppin Stompers spielen in ihrer eigenen Liga

Die Baselbieter Jazz-Band, welche am kommenden Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen feiert, glänzt mit Experimentierlust, Spielfreude und personeller Konstanz.

Andreas Hirsbrunner
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Steppin Stompers

Steppin Stompers

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1967 (v.l.): Hansi Rudin, Martin Zehntner, Werner Thommen, Andy Spinnler.

1967 (v.l.): Hansi Rudin, Martin Zehntner, Werner Thommen, Andy Spinnler.

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Am nächsten Wochenende treten die Steppin Stompers wieder in der Arena von Augusta Raurica auf, wie sie es schon Dutzende Male respektive Hunderte Male in anderen Arenen und Konzertsälen gemacht haben. Trotzdem ist dieses Mal alles ganz speziell: Das Wochenende ist für die wohl bekannteste regionale Band ein einsamer Höhepunkt, wie ihn nur wenige erreichen: Die Stompers feiern ihren 50. Geburtstag.

Stompers heisst auf Deutsch Stampfer, steht aber auch für ein Rock- oder Jazzstück mit besonders starkem Rhythmus. Womit wir bei der musikalischen Ausrichtung der Steppin Stompers sind. Diese umschreibt der Basler Ernst Mutschler, bis 2014 während 30 Jahren lang OK-Präsident von «Em Bebbi sy Jazz» und einer der besten Szenenkenner, so: «Die Steppin Stompers spielen Happy Jazz respektive Dixieland in einer grossen Bandbreite und kleben nicht an einem Stil fest. Darin sind sie eindeutig Spitze in der Region. Der Beweis dafür ist ihre grosse Anhängerschar.» Zu ihrer Experimentierlust gehöre, dass sie Stücke wie den Schacher Sepp gekonnt adaptierten, was für puritanische Jazz-Musiker und -Geniesser grenzwertig sei. Dass es ihnen gelinge, ein breites Publikum anzusprechen, hänge aber auch mit ihrer grossen Spielfreude und der hohen Band-Qualität zusammen, lobt Mutschler.

Annäherung auf Eis

Bei den Steppin Stompers war von Anfang an vieles etwas anders. So lässt Bandleader und «Sprachrohr» Hansi Rudin (64) an Konzerten immer wieder gerne die Anekdote vom Band-Start einfliessen: Dieser sei dem harten Winter 1963 zu verdanken. Er und der ein Jahr ältere Andy Spinnler, beide Liestaler, hätten sich wohl vom Sehen gekannt, aber die Frenke habe sie getrennt. Als diese nun in besagtem Winter zufror, hätten die Kinder aus den Quartieren dies- und jenseits des Ufers zusammen auf dem Bach Eishockey gespielt. So lernte Rudin Spinnler näher kennen, die beiden begannen, zusammen Musik zu machen und spielten schon bald an einem Silvester ihr erstes Konzert für die Eltern, Rudin Klarinette, Spinnler Banjo.

Bald gesellten sich auch der Schlagzeuger und kürzlich verstorbene Werner Thommen sowie der Gitarrist Martin Zehntner dazu. Aus den anfänglichen Thunderbirds wurden die Steppin Stones und schliesslich die Steppin Stompers. Und aus dem Silvesterkonzert für die Eltern wurden zusehends grössere Auftritte an Schulen, im damaligen Liestaler Kino Uhu, in anderen regionalen Sälen und bald auch in Augusta Raurica. Musikalisches Vorbild seien die Piccadilly Six sowie Chris Barber gewesen, erzählt Rudin.

Ein Schub bezüglich Bekanntheitsgrad erfolgte dann 1969, als die Stompers zusammen mit Luigi Taveri in diversen Einkaufszentren auftraten. Rudin: «Wir spielten, er verteilte Autogramme. Weil er der aktuelle Motorrad-Weltmeister in der 125-Kubikzentimeter-Klasse war, war danach in der Presse die Rede von den weltmeisterlichen Steppin Stompers.» Den endgültigen Durchbruch habe dann 1979 die erste Langspielplatte mit dem Hit «Tschu-Tschu-Train» als Hommage ans Waldenburgerli gebracht. Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgsrezepts der Band ist deren Konstanz. So ist von den heutigen Mitgliedern nebst den beiden Gründern Hansi Rudin und Andy Spinnler Trompeter André Hägler seit 45 Jahren, Bassist Christian Grieder seit 40, Posaunist Louis Bürgi seit 34, dessen Sohn Urs Bürgi am Schlagzeug seit 11 und Gitarrist René Hemmig seit 15 Jahren dabei.

Zusammengeschweisst haben die Steppin Stompers ihre Auftritte an der Costa Brava: Seit 24 Jahren fährt die Band im Juni zusammen mit hundert Fans mit Bussen und mittlerweile auch mit dem Flugzeug für eine Woche nach Spanien und lässt es sich in einer Hotelanlage in Giverola mit Baden, Tennis spielen und natürlich Konzertauftritten gut gehen. Für Rudin zählen diese Spanienreisen mit zu den Highlights.

Alter schützt vor «Lämpen»

Der «absolute Höhepunkt» der Band-Geschichte sei jedoch das viermal in Liestal durchgeführte Open Air «Jazz in der Altstadt» mit Vorbild Chris Barber und jeweils über 2000 Zuschauern gewesen. Zu den schönen Momenten gehören für Rudin auch die Auftritte auf den Kreuzfahrtreisen, die die Stompers seit 12 Jahren durchführen. Da es auf den Schiffen nur Schweizer an Bord habe, seien die Stompers inzwischen landesweit bekannt. Ebenfalls unter den positiven Erfahrungen verbucht Rudin das Engagement von Gastmusikern wie Hene Wirz, Chicago Dave oder aktuell dem «Weltklasse-Geiger» Adam Taubitz.

Aber natürlich gibt es in der 50-jährigen Bandgeschichte auch die andere Seite. Rudin sagt: «Die Tiefpunkte betrafen vor allem menschliche Schicksale.» So habe man sich aus diversen Gründen und nach teils langen, schwierigen Prozessen auch von Bandmitgliedern trennen müssen. Bewährt hätten sich früher bei Problemen die «Lämpe-Sitzungen», die aber heute wegen der eingekehrten Altersweisheit nicht mehr nötig seien, ergänzt Rudin augenzwinkernd.

Der Wunsch für die Zukunft? «Musikalisch läuft es uns sehr gut. Ich hoffe, dass wir alle noch möglichst lange gesund bleiben und getreu dem Motto ‹Spielen, was Spass macht› musizieren können», sagt Rudin mit einem Seitenblick auf den Bassisten, der doch schon 76 Lenze zählt. Aber bei den Stampfern, pardon Steppin Stompers, ist eben vieles ein bisschen anders.

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