Musik
Soundtrack eines nebligen Winterabends

Die Aargauer Singer-Songwriterin Tilia veröffentlicht ihr Album «Focus». Stimmungsvolle und melancholische Songs für neblige Winterabende.

Simon Huwiler
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Album «Focus» von Tilia.

Album «Focus» von Tilia.

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Wenn die Sonne langsam untergeht, Nebelschwaden in der Dämmerung vorbeiziehen, das rhythmische Vibrieren des Zuges zum Sinnieren über die Welt anregt, steckt man mitten im Album der Aargauer Künstlerin Tilia. «Focus» heisst ihr neustes Werk, lädt aber überhaupt nicht zum Fokussieren ein. Stattdessen schweifen die Gedanken bei diesen ruhigen Klängen ab und landen irgendwo beim Sinn des Lebens. «Dream Pop» nennt die 28-jährige Daniela Hallauer, die hinter Tilia steckt, dann auch diesen Stil. Sphärische Klänge wechseln sich ab mit klaren Gitarrenchords. Ist sie selbst auch eine Träumerin? «Ich bin ein nachdenklicher Mensch», verrät sie uns, «Musik hilft mir, Dinge zu verarbeiten.» Obwohl aber ihre Musik zu herbstlicher Melancholie auf langen Zugfahrten einlädt, bezeichnet sie sich selbst als einen aufgestellten, fröhlichen Menschen.

Einfluss aus Übersee

Vor über zehn Jahren veröffentlichte sie bereits ein Album, trotzdem ist «Focus» ihr Debütalbum in dieser Formation. «Ich habe zuerst noch mit einer anderen Musikformation daran gearbeitet. Dann jedoch merkten wir, dass wir eine neue Richtung einschlagen müssen, irgendwie waren wir nicht ganz zufrieden damit.» Es hat sich gelohnt. Alle Songs wirken ausgefeilt und professionell. Sie sind gut orchestriert, ausgeschmückt mit schönen Details und Effekten, ohne aber zu übersättigen. Auch der amerikanische Einfluss des Produzenten Reto Peter – ein ausgewanderter Schweizer – ist in gewissen Stücken zu erkennen. Das Stück «Home» erinnert mit der Steelguitar-Begleitung ein bisschen an Countrymusik.

Gewisse Dinge gehen zu schnell

«Head Over Heels», was so viel bedeutet wie «Hals über Kopf» ist der schlagkräftigste Song auf dem Album und wurde auch vor Albumrelease als Single ausgekoppelt. «So it started with a stranger, one she might have seen before» beginnt sie zu singen. «Der Song erzählt eine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven», verrät uns Hallauer. «Der Kern ist, dass gewisse Dinge im Leben zu schnell gehen.» Spricht sie von sich selbst? Dazu möchte sie lieber nichts sagen. Momentan stellt sie ihr Album auf Schweizer Bühnen vor. Das Konzertleben mag sie: «Man erfährt die direkte Reaktion des Publikums und es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, wie die Musik beim Publikum ankommt.» Die Musik kommt an, bei jedem Zuhörer aber anders. Jeder findet sich irgendwo in den Stücken wieder, kann sich damit identifizieren. Das macht der Reiz dieses ruhigen Werkes aus. Nicht nur während nebliger Zugfahrten.

Tilia: Focus, www.tiliamusic.com

Plattentaufe 17. Jan. 20 Uhr, «El Lokal» Zürich.