Musik

Nackt bis auf das Skelett: Der Schweizer Soulstar Seven singt neu auf Deutsch

Seven, Aargauer mit Wohnsitz in Luzern, wechselt die Sprache: Auf seinem neuem Album singt er Deutsch.

Seven, Aargauer mit Wohnsitz in Luzern, wechselt die Sprache: Auf seinem neuem Album singt er Deutsch.

Soulsänger Seven ist Gastgeber einer Fernsehshow und veröffentlicht ein Album mit Songs auf Deutsch. Damit will er besser verstanden werden.

Nach den Hosen lasse er jetzt auch die Unterhosen runter, sagt Seven. Er sitzt vollständig angezogen in einem Café in Luzern und spricht über sein neues Album. Pardon, sein «Halbum». Es sind nur fünf Songs, eigentlich würde man dem EP sagen, «diesen Begriff finde ich aber schrecklich», sagt Seven, und da habe der «Peach Weber in mir» dieses Wortspiel erdacht. Seven kommt wie Weber aus Wohlen im Aargau, scheinbar die Kalauer-Hochburg der Schweiz.

Zurück zur heruntergelassenen Unterhose von Seven: Wer sich auf nackte Haut gefreut hat, der wird enttäuscht. Haut und Fleisch lässt der 41-Jährige nämlich gleich mit runter und gibt den Blick auf das Skelett frei: Seven singt neu auf Deutsch. Aus «Love» wird «Liebe», aus «Soul» wird «Seele». «Der Text ist König», sagt Seven, «das war schon immer so.» Aber: «Seien wir ehrlich: Wir konsumieren Musik ganz anders, wenn die Texte auf Englisch sind.» Wer auf Deutsch texte, der wolle verstanden werden.

Er habe in den über zwanzig Jahren, in denen er auf Englisch gesungen habe, insgesamt vielleicht fünf Interview-Fragen zu seinen Song-Texten beantworten müssen. Das sei zwar manchmal frustrierend gewesen, weil er auch schon damals Persönliches in die Zeilen gepackt habe, aber auch eine Art «Schutzschild». Wer als Schweizer auf Englisch singe, lasse im deutschsprachigen Raum das Publikum nicht gleich nahe ran. Mindestens die Unterhosen behalte man schon an.

«Ich dachte, Perfektion bügelt alles aus»

Vor zwei Jahren schwirrte ihm die Zeile «Ich will verletzlich bleiben und ehrlich sein. Auch Gefühle teilen, auch wenn es gefährlich scheint» durch den Kopf. «Und ich wollte schauen, ob ich es schaffe, dazu einen Text zu schreiben, der für mich komplett stimmt. Von dem ich schon beim Lesen denke: Der ist geil.» Geholfen hat ihm beim Schreiben Thomas D. von den Fantastischen Vier. Sie hätten über jedem Wörtchen gebrütet, gestritten, gezweifelt. Herausgekommen ist «Seele».

«Ich dachte, Perfektion bügelt alles aus», singt Seven darin. Eben jene Perfektion ist ein Charaktermerkmal, die man sofort mit Jan Dettwyler, dem bürgerlichen Namen hinter Seven, in Verbindung bringt. Zusammen mit Fleiss und Beharrlichkeit – und natürlich einer grossartigen Stimme – hat sie ihm in den letzten Jahren Türen geöffnet. Seit der Fernsehsendung «Sing meinen Song», in der Seven auf Einladung Xavier Naidoos landete, hat Dettwyler den Sprung ins nördliche Nachbarland geschafft. In Deutschland coverte Seven Songs von Nena, Naidoo und Co. und kam «so ganz natürlich mit deutschen Texten in Berührung.» Er habe die Songs grossartig gefunden, ohne gross zu überlegen, in welcher Sprache sie seien.

Nach und nach sei die Lust gewachsen, selber deutsch zu singen, sagt er nach einem Schluck aus der Kaffeetasse. Mittlerweile schreibe er öfters auf Deutsch als auf Englisch. Ganz den «englischen Stift» weglegen will er aber nicht. «Im Momente fliesst es aber auf Deutsch deutlich besser», so Seven. Wer ihm angesichts des Booms deutscher Musik Kalkül unterstellt, dem entgegnet er, dass «ich aus betriebswirtschaftlichen Gründen dieses Album doch eigentlich schon vor fünf Jahren hätte machen müssen als die Sendung lief.»

Ab Freitag hat «Sing meinem Song» auch in der Schweiz einen Ableger. Gastgeber ist, richtig, Seven. Stefanie Heinzmann, Steff la Cheffe, Francine Jordi, Ritschi, Marc Storace, und Loco Escrito sind seiner Einladung gefolgt und lassen ihre Songs von den anderen Gästen interpretieren. «Als die Anfrage kam, habe ich zuerst sofort Nein gesagt», sagt Seven. Und ergänzt: «Wenn die Schweizer-Sendung nicht mindestens gleich gut wie das deutsche Pendant ist, dann braucht es sie nicht.» Auch darum habe er nach der Zusage darauf bestanden, dass er maximale Mitsprache hat.

Wer keinen Plan A hat, kann nicht auf Plan B ausweichen

Aber: Maximale Kontrolle und «Sing meinen Song» – passt das zusammen? Die Sendung lebt doch von Emotionen. Seven lacht. Sein Perfektionismus gründe eigentlich auf einer grossen Unsicherheit: «Ich schaue, dass alles bestens möglich vorbereitet ist. Das gibt dann Platz zum Improvisieren.» Wer keinen Plan A habe, der könne auch nicht auf Plan B ausweichen. «Meine Band verzweifelt immer, weil wir zwar alles genau geplant haben, ich es dann aber während der Show immer wieder umbaue.» Bei der Sendung habe er die Rahmenbedingungen perfekt schaffen wollen, «für die Show gab es aber kein Drehbuch», so Seven. Zu viel verraten will er nicht, aber es werde «schon nach wenigen Minuten geweint». Nicht nach Drehbuch, sondern einfach aus der Emotion heraus. Da sehe man die unglaubliche Kraft, die in der Musik liege, sagt Seven.

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