Langenthaler Rapper
Knackeboul: «Jugendkultur wird hierzulande zu wenig gefördert»

Knackeboul, der Mundartrapper aus Langenthal, veröffentlicht sein viertes Soloalbum «Picasso». Er spricht über «Tanz dich frei», «Gudrun», Beatboxen und Polo Hofer.

Daniel Fasel
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Knackeboul ist ein gewiefter Beobachter seines Umfelds (Archiv)

Knackeboul ist ein gewiefter Beobachter seines Umfelds (Archiv)

Keystone

Warst du bei «Tanz dich frei» in Bern mit dabei?

Knackeboul: Nein, ich hatte einen Auftritt.

Was ist deine Meinung dazu?

Letztes Jahr war ich mit von der Partie. Generell bin ich dafür, dass man auf die Strasse geht und seine Meinung kundtut. Dieses Jahr wurde leider durch einige wenige das Klischee bestätigt, wonach Jugendliche nur Radau machten. Das war nicht das Ziel der Bewegung. Jugendkultur wird hierzulande zu wenig gefördert und nicht ernst genommen. Aber Jugendkultur braucht Platz.

«Picasso» ist dein viertes Soloalbum – welches davon ist dein Favorit?

Ich fand meine erste Platte «Red und Antwort» immer toll. Und jetzt «Picasso», das ist «back to the roots». Textlich ist es wieder sehr poetisch und
tiefgründig. Neu ist, dass es komplett mit den Mundartisten eingespielt wurde.

Du hast einen Drang zur Poesie?

Ich habe schon gedichtet, bevor ich gerappt habe. Es ist mir wichtig, dass man mich nicht nur als lustigen Moderatoren kennt. Und ich versuche, den Leuten auch das Tiefgründige näherzubringen.

Ihr habt ein neues Aufnahmestudio. Redet dir jetzt bei den Aufnahmen niemand mehr dazwischen?

Genau. Die Idee hinter dem Studio ist, dass die Mundartisten möglichst viel selber machen. Ich bin zwar ein Kontrollfreak, aber von den Mundartisten lasse ich mir gerne Tipps geben.

Welcher Teil des Musikmachens gefällt dir am besten?

Natürlich die Live-Auftritte. Mit der Band auf der Bühne zu stehen, macht Spass.

Du hast mal vor Jamiroquai in Deutschland gespielt.

Jamiroquai verspätete sich, und ich hatte nur mein Loop-Gerät «Gudrun» dabei. Ich musste improvisieren und 7000 Zuschauer eine Stunde lang unterhalten.

Hast du da auf Schweizerdeutsch gerappt?

Beatbox ist eine universelle Sprache. Gerappt habe ich auf Schweizerdeutsch, gefreestylt auf Hochdeutsch.

Und du kannst eine Stunde lang improvisieren?

Ja. Das war ein ziemlicher Stress, aber es ging. 7000 Zuschauer warteten ungeduldig auf Jamiroquai. Mich kannte niemand. Und man sagte mir erst in letzter Sekunde, dass sich Jamiroquai verspäten werde. Das war ein Adrenalinkick.

Du nennst deinen Loop «Gudrun»?

Sie ist meine Anstandsdame.

Wie passt Polo Hofer in ein Hip-Hop-Album?

Er ist ziemlich skeptisch gegenüber Hip-Hop. Beatbox fasziniert ihn trotzdem, so konnten wir die Mundartlegende für einen Gastauftritt gewinnen. Wir mussten ihn nur im Café des Pyrénées in Bern abholen und ihn gut verpflegen.

Du sagst, du seist eine rastlose Seele. Wohin geht die Reise?

Zuerst gehe ich mit der Band auf Tour. Die Sendung bei Joiz bleibt bestehen, und ich werde im Auftrag von SRF filmen. Dann gehe ich auf Reisen; und wenn ich zurückkomme, mache ich etwas völlig Neues.

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