Sinfoniekonzerte
Eine lange Tradition geht zu Ende

Das Sinfonieorchester Basel tritt heute und morgen zum letzten Mal bei den Coop- und Volkssinfoniekonzerten auf. Die Reihe geht weiter, aber mit anderen Orchestern.

Marc Krebs
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Das Sinfonieorchester Basel im Musical-Theater.

Das Sinfonieorchester Basel im Musical-Theater.

Benno Hunziker

Das Sinfonieorchester Basel (SOB) nähert sich dem Saison-Finale. Diese Woche auf dem Programm: Das Gastspiel bei den beliebten Coop- und Volkssinfoniekonzerten. Unter der Leitung seines Ersten Gastdirigenten Michal Nesterowicz sind Werke von Robert Schumann und Pjotr Iljitsch Tschaikowsky angekündigt, Solistin ist die 29-jährige chinesische Pianistin Zhang Zuo, die für ihr virtuoses Spiel schon zahlreiche Preise gewonnen hat.

Was allerdings nirgends auf der Affiche zu lesen ist: Mit diesen zwei Konzerten im Musical Theater Basel geht eine lange Ära zu Ende. Denn auch wenn sich das Orchester 2012 von der Allgemeinen Musikgesellschaft (AMG) loslöste, um fortan die Konzertorganisation in Eigenregie fortzuführen: Über die Coop- und Volkssinfoniekonzerte blieben Orchester und Konzertgesellschaft weiterhin miteinander verbunden.

Eine Tradition, die verpflichtete, standen die Basler Sinfoniker doch schon jahrzehntelang als Klangkörper für die Reihe zur Verfügung, also auch schon vor ihrer Fusion 1997.

Abnabelungsprozess

Die Abnabelung von der AMG war kein einfacher Prozess, aber aus Sicht des Orchesters notwendig, um flexibler und selbstbestimmter auf dem umkämpften Klassik-Markt auftreten zu können. Diese Selbstbestimmtheit scheint das Orchester nun auch bei dieser letzten verbliebenen Kooperation vermisst zu haben, wie man vernehmen kann. Das Sinfonieorchester Basel wünschte sich mehr Mitspracherechte und Exklusivität, auch mehr Möglichkeiten der Eigenvermarktung und Promotion in eigener Sache. Zugleich ist es aber unterdessen mit eigenen Programmen auch zur Konkurrenz für die AMG geworden.

Keine Einigung – vorläufig

Belastend war zuletzt offenbar auch, dass die Konzertgesellschaft in jüngerer Zeit für die Coop- und Volkssinfoniekonzerte auch mit anderen Klangkörpern zusammenarbeitete, etwa dem Collegium Musicum Basel oder dem Collegium Winterthur. Das sorgte beim SOB für kritische Stimmen, die eine Verwässerung des Profils fürchteten.

Zwar führten Orchester und Konzertgesellschaft lange Diskussionen, doch konnte man sich nicht auf eine gemeinsame Zukunft einigen.

«Das Sinfonieorchester ist in der kommenden Saison nicht mehr Teil der Reihe», bestätigt Thomas Jung, Geschäftsführer der Basler Konzertgesellschaft. Er legt Wert darauf, dass dies zumindest vorläufig der Fall sei. «Ich bedaure das Ende der Zusammenarbeit sehr», sagt Jung und hofft, dass das Orchester auf diesen Entscheid zurückkommt: «Das Sinfonieorchester Basel ist jederzeit herzlich eingeladen, wieder einzusteigen und ein Doppelkonzert dieser Reihe zu bestreiten – zum Beispiel, wenn es mit einem Programm auswärts auf Tour ist und ein Heimspiel geben möchte.»

Und mit welchen Klangkörpern werden die Coop- und Volkssinfoniekonzerte künftig fortgeführt? «Mit verschiedenen Schweizer Orchestern, darunter auch dem Kammerorchester Basel», sagt Jung. An der Swissness soll sich nichts ändern, verspricht er. Und auch bei Qualität und Quantität wolle er nicht sparen. «Es werden auch in der kommenden Saison fünf Doppelkonzerte durchgeführt», sagt Jung.

Konzerte
Mi/Do, 30./31. Mai, 19.30 Uhr.
Musical Theater Basel.
www.konzertgesellschaft.ch

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