Sinfonieorchester Basel
Drei Exil-Orte für die Abo-Reihe

Während des Stadtcasino-Umbaus gibt es thematische Programme im Münster, Musical Theater und Theater Basel.

Anja Wernicke
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«Interessieren Sie sich für das reiche Repertoire der klassischen Musik, und Sie werden nie wieder Langeweile haben!» So lautet die Message des neuen Chefdirigenten des Sinfonieorchester Basel (SOB) im frisch produzierten Image-Film.

Am Mittwoch wurde das Saisonprogramm 2016/2017, das der gebürtige Engländer erstmals mitentwickelt hat, vorgestellt. «Ich bin besessen von Anton Bruckner», gibt Ivor Bolton zu und möchte das Publikum an seiner Begeisterung für den spätromantischen Österreicher teilhaben lassen. An drei Abo-Konzerten wird Bruckner auf dem Programm im Basler Münster stehen. Werke des tiefreligiösen Bruckners in einem Kirchenraum aufzuführen ist kein Zufall.

So werden alle acht Programme der Abo-Reihe, die durch die im August 2016 beginnende Renovation des Stadtcasinos in Ausweichorte gezwungen wird, thematisch an diese Räume anknüpfen. Bruckners Messe e-Moll unter Mitwirkung des Münster-Organisten Andreas Liebig und des MDR-Chores Leipzig markiert Ende August den Auftakt zu einem dreijährigen Bruckner-Zyklus. Der erste Gastdirigent Michal Nesterowicz setzt die Reihe im Dezember mit Bruckners ersten Sinfonie fort, Bolton selbst beschliesst sie mit der zweiten Sinfonie Ende Juni 2017.

Akustische Anpassungen

Damit die Konzerte im Münster nicht in einem Nachhall-Debakel enden, hat das Sinfonieorchester extra eine akustische Messung in Auftrag gegeben. Die besagt, dass die tiefen Frequenzen besonders gut transportiert würden. Ob dann weniger Celli und Kontrabässe zum Einsatz kommen, bleibt noch zu klären.

Neben den akustischen Herausforderungen sorgen sich die Vertreter des SOB am meisten darum, ob das Abo-Publikum bei dem Parcours durch die Stadt mitziehen wird. Als Gutzi bekommen sie das Welcome-Konzert von Ivor Bolton in der Event Halle Basel mit der siebten Sinfonie von Beethoven geschenkt.

Stargeiger David Garrett

Im Musical Theater ist die Casino-Gesellschaft selbst bemüht, akustische Anpassungen vorzunehmen. Hier plant das SOB zwei Programme und wagt sich mit einer «Comedy meets Classic» Veranstaltung unter dem Titel «A Big Nightmare of Musical» und einem Auftritt des Star-Geigers David Garrett in deutlich populärere Gefilde vor. Für das Konzert mit Garrett kehrt der aktuelle Chefdirigent Dennis Russel Davies, der in diesem Juni verabschiedet wird, als Gast zurück. Im Theater Basel stehen dagegen Bühnenmusik-Suiten wie Sergej Prokowjews «Romeo und Julia», Jacques Offenbachs «Gaîté Parisienne» oder Maurice Ravels «Daphnis et Chloé» auf dem Programm. Hier bereitet weniger die Akustik als vielmehr die Platz-Kapazität (nur 850 Plätze) Probleme.

Das SOB hat derzeit 1500 Abonnenten, die sich auf zwei Aufführungen des jeweiligen Programms verteilen. Die etablierten Konzerttage Mittwoch und Donnerstag sowie die Abo-Struktur bleiben erhalten. Ebenfalls auf Reisen gehen die Vermittlungsprojekte: Die mini.musik-Konzerte für junge Zuhörerinnen und Zuhörer im Kindergartenalter finden neu im Scala Basel statt. Die Reihe «Grille und Ameise» mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja werden in Laufen weitergeführt.

Neben den Konzerten im Gare du Nord gibt es neu drei Picknick-Konzerte im Hof des Museums für Kulturen sowie weitere Konzerte im Kunstmuseum, der Fondation Beyeler und im Museum für Wohnkultur. Auch die Cocktailkonzerte im Salle Belle Epoque des Trois-Rois-Hotels bleiben bestehen. Gastspiele in Baden-Baden und Guebwiller sind in Planung.

So ist der SOB-Kalender, der an insgesamt 15 verschiedene Spielorte führt, trotz der Subventionskürzungen von zwei Millionen in der Periode 2016–2019, dicht gefüllt.

Dieser Tage beginnen die Bauvorbereitungen für die Umgestaltung des Stadtcasinos. Grösste Neuerung dürfte die Verlegung des Haupteingangs vom Steinenberg auf den Barfüsserplatz sein.

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