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«DJ BoBo will nicht spielen, er will tanzen»

DJ BoBos neue CD und die gleichnamige Show zum 20-Jahr-Bühnenjubiläum heisst «Dancing Las Vegas». Er stellt sie am Wochenende zum 20. Bühnenjubiläum im Europapark in Rust live vor.

Reinhold Hönle
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Mitte April 2011 trat DJ Bobo im Hard Rock Cafe Las Vegas auf.
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Leuchtreklame an Vegas' Partymeile, dem «Strip»
1001. Konzert von DJ Bobo in Las Vegas
Unter den 600 Konzertbesuchern waren auch rund 100 Schweizer.
Das Konzert in Las Vegas war das erste in den USA überhaupt.
Eingefleischte Bobo-Fans aus dem US-Bundesstaat Arizona.
Ausgelassene Stimmung vor der Bühne.
Las Vegas ist auch Thema von Bobos 20. Bühnenjubiläum im 2012.

Mitte April 2011 trat DJ Bobo im Hard Rock Cafe Las Vegas auf.

az / pascal meier

Weshalb ist Ihre neue CD mindestens eine Klasse besser als der Vorgänger «Fantasy»?

DJ BoBo: Ich weiss es nicht. Ich habe diesmal weder auf einen Stil Rücksicht genommen noch auf ein Thema. Die Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, war, einfach ein gutes Album zu machen. Ich bin naiv wie in meinen Anfängen an die Sache herangegangen, ohne zu überlegen, welche Funktion ein Song auf dem Album oder in der Show haben soll. So war selbst «Love Never Dies» möglich, das eigentlich völlig quer in der Landschaft steht.

Was meinen Sie mit «quer»?

Ein akustischer Gitarrensong und nur mit meiner Stimme. Das waren für mich bislang eigentlich absolute No-Gos, aber wie es sich herausgestellt hat, gehen sie eben doch sehr gut.

Wie ist diese berührende Ballade entstanden?

Es mag seltsam klingen, da ich nun schon seit 20 Jahren Musik mache, aber ich entdecke immer noch neue Seite an mir, Talente, die im Verborgenen geschlummert haben. In diesem Fall mag es daran liegen, dass es die erste CD seit dem Tod vom langjährigen Bandmitglied Anthony Moriah ist. Er war wie ein grosser Bruder für mich. Wenn es beim Singen schwierig wurde, kam er zum Zug. Weil es nun niemanden mehr gibt, der in die Bresche springen konnte, musste ich alles selbst aufnehmen und habe mich auch mehr getraut.

Haben Sie sich bei Songs wie «Everybody’s Gonna Dance» und «Everybody’s Free» von David Guetta inspirieren lassen?

Es ist nicht der Versuch, wie Guetta zu tönen, aber es ist die logische Umsetzung des DJ-BoBo-Sounds in die heutige Zeit. Früher war ich selbst ein Pionier, nun spielen andere diese Rolle.

Freuen Sie sich über Guettas Erfolg?

Absolut, Guetta ist BoBo 20 Jahre später. Das fühlt sich an wie ein Zeitsprung. Er hat extrem gute Kompositionsmelodien und bedient sich wie ich in meinen Anfängen verschiedener Sänger und Sängerinnen. Das eröffnet ihm viele Möglichkeiten, ist aber auch gefährlich. Wenn der Stil nicht mehr in Mode ist, gerät man schnell in Vergessenheit. Um das zu vermeiden, liess ich den Produzenten DJ BoBo in den Vordergrund treten und als Künstler zur Marke werden.

Wie sind Sie auf den Titel des neuen Albums gekommen?

Zuerst wussten wir nur eines: Die CD und die Tour zum 20. Bühnenjubiläum 2012 mussten einen Titel tragen, bei dem sofort allen klar ist, dass er etwas Positives transportiert – nichts Geheimnisvolles oder Mystisches. Da hätte ein Titel mit einem Wort wie Party nahegelegen, aber das war uns zu platt und oberflächlich. So flogen wir, unser sechsköpfiges Kreativteam, nach Las Vegas und schauten jeden Tag zwei Shows an, stellten aber nur fest, dass es nichts Besseres gibt als den Namen dieser Stadt.

Weshalb dann «Dancing Las Vegas»?

Da die Stadt auch für sein Glücksspiel bekannt ist, wollen wir klarstellen: Der BoBo will nicht spielen, er will tanzen.

Verbinden Sie mit dem Elvis-Film «Viva Las Vegas» irgendwelche Jugenderinnerungen?

Nein, die DVD habe ich mir erst besorgt, als das Thema feststand. Da ist mir gleich aufgefallen, wie schlecht er war. Natürlich, der Film stammt aus einer anderen Zeit, aber diese endlos langen Sequenzen sind heute kaum mehr auszuhalten. Der Song «Viva Las Vegas» ist jedoch so gut, dass es sich nicht gelohnt hätte, selbst ein Show-Thema zu komponieren, das daneben wie ein Abklatsch wirken muss. Da haben wir lieber gleich eine Coverversion gemacht.

Wie geht man an einen Elvis-Song heran?

Ich entschied mich, meine Stimme stark zu verfremden, was ich sonst nie tue, damit man merkt, dass wir diese traditionelle Komposition in die Neuzeit holen. Zudem haben wir viele Effekte eingesetzt, so, wie das auch Rihanna oder die Black Eyed Peas machen.

Aber der 3-D-Videoclip dazu ist ein Novum ...

Wir hatten das Glück, dass eine spezialisierte Firma mit uns einen 3-D-Clip drehen wollte, um ihn auf grossen Messen zeigen zu können. Das Thema Las Vegas mit den Kostümen, Federn, Glitzer und Glamour war für sie wie ein Sechser im Lotto. Da der Effekt nur zum Tragen kommt, wenn man neben der Spezialbrille auch ein Spezialfernsehgerät zu Hause hätte, ist ein 3-D-Clip momentan noch eine Spinnerei, reine Selbstbefriedigung. Wir konnten das Material jedoch auch für die Tournee-Werbung und das Video zur Single «Everybody’s Gotta Dance» verwenden.

Werden Sie auch live noch eins draufsetzen?

Nein, das Revolutionärste bleibt das Piratenschiff, schon wegen der Form und der zentralen Position in der Halle. «Dancing Las Vegas» wird «Show vom Anfang bis zum Ende» bieten. Da bedienen wir das Klischee.

DJ BoBo Dancing Las Vegas. DJ BoBo Records (Release: 25.11.) Premiere der Show «Dancing Las Vegas» im Europapark Rust (25.–27.11. 2011).

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