Es ist schon fast ein Klischee. Wenn Bluesmusiker auf der Bühne fragen, ob ihr Stil eine Zukunft hat, kommt es vom geneigten Publikum regelmässig zurück: Ja, er lebt, der Blues, und er wird niemals sterben. Diese Erfahrung machte man wieder mit dem 82-jährigen Gitarristen und Sänger Buddy Guy.

Mit seiner Karriere von über sechs Jahrzehnten gilt Guy als eine der letzten lebenden Bluesgrössen. Er, der sich seine erste, zweisaitige Gitarre selbst gebastelt hatte und mit 21 Jahren aus Louisiana nach Chicago gezogen war, beeinflusste ganze Generationen von Blues- und Rockmusikern – bis Eric Clapton, Jeff Beck und Jimi Hendrix. «The Blues is alive and well», den Titel seines aktuellen Albums, verkörperte Guy auch in seinem Basler Auftritt.

Mit der noch immer kräftigen, ausdrucksstarken Stimme und dem virtuosen Gitarrenspiel hatte der Blues-Grossmeister sein Auditorium gleich auf seiner Seite. Und das bereits, als er mit lang gezogenen, verschroben schrillen Gitarrenklängen ins Konzert einstieg. Der gross gewachsene, schlaksig wirkende Mann zog sein Programm in fünf Viertelstunden durch: abwechselnd mit eigenen Songs – darunter «Damn Right. I’ve Got The Blues» oder «Five Long
Years/Have You Ever Been Mistreated?» – und solchen aus dem Repertoire seiner Vorbilder wie John Lee Hooker und Muddy Waters.

Guy verstand es, seinen Blues auf persönliche Art zu präsentieren: von der rauen, ursprünglichen Form bis zu seiner eigenen Mischung aus Blues, Soul und Funk. Immer voller Energie, doch differenziert, Lautstärke und Spannungsbögen auf- und wieder abbauend. Wenn er ab und zu pausieren musste, fingen ihn die hervorragenden Musiker seiner Begleitband mit längeren Soli auf. Dann stand der legendäre schwarze Bluesmann allein und leicht abgewandt im Bühnenhintergrund, spielte die Begleitakkorde mit, bevor er wieder einsetzte.

Immer wieder war Guy auch zu Show-Einlagen und Spässen bereit, etwa als er die Saiten mit einem Schlagzeugstick oder einem Handtuch bearbeitete. Zu grosser Form lief er auf, als er mit Gitarre durch den vollbesetzten Saal zog und hier erstmals ein längeres Solo hinlegte, lautstark gewürdigt vom sonst eher zurückhaltenden Publikum. Leider franste das Konzert gegen Ende etwas aus, als die Musiker bekannte Stücke andeuteten, sie nach wenigen Takten aber wieder abbrachen. Als ob sie sagen wollten: Das hier könnten wir auch noch. Eine Zugabe gabs dann aber nicht.

Musikalisch weniger, dafür umso mehr inhaltlich mit dem Blues zu tun hatte die US-Sängerin Beth Hart in ihrem Konzert davor. Ihre rockigen und melodiösen Balladen, die sie teils am Piano und mit der akustischen Gitarre begleitete, erzählten aus dem Leben der 46-Jährigen aus Los Angeles: persönliche Songs über das Verlassen werden, über psychische Krankheit und Drogenkonsum.

Solche Lebenserfahrungen, umgesetzt in Musik, machten dem Basler Publikum Eindruck. Auch deshalb ist der Blues noch immer populär – weil er eben nicht nur ein Musikstil ist, sondern darüber hinaus ein ganzes Lebensgefühl ausdrückt.