Locarno
Das Moon & Stars ist mit Flaniermeile zurück zum Erfolg – und steht nicht zum Verkauf

Nach dem Rekordjahr von 2013 erfolgte der massive Einbruch, doch jetzt ist das Festival in Locarno zurück. 2017 verzeichnet es einen grossen Besucheranstieg – auch dank der rund ein Kilometer langen «Foodstreet» vom See zur Piazza Grande mit gegen zwanzig «Foodtrucks», einer Gratisbühne für Schweizer Bands sowie einem Riesenrad.

Stefan Künzli
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Der Gratisbereich am Festival in Locarno zog viele Besucher an. Adrian Bretscher

Der Gratisbereich am Festival in Locarno zog viele Besucher an. Adrian Bretscher

© Adrian Bretscher / Hangar Ent

Das Festival «Moon & Stars» in Locarno war in den letzten Jahren das grosse Sorgenkind in der Schweizer Festivallandschaft. Nach dem Rekordjahr von 2013 erfolgte der massive Einbruch. Der Ticketverkauf sank von 93 000 auf 55 000. Das schlechte Wetter und der übersättigte Schweizer Festivalmarkt setzten dem Tessiner Festival zu. Noch schlechter kam es im letzten Jahr, als mit 37 000 Besuchern und einem Durchschnitt von 5300 zahlenden Zuschauern der absolute Tiefpunkt erreicht wurde. Es musste etwas geschehen.

25 000 Besucher im Gratisbereich

Neu wurde in diesem Jahr eine Flaniermeile nach dem Vorbild des Montreux Jazzfestivals eingerichtet. Eine rund ein Kilometer lange «Foodstreet» vom See zur Piazza Grande mit gegen zwanzig «Foodtrucks», einer Gratisbühne für Schweizer Bands sowie einem Riesenrad. Nik Eugster vom Veranstalter MSF Moon&Stars Festival SA geht davon aus, dass sich neben den Konzertbesuchern zusätzlich insgesamt rund 25 000 Leute in dieser Flaniermeile aufhielten und konsumierten.

Für Eugster ist der neue Gratisbereich einer der Schlüssel für die Rückkehr zum Erfolg. Auch in Montreux ist der Gratisbereich ein unerlässliches, zentrales Standbein. Zur Wende beigetragen haben laut Eugster weiter das Konzertprogramm, die neuen, täglichen Sonderzüge in die Deutschschweiz sowie die intensivierte Werbung. Ob «Moon & Stars» damit auch schon wieder schwarze Zahlen schreibt, kann zwei Tage vor Abschluss des Festivals noch nicht abschliessend beantwortet werden. Doch die Auslastung der Konzerte konnte in diesem Jahr wieder markant gesteigert werden. Das Konzert von Zucchero war mit 10 000 Zuschauern ausverkauft. An den neun Tagen konnten 65 000 Tickets verkauft werden, was einem Durchschnitt von mehr als 7000 Zuschauern pro Konzertabend entspricht. Zusammen mit den 10 000 Freikarten und den 25 000 Besuchern im Gratisbereich kommt das Tessiner Festival auf total 100 000 Besucher.

«Moon & Stars» ist auf dem besten Weg, wieder fit zu werden. So fit, dass das Interesse des amerikanischen Konzertgiganten «Live Nation» geweckt werden könnte. Der Konzertgigant ist weltweit auf Einkaufstour, hat vor zwei Wochen das Open Air Frauenfeld geschluckt und will seine Basis in der Schweiz weiter vergrössern. Das Festival in Locarno mit seiner Ausrichtung auf «Big Names» würde perfekt in das Umfeld von «Live Nation passen.

Absage an Live Nation

Gemäss Festival-Eigentümerin Ringier steht «Moon & Stars» aber nicht zum Verkauf. «Wir sehen keinen Grund, über einen Verkauf des Festivals nachzudenken», heisst es auf Anfrage. Ringier habe das Management an die Energy Gruppe übertragen und unterstreiche damit die «Fokussierung und Bündelung der Events im Entertainment-Bereich des Unternehmens bei der Energy Gruppe». Moon & Stars sei für Ringier nicht nur «ein kultureller Höhepunkt des Jahres, sondern auch ein strategisch wichtiges Engagement im Bereich Entertainment».

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