Argovia Philharmonic
Das Argovia Philharmonic verblüfft durch Konstanz und mit einer Rarität

Das Argovia Philharmonic zeigt im 3. Sinfoniekonzert der laufenden Saison Mut und bietet neben zwei Klassikern Richard Strauss’ selten gehörtes Hornkonzert. Ein wohltuend abwechslungsreicher Abend.

Christian Berzins
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Argovia Philharmonic-Chefdirigent Douglas Bostock

Argovia Philharmonic-Chefdirigent Douglas Bostock

Kaum im Saal, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus: Die stolze Höhe des Raumes, die arrogante Uhr rechts oberhalb des Podiums und das Feldschlösschen-Wappen im Rücken geben Rückschlüsse auf die mannigfaltige Geschichte dieses Hauses. Ein neuer Konzertsaal ist es aber nicht, der uns erfreute. Da aber das Argovia Philharmonic im Rheinfelder Bahnhofsaal nur selten gastiert, war uns das Glück bisher vorenthalten, hier Musik zu hören. Schade, denn dieser Saal klingt! Er klingt, pardon liebe Badener und Aarauer, besser als die Trafo-Halle und das KuK zusammen. Am Donnerstagabend beim 3. Sinfoniekonzert der Saison 13/14 des Argovia Philharmonic profitierte als Erster Ludwig van Beethoven davon.

Das Orchester unter der Leitung von Chefdirigent Douglas Bostock schien die Klangentfaltungen ebenso zu geniessen. Mächtig, bis in die Saalritzen furchteinflössend, erklangen die Tutti der «Egmont»-Ouvertüre. Als Pianoseufzer mit grossem Eigen- und Innenleben gefüllt, erwiesen sich die süss-melancholischen Holzbläsereinwürfe. Schade, ging Bostock den kurzen trotzigen Schlussjubel zu forsch an, da blieb kaum mehr Steigerungspotenzial. Detail, denn die Selbstverständlichkeit, mit der das Argovia Philharmonic das nur allzu oft gehörte sinfonische Prachtstück spielte, war eindrücklich. Leider geriet man in Richard Strauss’ 2. Hornkonzert etwas in den Hintergrund.

Gerne wird dieses Werk als «fast unspielbar» bezeichnet. Und in der prächtigen Kadenz zu Beginn konnte der deutsche Solist Christian Lampert auch nicht das Gegenteil beweisen. Aber wie lyrisch er diese unendlichen Bögen im Andante gestaltet, wie er mit farbenreichem Klang den Charakter des Rondos traf, war famos. Und nach den weltberühmten Gästen Olga Scheps und Vadim Repin, nach der Klavier- und Geigen-Party, zeigte das Argovia Philharmonic mit der Einladung eines Hornisten mutig, dass man in der Programmation die Repertoire-Ränder nicht vergessen hat.

Felix Mendelssohn tut zwar in seiner «Schottischen Sinfonie» so, als sei ihr Grundton nachtschwarz, lässt aber die Abendwolken über den geheimnisvollen Zauberschlössern durchaus hellrosa leuchten. Und ebendiese Farbpalette kostet Bostock denn auch liebevoll aus. Herrlich, wie er die Streicher konzentriert führte, wie sie seufzten ... und klangen. Aus dem Orchesterinnern gaben die Blechbläser überaus vergnügt murmelnd ihre Kommentare dazu. Vielleicht geriet der 3. Satz zu salbungsvoll deutsch. Wer ihn als Kontrast zum straffen und aggressiven
4. Satz hörte, verstand die Intention.

Kurz und gut: Diese Tage werden die Konzertfreunde in Muri und Aarau ein wohltuend abwechslungsreiches 3. Sinfoniekonzert hören.

Wiederholung: 18.1., 19.30 Uhr Muri; 19.1., 17 Uhr und 21. 1., 19.30 Uhr, Aarau.

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