Lucerne Festival
Daniel Harding lässt am Lucerne Festival die Guillotine sausen

Rückblick auf die Lucerne-Festival-Woche: Daniel Harding durchpeitscht die 5. Sinfonie Ludwig van Beethovens, und Artiste Etoile Mitsuko Uchida zaubert mit Schumann.

Christian Berzins
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Daniel Harding.

Daniel Harding.

Keystone

Wer am Donnerstag Claudio Abbados Beethoven-Klang vom Wochenende noch im Ohr hatte, ja, weiterhin von dieser «Eroica»-Schwärmerei nicht genug hätte kriegen können, der hätte im fast ausverkauften KKL lauthals protestieren müssen. Abbado-Zögling Daniel Harding (*1975) nämlich wagte eine Beethoven-Revolution: Er knallte mit dem Mahler Chamber Orchestra (dem Stamm von Abbados Festspielorchester!) Beethovens 5. Sinfonie ins Haus, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch einmal mehr täuschend: die Tempi.

Weder war Abbado besonders langsam, noch war Harding überschnell. Aber bei Harding gab es kaum Es-Dur-Licht, keine zwischenzeitliche Erhabenheit im «Andante», kein genüssliches Auskosten des C-Dur-Jubels im Finale. Nein, da herrschte durch vier Sätze hindurch die gepeitschte Wucht. Harding offenbarte, wie Beethoven mit der Fünften die Guillotine über den Kopf des 18. Jahrhunderts hinuntersausen liess. Willkür? Viel eher ein famoses Experiment, wie es an einem Festival, das sich «Revolution» auf die Fahne geschrieben hat, möglich sein muss. So wird aus der Aneinanderreihung der Sinfoniekonzerte ein packendes Memory.

Zwar schon am Dienstag gehört, aber immer noch wach im Ohr ist uns das Solorezital von Artiste Etoile Mitsuko Uchida. Die 64-Jährige zeigte in Werken von Bach, Schönberg und Schumann, welche Gefühlsenthusiastin sie geworden ist. Die lyrische Intensität war hinreissend, ihr Ausdrucksempfinden beeindruckend. Drei weitere Abende gehören zu ihrer bis 7. 9. dauernden Residenz: Sie wird sich als Liedbegleiterin, Kammermusikerin und mit grossem Sinfonieorchester zeigen. Wer da nicht dran bleibt, ist selber schuld.

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