Kino
«This Is Not a Burial, It's a Resurrection»: Ein Preisgekrönter Spielfilm aus Lesotho über Vertreibung, Leben und Tod

Die originale Erzählweise von «This Is Not a Burial, It's a Resurrection» ist von Poesie durchdrungen.

Regina Grüter
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Mary Twala Mhlongo, Mantoa, ist letztes Jahr gestorben.

Mary Twala Mhlongo, Mantoa, ist letztes Jahr gestorben.

Bild: Trigon-Film

Die Leute werden nicht beerdigt, sie werden zur Ruhe gebettet. Sie sind nicht einfach tot, sondern schlafen den ewigen Schlaf. Und unter der Erde in der rauen Berglandschaft, wo die alte Witwe Mantoa ihr ganzes Leben verbracht hat, schlafen viele. Es ist das «Tal der Tränen» – die Sprache der Basotho ist poetisch. Als Mantoa auch noch ihren Sohn verliert, schwindet ihr Lebensmut. Sie bereitet sich auf den Tod vor. Da hilft auch das gute Zusprechen des Dorfpfarrers nichts, und es ist ihr gleich, wenn sie für eine irre Zauberin gehalten wird.

«This Is Not a Burial, It’s a Resurrection» spielt in den Highlands Lesothos, dem komplett von Südafrika umschlossenen Binnenstaat, dessen grösste Ressource das Wasser ist. Durch das Talsperrenprojekt Highlands Water Project exportiert Lesotho jährlich 780 Millionen Kubikmeter Wasser nach Südafrika. Zwecks dessen werden ganze Dorfgemeinschaften in städtische Lebensräume umgesiedelt.

Auch Mantoas Dorf soll einem Stausee weichen, oder Entwicklung und Fortschritt, wie es die Beamten formulieren.

Die Toten können sie entweder exhumieren und mitnehmen oder überfluten lassen.

So oder so: Die Toten, ihre Vorfahren, werden entehrt, und Tradition und Werte der Gemeinschaft lassen sich nicht losgelöst vom Ort an einen anderen transportieren. In Mantoa regt sich Widerstand; ein Funken Lebenswille, um über die letzte Ruhestätte zu bestimmen und letztlich über sich selbst.

Er sei nicht für oder gegen Fortschritt, sagt Regisseur und Drehbuchautor Lemohang Jeremiah Mosese. Aber «This Is Not a Burial, It’s a Resurrection» ist eine Geschichte von jemandem, dessen Sicht auf die Welt stark von der Erfahrung der Vertreibung geprägt ist. «Menschen, die ich interviewt habe, haben diesen Prozess der Vertreibung mit dem Tod verglichen», sagt Mosese. Diese Geschichte der Vertreibung ist Metapher für etwas, was ihn immer schon umtrieb: das Konzept von Leben, Tod und dem Zyklus der Zeit.

Eine thematisch und visuell neue Erfahrung

Mantoa verkörpert dieses Konzept. Ihr zerfurchtes Gesicht hat etwas Transzendentales. Die Kamera bringt Innen- wie Aussenräume zum Leuchten. Sie bewegt sich kaum. Steht frontal und filmt die Protagonisten, meist Mantoa, von vorn, von hinten, im Profil. Wenn sie sich bewegt, dann langsam, um den Raum zu öffnen und den Blick auf die weite Ebene mit den umliegenden Bergen freizugeben.

«An solchen Orten werden häufig Götter gesehen», sagt Mosese, dessen Familie vertrieben wurde, als er ein Kind war. Man mag darin sehen, was man will. Sein Film ist weit mehr als politische Anklage: eine thematisch und visuell neue Erfahrung.

«This Is Not a Burial, It’s a Resurrection»: ab 24. Juni in Aarau (Freier Film), Baden-Wettingen (Orient), Basel (kult.kino Camera), Luzern (stattkino, ab 25. Juni) u.a. und später in St. Gallen.

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