Kultur

Kaserne Basel: Das Theater als Labor in Sachen Globalisierung

Sandro Lunin trumpft auf: Auch in seiner zweiten Saison der Kaserne Basel zeigt sich seine Handschrift deutlich.

Sandro Lunin trumpft auf: Auch in seiner zweiten Saison der Kaserne Basel zeigt sich seine Handschrift deutlich.

Zum Saisonstart der Kaserne Basel zeigt sich: Die Handschrift des neuen Direktors zeigt sich deutlich. Eine seiner Stärken liegt auch in der Wertschätzung von Wiederholung und Vertiefung im Programm.

Sandro Lunin ist in Basel angekommen. Der künstlerische Leiter der Kaserne zeigt sich mit seiner ersten Saison zufrieden und hat gestern seine zweite vorgestellt. Darin wird Lunins Handschrift deutlich. Seine Programme basieren nicht auf der Sensation des immer Neuen. Vielmehr sind Wiederholung und Vertiefung angesagt.

Das liegt einerseits natürlich am Auftrag des Theaterhauses, der heimischen Szene Partner zu sein. Andererseits setzen Lunin und sein Team international auf die mittel- und langfristige Entwicklung von Partnerschaften. Der neue Proberaum am Claraplatz ermöglicht nun auch Residenzen von Künstlerinnen und Künstlern, diese Saison beispielsweise aus Indien und Südafrika.

Lunins internationales Netzwerk aus Produzenten, Festivals und Künstlern, in dem die Kaserne ein wichtiger Knotenpunkt ist, treibt thematisch die Globalisierung eines Menschenbildes jenseits traditioneller Heimat- und Rollenbegriffe voran. Das Theaterhaus erscheint als Labor in Sachen Mensch und Globalisierung.

Solche Kooperationen sind beispielsweise «Palmasola», Christoph Fricks Untersuchung eines bolivianischen Gefängnisses. Oder Tim Zulaufs Recherche über die Rolle der Schweiz im Südafrika der Apartheid.

Die Familie und das Sterben als grosse Themen

Lunin und die Dramaturgin Hannah Pfurtscheller skizzieren neben diesen Kooperationsmodellen zwei kräftige thematische Linien. «Sterben, Tod und Alter» ist die eine, «Familie» die andere.

Boris Nikitin wird sich bereits zur Saisoneröffnung am 11. September mit seinem «Versuch über das Sterben» mit dem Tod seines Vaters auseinandersetzen. Antje Schupp und Sigal Zouk widmen dem Sensemann ein tänzerisches Trauerritual. Corinne Maier wiederum thematisiert in «Die Zufügung» das Alter. Tabea Martin zeigt mit «Nothing Left» den Abschluss ihrer Trilogie zum Thema Vergänglichkeit. Mats Staub kehrt mit seiner berührenden Installation «Death and Birth in My Life» in die Kaserne zurück, dem Ausgangspunkt des Projekts.

Gleich drei Produktionen setzten sich mit der Familie auseinander. Fleischlin/Meser inszenieren in «What is Human» ein Familienfest, zu dessen Tafel auch das Publikum geladen ist. Eugénie Rebetez widmet «Nous Trois» ihrer eigenen Kleinfamilie. Was bei ihr ziemlich sicher zum Lachen anregt, wird bei Milo Rau unter die Haut gehen. Seine Inszenierung «Family», in Basel als Schweizer Erstaufführung zu sehen, beschäftigt sich mit dem Fall einer Familie, in der sich die Eltern und ihre beiden Töchter gemeinsam das Leben nahmen.

Dass dieser hier unvollständig wiedergegebene Stückereigen zwischen allen zeitgenössischen Theater-, Performance-, und Tanzformen oszilliert, versteht sich schon beinah von selbst. Diese Formenvielfalt wird durch die Zusammenarbeit mit dem Basler Figurentheaterfestival oder dem mehrtägigen Fokus auf Zirkusformen noch erweitert.

In die Saison startet das Haus am 11. September mit einem zehntägigen Schwerpunkt zum Thema «Telling Stories». Darin spiegelt sich das Gesamtprogramm wie unter einem Brennglas. Künstler und Künstlerinnen verschiedener Sparten, aus Basel, Lubumbashi, São Paulo oder Aleppo stellen sich der Frage, wer eigentlich wessen Geschichte mit welcher Berechtigung erzählt. Ein globales Thema, verhandelt mitten im Kleinbasel.

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