Interview
Christian Clavier spielt erneut Monsieur Claude: «Man muss als Komiker geboren sein, lernen lässt sich das nicht!»

Der französische Schauspielstar verkörpert ein drittes Mal den konservativen Familienvater in «Monsieur Claude und sein grosses Fest». Ein Gespräch über Erwartungsdruck und die Sympathie für seine Titelrolle.

Dieter Osswald
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Christian Clavier, hier an der spanischen Premiere von «Monsieur Claude und sein grosses Fest», ist zufrieden mit seiner Rollenwahl.

Christian Clavier, hier an der spanischen Premiere von «Monsieur Claude und sein grosses Fest», ist zufrieden mit seiner Rollenwahl.

Carlos Alvarez / Europe / Getty Images

An der Seite von Jean Reno erlebte Christian Clavier vor dreissig Jahren seinen Durchbruch mit dem Kassenschlager «Die Besucher», gefolgt von der nicht minder erfolgreichen Fortsetzung «Die Zeitritter». Als Asterix war Clavier gleich zweifach auf der Leinwand zu erleben, den Kumpel Obelix verkörperte dabei Gérard Depardieu. In der Serie «Napoleon» spielte er die Titelrolle. Zum Comedy-Coup mit internationalem Millionenpublikum wurde 2014 «Monsieur Claude und seine Töchter». Diese Woche startet in der Schweiz der dritte Teil: «Monsieur Claude und sein grosses Fest».

Monsieur Clavier, die beiden «Monsieur Claude»-Filme haben ein Millionenpublikum in die Kinos gelockt. Wie gross spürt man den Erwartungsdruck bei einem dritten Streich?

Christian Clavier: Einen Erwartungsdruck gibt es für mich ganz und gar nicht. Mich freut es natürlich, wenn möglichst viele Zuschauer in die Kinos kommen. Aber ich habe schon lange damit aufgehört, mich selbst unter Druck zu setzen. Die Filme spielen an der Kasse das ein, was sie eben einspielen, und fertig.

Man bekommt den Eindruck, der dritte Teil wäre weniger politisch als die beiden Vorgänger. Hat sich Monsieur Claude verändert?

Nein, Monsieur Claude hat sich nicht verändert, er ist nach wie vor genervt von seinen Schwiegersöhnen. Noch mehr genervt ist er diesmal von den ganzen Schwiegereltern, die plötzlich aufkreuzen. Gerade das macht Monsieur Claude ja so komisch. Wenn er sich verändern würde, wäre er nicht mehr komisch.

Der Familienzuwachs ist enorm. Wie behält man bei so einem grossen Ensemble noch den Überblick?

Das ist ganz einfach: Das Ensemble muss meinen Anordnungen immer sofort folgen! (Lacht)

Welches wäre für Sie die wichtigste Qualität, die ein Schauspieler haben sollte?

Man darf nicht sehen, dass er spielt.

Muss man zum Komiker geboren sein – oder kann man das auf der Schauspielschule lernen?

Man muss tatsächlich schon als Komiker geboren werden, das ist das Ungerechte an diesem Beruf. Entweder man besitzt diese Gabe oder man hat sie eben nicht. Lernen lässt sich das leider nicht.

Sie haben schon den Napoleon gespielt. Trotzdem wollen alle nur Komödien mit Ihnen machen. Hätten Sie nicht grosse Lust, zur Abwechslung den Serienkiller zu geben?

Ich bin mit den Rollenangeboten meiner Karriere überhaupt nicht unzufrieden. Den Napoleon habe ich damals gerne gespielt, auch einen Mörder zu verkörpern, könnte ich mir spannend vorstellen. Aber das hat sich einfach nicht ergeben. Damit kann ich sehr gut leben. Ich bringe die Menschen gerne zum Lachen.

Der deutsche Schauspieler Elyas M’Barek erzählt gerne, dass er sich bisweilen eine Tarnkappe wünsche, um dem Rummel zu entkommen. Wie kommen Sie mit dem Ruhm zurecht? Können Sie ungestört zum Einkaufen gehen?

Den Wunsch von Elyas M’Barek kann ich sehr gut verstehen. Für mich war das ein Grund, mich in den letzten Jahren immer öfter aus Frankreich zu verabschieden, um an anderen Orten zu leben. Ich möchte ein möglichst normales Leben führen. Und das wäre in meinem alten Viertel einfach nicht möglich. Dort konnte ich nie ungestört in einem Café sitzen. Für mich bietet das Ausland da einen grossen Komfort.

Wie sieht die Zukunft von «Monsieur Claude» aus? Wird er in Serie gehen?

Das müssen Sie den Autor und Regisseur Philippe de Chauveron fragen. Ich habe das Gefühl, dass die Geschichte mit diesem dritten Teil zu Ende ist – aber man weiss das ja nie!

Würden Sie mit Ihrem Monsieur Claude gerne einmal ein Bier trinken? Oder finden Sie ihn doch ein bisschen zu nervig?

Es wäre mir ein grosses Vergnügen, mit Monsieur Claude ein Bier zu trinken. Ich finde diesen Typen einfach unglaublich amüsant!

«Monsieur Claude und sein grosses Fest» (F 2021) Regie: Philippe de Chauveron. Ab 21.7. im Kino.