«Molino Sessions»

Ines Brodbeck fand im Corona-Exil ihre Kreativität

Ines Brodbeck setzt ihre Carte Blanche mit Eric Gut, Sandro Corbat und Frederyk Rotter um.

Ines Brodbeck setzt ihre Carte Blanche mit Eric Gut, Sandro Corbat und Frederyk Rotter um.

Covid hat gleich mehrere Vorhaben von Ines Brodbeck vereitelt. Die Basler Musikerin hat es aber verstanden, die Situation für ein neues Projekt namens Molino Sessions zu nutzen.

Die Pläne waren geschmiedet und die Wohnung fix untervermietet: Ines Brodbeck hatte dieses Frühjahr zum Ziel, für zwei Monate nach Spanien zu ver­reisen. Corona kam dazwischen. Mit der Konsequenz, dass die Singer/Songwriterin ihr Vor­haben begraben musste und froh war, als ihr Freunde eine Wohnung in einer ehemaligen Mühle im grenznahen Binzen als Zwischenlösung offerierten.

Brodbeck, deren bislang letztes Album «Now» 2019 erschienen ist, musste zudem erkennen, dass sich auch ein von der Kaserne angedachtes Projekt mit ihr und Künstlern aus Kolumbien respektive Argentinien aufgrund der Pandemie inklusive Grenzschliessungen sich bis auf Weiteres nicht realisieren lässt.

Bloss: Das Programm hätte die neue Saison der Kaserne mit eröffnen sollen. Ein kleiner Scherbenhaufen also. Zumal ihr die Grenzbeamten während dem Lockdown klarmachten, dass sie als Schweizerin zwar jederzeit wieder in ihre Heimat einreisen, danach aber nicht mehr in ihr temporäres Exil in Binzen zurückkehren könne. Brodbeck sass also für rund zwei Monate in Deutschland fest. Und war mit angenehmer Langeweile konfrontiert.

Doch die Musikerin wusste sich rasch zu beschäftigen: Sie schnappte sich das in der Wohnung herumstehenden Equipment – Audio-Interface, Gitarre, Ukulele sowie Banjo-Ukulele –und begann dieses für sich zu nutzen. «Für einmal hatte ich keinen Zeitdruck, das habe ich genossen.»
Nach und nach entstanden Songskizzen, die Brodbeck zunächst «aus Jux» mit ­Videos untermalte – aufgezeichnet mit ihrem Handy. Die Ergebnisse lassen sich auf YouTube nachverfolgen und präsentieren die Künstlerin mal auf der Haube eines fahrenden Range Rovers («Binzä­land&Ländi»), mal mit Fellkappe auf einer stillgelegten Bahnlinie («A Self-Portrait»).

Soundentwürfe statt Südamerika

Mit minimalistisch arrangierter und grösstenteils instrumentaler Musik, die sich als atmosphärischer, melancholischer und mehrheitlich akustischer Soundtrack mit klarem Flair für die Weite und Elementen des psychedelischen Folks erweist.

In der Folge begann Brodbeck mit Sandro Bernasconi, dem Musikchef der Kaserne, via Skype über ein mögliches Ersatzprogramm für das ins Wasser gefallene Südamerika-Projekt zu diskutieren. Und siehe da: Er war interessiert an den neuen Soundentwürfen und erteilte Brodbeck eine Carte Blanche mit Auflage: Sie sollte das Projekt nicht mit ihrer regulären Band, sondern mit neuen Musikern live umsetzen. Worauf Brodbeck neben Eric Gut (Drums) und Sandro Corbat ­(Gitarre) auch Frederyk Rotter von den Post-Metallern Zatokrev als zweiten Gitarristen anfragte und dann auch anheuerte. «Ich freute mich sehr darauf, was sich aus dieser Kombination ergibt», so Brodbeck.

Vergangene Woche haben sich die vier eine Woche lang in Engelberg zusammengesetzt – und gefunden. «Im Fokus stand dabei, dass ich meinen Mit­musikern die von mir geschriebenen Songs näherbringen kann», erklärt Brodbeck. Und warum in der Innerschweiz statt am Binzener Entstehungsort? «Aus dem einfachen Grund, dass die Platzverhältnisse in der Mühle für vier Leute zu beengt sind.»

Prächtiger Bandsound und fragile Momente

Vergessen hat sie den Ort jedoch nicht, im Gegenteil. «Dieser ist für mich unterdessen zu einer Art zweiter Heimat geworden», sagt Brodbeck. Dieser Tatsache erweist denn auch der Projekttitel, Molino Sessions, mit dem spanischen Wort für «Mühle» leise Reverenz.

Inzwischen stehen die Stücke in der Livebesetzung und für prächtigen Bandsound. Natürlich hätten sich noch viele weitere Ideen umsetzen lassen können. Aber dafür war die Zeit dann doch etwas zu kurz. «Die Grundgedanken meiner Lieder haben wir auf jeden Fall schön umgesetzt», betont Brodbeck zufrieden.

Jetzt hoffe sie vor allem darauf, dass sich das Konzert selbst angesichts steigender Corona-­Zahlen durchführen lässt. «Und dann bin ich gespannt, ob das Publikum auch bereit ist, sich trotz Maskenpflicht auf die fragilen Momente unserer Musik einzulassen.»

Molino Sessions.
Kaserne, Basel.
Sa, 26. September, 20 Uhr.
www.inez-music.com

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