Interview
Wettbewerb für Neue Musik in Basel: Initiant Christoph Müller im Interview

Christoph Müller bringt mit dem Lucerne Chamber Circle Alte Musik ins KKL. Jetzt engagiert sich der Musikmanager in Basel mit einem höchstdotierten Kompositionswettbewerb für Neue Musik.

Interview: Mathias Balzer und Marc Krebs
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Ein vielseitiger Konzertmanager: Christoph Müller. (Bild: Nicole Nars-Zimmer)

Ein vielseitiger Konzertmanager: Christoph Müller. (Bild: Nicole Nars-Zimmer)

Zum zweiten Mal findet vom 20. bis 24. Februar in Basel die Composition Competition statt. Initiiert wurde sie von Christoph Müller, der als Intendant unter anderem des Menuhin Festivals in Gstaad und Mitbegründer des Lucerne Chamber Circle zu den einflussreichsten Musikmanagern der Schweiz gehört. Der 2017 erstmals durchgeführte Kompositionswettbewerb ist einer der weltweit höchstdotierten seiner Art – die Preissumme für die drei Erstklassierten beträgt 100 000 Franken. Die Jury unter den Präsidenten Michael Jarell und Wolfgang Rihm hat 13 Stücke zur Uraufführung in Basel bestimmt.

Wieso braucht es die Basel Composition Competition?

Christoph Müller: Im Grunde ist dieser Wettbewerb aus einer Not heraus entstanden. Als Konzertmanager des Kammerorchesters Basel weiss ich, wie schwierig es ist, zeitgenössische Kompositionen auf die Spielpläne der Konzertveranstalter zu bringen. Andererseits wird das Repertoire mit neuer Orchestermusik nur zögerlich erweitert, weil die Aufführung grösserer Werke zu aufwendig ist. Die Basel Composition Competition schliesst diese Lücke, indem ausschliesslich Orchesterwerke gespielt werden. Basel ist für ein solches Projekt prädestiniert, weil mit der Paul-Sacher-Stiftung hier eine der bedeutendsten Forschungsstätten für zeitgenössische Musik ansässig ist. Ich hoffe, ich nehme den Mund nicht zu voll: Aber da wollen wir anknüpfen, indem wir das Wirken von Paul Sacher ins 21. Jahrhundert hinüberführen und international Impulse geben.

Im Prinzip fehlen solche Förderer wie Paul Sacher?

Ja, es fehlt eine Nachfolge. Sacher hat von 1930 bis 1999 gewirkt. Die Sacher-Stiftung verwaltet dieses Erbe, übernimmt auch Werksammlungen von Komponisten, aber die Uraufführung von neuen Werken kann sie nicht mehr abdecken. Da ist eine Lücke entstanden.

Lucerne Festival vergibt prominente Werkaufträge an ausgewählte Komponisten. Wieso wählen Sie die sportliche Form des Wettbewerbs?

Ein Wettbewerb regt an, die Werke zu vergleichen und Stil, Form, Wirkung, Technik zu diskutieren. Das wollen wir ermöglichen, nicht nur unter den Jury-Mitgliedern, sondern auch beim Publikum und bei den Schulklassen, die im Rahmen unseres Schulklassenprojektes mitwirken. Zudem gibt es weltweit kaum Kompositionswettbewerbe für Orchesterwerke, und schon gar nicht mit einem so attraktiven Preisgeld.

Es gibt kritische Stimmen, die der Neuen Musik vorwerfen, dass sie sich um die Hörgewohnheiten des Publikums foutiert, und eben darum kein Publikum hat.

Vielleicht stimmt das. Andererseits ist es ja gerade der Inbegriff von Kunst, dass sie sich nicht nach dem Publikumsgeschmack richtet, sondern dass sie das zum Ausdruck bringt, was die Menschen und die Gesellschaft zurzeit bewegt. Aber natürlich ist es so, dass es die zeitgenössische Musik schwer hat, gerade in einem kommerziellen Umfeld, wo Gelder durch Ticketverkäufe generiert werden müssen. Aber es gibt auch Hoffnung…

…die wäre?

Unser Schulklassenprojekt zeigt mir, wie diese Musik begeistern und berühren kann. Jede der ausgewählten Kompositionen wird von einer Gymnasialklasse begleitet, die Komponisten stellen ihre Werke im Vorfeld vor – und wir stellten bei der ersten Durchführung vor zwei Jahren fest: Die Schüler sind gegenüber diesen Tönen offen. Sie beschäftigen sich mit den Stücken und mit den Komponisten, hören sich die Konzerte an und leiden im Wettbewerb mit, wenn ihr Werk nicht unter die ersten drei kommt.

Demnach ist es einfacher, neues Publikum zu gewinnen, als ein traditionell klassisch orientiertes umzustimmen?

Das ist die Erfahrung, die wir machen. Die Basel Composition Competition hebt zudem Leitplanken auch anderer Art auf: Bei unserem Wettbewerb gibt es weder Altersgrenzen noch nationale Grenzen. Vorgegeben sind nur die Dauer und die Orchestergrösse. Und wir möchten die Werke an andere Orchester und Veranstalter weitervermitteln.

www.baselcompetition.com

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