Gestorben
Dr. Lonnie Smith und «Dr. Funk h.c.» Pee Wee Ellis sind tot

Die Groove-Gemeinde trauert: Die beiden Musiker haben Soul-Jazz und Funk in den 60er- und 70er-Jahren massgeblich geprägt.

Stefan Künzli
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Groove Doctor Dr. Lonnie Smith.

Groove Doctor Dr. Lonnie Smith.

Erika Goldring / Getty Images North America
«Dr. Funk h.c.» Pee Wee Ellis.

«Dr. Funk h.c.» Pee Wee Ellis.

Zvg / ARC

Turban, stechender Blick und Doktortitel waren die äusseren Merkmale von Dr. Lonnie Smith. Doch der Mann hinter der sperrigen Hammond B3 war weder Doktor, noch indischer Sikh - und schon gar kein religiöser Fanatiker. «No particular reason» («kein bestimmter Grund») pflegte er auf die Frage nach den Hintergründen von Doktortitel und Turban zu antworten.

Hauptgrund für die Markenzeichen dürfte der zwei Jahre ältere Lonnie Liston Smith gewesen sein, der ebenfalls Keyboards spielte und sich in einem ähnlichen stilistischen Feld bewegte. Den akademischen Zusatz hat sich der falsche Doktor aber über seine meisterhaften Fähigkeiten an der Orgel durchaus verdient. Wie kein Zweiter brachte er das sperrige Ungetüm zum Fauchen, Knurren, Brummen und Fliegen.

Bekannt wurde Smith Mitte der 60er-Jahre in den Bands von George Benson und Lou Donaldson, die beide damals den ebenso mitreissenden wie populären Stil des Soul-Jazz pflegten. Die Hammond von Smith war dabei stilbildend. Darauf startete er eine erfolgreiche Solokarriere, verschrieb sich dem Funk Jazz und wurde zum exzentrischen Dr. Groove. Er näherte sich immer stärker Disco und Pop an, zog sich Anfang der 80er-Jahre aber vom Musikgeschäft zurück. Im Hip-Hop wurden seine Sounds und Grooves aber fleissig gesampelt, was ihn Anfang der Nullerjahre zu einem gefeierten Comeback bewegen liess. Am Dienstag ist Dr. Lonnie Smith im Alter von 79 Jahren in Florida an den Folgen einer Lungenkrankheit gestorben.

Nur ein Jahr älter wurde Pee Wee Ellis. Der Saxofonist war nicht so exzentrisch und extrovertiert wie Smith und neben seinen explosiven Bläserkollegen Maceo Parker und Fred Wesley der J.B. Horns wirkte und spielte er fast unauffällig. Umso grösser ist seine Bedeutung. Er war der Mann im Hintergrund, der die Fäden zog. In der erfolgreichsten Zeit von James Brown ab Ende der 60er-Jahre war Pee Wee Ellis der musikalische Direktor der Band und zeichnete für die typischen, schneidenden Bläserattacken verantwortlich. Auch Van Morrison half Pee Wee Ellis als Arrangeur entscheidend auf die Sprünge. «Dr. funk. h.c.» wurde er wegen seiner grossen Verdienste genannt. Doch im Gegensatz zu Smith schmückte er sich nie mit dem Titel. Wie Smith verhalf auch Ellis der Hip-Hop ein zweites Leben. Am letzten Freitag hat Pee Wee Ellis die Pforte in den Funk-Himmel geöffnet.

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