Film

Tom Hanks mimt mal wieder den zweifelnden Kriegshelden – wo man ihn sehen kann und welche Serie man auch schauen sollte

«Wie kommen wir da heraus?» Tom Hanks auf dem Zerstörer (Codename Greyhound), umzingelt von deutschen U-Booten.

«Wie kommen wir da heraus?» Tom Hanks auf dem Zerstörer (Codename Greyhound), umzingelt von deutschen U-Booten.

In «Greyhound» kämpft Tom Hanks als Kapitän eines Zerstörers gegen deutsche U-Boote im Atlantikkrieg. Den Film gibt es nur im Streaming. Und er taugt vor allem als Ergänzung einer Serie.

Wölfe, Schafe, ein Hirte. Im neuen Kriegsfilm von und mit Tom Hanks geht es aber nicht um eine biblische Geschichte an Land. Die anderthalb Stunden in «Greyhound» spielen fast ausschliesslich auf hoher See. Genauer im Nordatlantik, im Winter 1942. Nazideutschland versucht, mit U-Booten die Briten zu isolieren.

Kapitän Ernest Krause (Tom Hanks) steht auf der Brücke eines US-Zerstörers mit dem Codenamen Greyhound. Der Ozean ist aufgewühlt, die Gischt gefriert an der Reling, die Nasen der Seemänner triefen. Krause hat das Kommando über den gesamten Geleitzug, der einen ganzen Handelskonvoi sicher über den Ozean bringen soll.

Der Film behandelt die wenigen Tage, an denen der Konvoi ohne Unterstützung von Kampffliegern, auf sich allein gestellt, feindliche Linien überwinden muss. Es sind Stunden des Kalkulierens, Manövrierens und Zerstörens. Unter der Wasseroberfläche lauern U-Boote. Die Nazis haben einen Rudelangriff geplant.

Der gute Hirte

Krause ist ein gläubiger Mann, ein guter Hirte, der selbst mit dem Feind Erbarmen zeigt. Und im Gegensatz zu seiner Mannschaft nicht in Jubel ausbricht, wenn Trümmerteile und ein Ölteppich an der Wasseroberfläche das erfolgreiche Versenken eines U-Boots signalisieren. Für seinen Konvoi opfert sich Krause auf. Die Figur ist ein Antiheld, Selbstzweifel nagen an ihm.

Tom Hanks hat das Drehbuch zu «Greyhound» gleich selbst geschrieben. Und für sich die Figur ausgedacht, in der man ihn bestens kennt. Hanks, der zweifelnde Held. Ist er der geborene Held? Traut er sich das Heldentum zu? Wohl kaum. Und doch wächst er in der Ausnahmesituation über sich hinaus. So auch in «Sully» von 2016, in dem Hanks den Piloten spielt, der ein Flugzeug auf dem Hudson River notwasserte, ohne dass es Tote gab. Krause in «Greyhound» ist eine ähnliche Figur. Hanks spielt in einer Rolle, in der er sich offenbar gerne sieht.

Leider nur wird hier Krauses Selbstlosigkeit etwas gar schief dargestellt, symbolisiert durch blutende Blasen an den Füssen, weil Krause so lange auf der Brücke steht. Geschundene Füsse würden wir eher bei einem Fusssoldaten auf den Schlachtfeldern Kontinentaleuropas erwarten. Und man fragt sich: Wären angesichts der Bedingungen an Bord nicht ein bellender Husten oder zumindest Heiserkeit die geeigneteren Symptome seiner Selbstlosigkeit?

Das Wolfsrudel

Der Wolf steht hier nicht nur im übertragenen Sinn, «graue Wölfe» wurden die U-Boote genannt. «Greyhound, hier spricht der Graue Wolf, wir jagen dich und deine Freunde», klingt es im Film aus den Lautsprechern. «Wir sehen eure Schiffe, in die Tiefe sinken, und hören die Schreie eurer sterbenden Kameraden. Wie viele noch, ehe es euch ebenso ergeht?» Die Nazis haben die Funkkanäle der Alliierten geknackt. Ihren drohenden Worten lässt die Stimme imitiertes Wolfsgeheul folgen.

Psychologische Kriegsführung klang selten so fies. Doch die Gut-Böse-Rhetorik erzielt hier ihre Wirkung viel zu plump.

Der Gegner auf dem U-Boot: Späher in der Serie «Das Boot».

Der Gegner auf dem U-Boot: Späher in der Serie «Das Boot».

Wem in «Greyhound» die feindliche Perspektive fehlt, dem sei die TV-Serie «Das Boot» empfohlen. Die beiden Staffeln dieser deutschen Produktion laufen in der Schweiz auf dem Streamingdienst Sky Show. U-Boot-Angriffe und Wasserbomben-Gegenangriffe sind nur ein kleiner Teil dieser Adaption des Achtzigerklassikers «Das Boot». Die Serie hat den Vorteil, dass sie über das harte Leben im engen U-Boot-Rumpf hinausgehen kann, etwa indem sie die Zwickmühle ­behandelt, in der die von den Deutschen besetzten Franzosen in der Hafenstadt und U-Boot-­Basis La Rochelle stecken.

Die Schafherde

«Greyhound» dagegen lebt allein von der Seeschlacht: Hier taucht ein U-Boot auf, da schiesst eines einen Torpedo ab. Schiffe gehen in Flammen auf, sinken. Seeleute sterben. Und mittendrin: Tom Hanks als Kapitän Krause, der zwischen all den Sonartönen und Funksprüchen neue Befehle erteilt, abermals den Kurs seines Schiffs korrigiert, bis sein Zerstörer den Weg eines U-Boots kreuzt und die vernichtenden Wasserbomben abwerfen kann.

Weder «Greyhound» noch «Das Boot» basieren auf wahren Begebenheiten. Die Geschichten sind fiktiv. Zahlen aber, die gibt es: Über die Dauer des Zweiten Weltkriegs sanken auf dem Atlantik rund 3000 Handelsschiffe der Alliierten. Hinzu kamen zerstörte Kriegsschiffe. In derselben Zeit wurden rund 800 der 1100 U-Boote Deutschlands versenkt. Auf alliierter Seite liessen um die 80'000 Seemänner ihr Leben. Von den über 40'000 Deutschen an Bord eines U-Boots kehrten 30'000 nicht an Land.

Hier geht es zum Trailer:

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1