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«Los lobos»: Max und Leo spielen Wölfe in einem Loch in Albuquerque

Der mexikanische Spielfilm «Los lobos» erzählt eine Migrantengeschichte aus Kindersicht. Fantasievoll, klug und emotional umgesetzt.

Regina Grüter
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Mutter Lucía, Max (5) und Leo (3) auf Wohnungssuche.

Mutter Lucía, Max (5) und Leo (3) auf Wohnungssuche.

Bild: Trigon-Film

Max und Leo freuen sich aufs Disneyland. Der Ausflug ist aber nur ein Vorwand, damit die Mexikanerin Lucía mit ihren beiden Söhnen die Grenze passieren kann. Dementsprechend leicht ist das Gepäck. In Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico sucht sie eine Wohnung und einen Job. Das Loch in einer Migrantensiedlung ist das Beste, was sie finden kann. 500 Dollar verlangt das ältere chinesische Ehepaar Chan dafür.

Papa haute durch die Glühbirne ab, weiss Max nur, obwohl er keine Ahnung hat, was das bedeuten soll. Sorgfältig bewahrt er ein Foto des Vaters in seinem Portemonnaie auf. In seiner Fantasie malt der Fünfjährige sich den Papa als Superhelden aus. Sie seien beide starke Wölfe. Die Worte der Mutter hallen in den Köpfen der Brüder (das sind sie auch im wirklichen Leben) nach, als sie allein zurückbleiben und versuchen, sich an die sieben Regeln zu halten, die ihnen Lucía auf Band gesprochen hat. Nummer 1: Nicht aus dem Haus gehen.

Wahrhaftiges Bild einer Migrantengemeinschaft

Mit Neocolor zeichnen sie Ninja-Wölfe an die Wand. Plötzlich werden die Figuren lebendig. Sie bilden kein Eigenleben, sondern geben die Fantasie der beiden im Spiel versunkenen Knaben wieder. Darüber zu hören sind ihre Wölfe-Stimmen. Die wenigen, kurzen Animationssequenzen gehören zu den Elementen, die diesen Film besonders machen und seine – ebenfalls besondere – Perspektive unterstreichen. «Los lobos» ist ein Film aus Kindersicht. Was brauchen Kinder? Bezugspersonen. Und andere Kinder. Was also, wenn die Mutter aus dem Haus geht, wenn sie noch schlafen, und nicht vor 19 Uhr zurückkehrt?

Die Regeln werden sukzessive gebrochen, zumal sich Lucía selber nicht daran hält (Regel Nummer 7: nicht lügen). Sie hat ihnen versprochen, ins Disneyland zu fahren, wenn sie ihre Englischlektionen gelernt haben. «We want to go Disney!», brüllen Max und Leo. Ein Wort Spanisch kann Frau Chan. «Vámonos!», ruft sie den beiden Buben aufmunternd zu. Beim keifenden Ehepaar erfahren die Kinder nicht nur etwas menschliche Nähe, sondern seit langem wieder einmal eine warme Mahlzeit.

Der Film sei aus den verschwommenen Bildern seiner Erinnerungen entstanden», sagt der mexikanische Regisseur Samuel Kishi Leopo. In seiner Lebensgeschichte ist er der ältere Bruder: «Wir besassen nur ein paar Kleider, ein paar Spielsachen und einen Fisher-Price-Recorder.»

Am Anfang und am Schluss posieren Einheimische vor der Kamera und blicken das Publikum direkt an. Porträts von realen Menschen und diesem Ort fliessen zusammen zu einem lebendigen und wahrhaftigen Bild einer Migrantengemeinschaft, wovon Lucía, Max und Leo ein Teil geworden sind.

«Los lobos» (MEX 2020), 94 Min. Ab heute im Kino.