Fernsehen
Mona Vetsch: «Interesse und Respekt sind die Basis»

Die 36-jährige Mona Vetsch moderiert als Nachfolgerin von Röbi Koller am 17. Januar erstmals den «Club». In ihrem neuen Job gehe darum, zuzuhören und die Fragen zu stellen, von denen man findet, dass sie gestellt werden müssen, sagt sie.

Reinhold Hönle
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TV-Moderatorin Mona Vetsch
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Mona Vetsch ist zweifache Mutter
Mona Vetsch moderiert den «Club»
Mona Vetsch moderiert auch weiterhin beim Radio
«Ich bin bei Sachen, die mir wichtig sind, sehr organisiert», sagt Mona Vetsch Mona Vetsch, Powerfrau des Schweizer Fernsehens, gibt ihr Geld für Geldbussen aus (Archiv)
Nach der Babypause ist Mona Vetsch zurück im TV Mona Vetsch meldet sich nach Babypause aus St. Moritz (Bild: SF)
«Man darf sich ruhig ins Wort fallen», findet «Club»-Moderatorin Mona Vetsch Mona Vetsch kann ihr Mutterglück gar nicht glauben (Archiv)

TV-Moderatorin Mona Vetsch

Keystone

Mona Vetsch , wie sind Sie ins neue Jahr gestartet?

Mona Vetsch: Wunderbar! Ich hatte schon am 2. Januar DRS3-Frühdienst. Da muss man sich nicht mehr überlegen, ob man sich noch erholen müsste oder nicht. Einfach voll rein - so habe ichs am liebsten!

Sie waren in Ihrer zweiten «Babypause», falls das Wort Pause in diesem Zusammenhang überhaupt Sinn macht ...

«Mutterschaftsurlaub» ist auch nicht besser. Wer wohl diese Begriffe geprägt hat? Sicher keine Frau! (lacht)

Haben Sie dennoch das Gefühl, mit einer besonderen Energie zurückzukehren?

Das Gute ist, dass man wieder einmal Zeit hat, sich ein wenig zurückzuziehen und zu überlegen, was man eigentlich macht und ob es wirklich das ist, was man machen will. Mit dem Gefühl wieder anzufangen: «Doch, ich habe enorm Lust, das zu machen, und das stimmt für mich», ist einfach wunderbar.

Was bedeutet es Ihnen, am 17. Januar erstmals den «Club» zu moderieren?

Es ist eine tolle Chance, die mich sehr motiviert. Ich fühlte mich jedoch vorher schon enorm privilegiert, einen Beruf zu haben, mit dem ich nicht nur Geld verdienen kann, sondern der mich wirklich befriedigt und ausfüllt. Ich kann das nur jedem Menschen wünschen.

Seit wann haben Sie die neue berufliche Perspektive «Club»?

Wenn man «bad timing» definieren müsste, wäre dies ein gutes Beispiel: Die Stelle wurde ausgeschrieben, als ich schon fast im Mutterschaftsurlaub war. Die Pilotsendung habe ich dann eine Woche vor dem Geburtstermin moderiert.

Wie ging es Ihnen dabei?

Ich fühlte mich super - sonst hätte ich es nicht gemacht. Nur etwas runder als sonst ...

Was hat sich in den letzten Monaten alles in Ihrem Kopf abgespielt?

In einer ersten Phase nach der Geburt kommt man nicht in Versuchung, sich viele Gedanken zu machen. Ist es nicht schön, dass einem das Leben gewisse Entscheidungen abnimmt? Man weiss in dieser Zeit, was man zu tun hat. Ein Kind braucht regelmässig zu essen und Fürsorge, und da will eine Mutter auch selber gar nicht viel anderes. Ich habe aber nicht erst jetzt wieder zu arbeiten begonnen. Man macht Ausbildungen, lernt die Redaktion kennen, geht an Sitzungen.

Ist es für Sie etwas Spezielles, die Nachfolge von Röbi Koller anzutreten?

Röbi und ich sind befreundet. Wir moderieren gemeinsam «Züri Littéraire», eine Literaturveranstaltung im Zürcher Kaufleuten. Daher haben wir fast das Gefühl, als würde die «Club»-Moderation in der Familie bleiben.

Hätten Sie auch eine neue Herausforderung gesucht, wenn diese Stelle nicht frei geworden wäre?

Diese Frage beantworte ich mit einem Bonmot meines früheren Chefs bei «SF Spezial Fernweh», der immer sagte: «We cross the bridge when we get there.» Antworten suche ich normalerweise erst, wenn sich Fragen stellen.

Wie bringen Sie Journalismus und Familie unter einen Hut, falls Ihr Chaotentum, das DRS3 auf seiner Homepage kolportiert, der Wahrheit entspricht?

Kinder haben überhaupt kein Problem mit Chaos, sondern sind sogar sehr aktive Chaosproduzenten! (lacht) Von daher kommen wir gut miteinander klar. Zudem bin ich bei Sachen, die mir wichtig sind, sehr organisiert, pflichtbewusst und strukturiert. Mein ehemaliger WG-Genosse bezieht sich auf das Chaos, welches in meinem Zimmer herrschen kann, wenn ich viel arbeite oder eine Auslegeordnung veranstalte, bevor ich an ein Thema herangehe.

Wie gut kennen Sie Karin Frei, Ihre neue Chefin und Moderatoren-Kollegin?

Als sie noch bei DRS1 arbeitete, hatten wir beruflich nicht viel miteinander zu tun, aber wenn ich auf einen Menschen, den ich erst kürzlich kennen gelernt habe, ein Hohelied singen müsste, dann auf sie. Sie ist eine tolle Chefin und Kollegin. Sie hat ihre ersten «Club»-Sendungen wunderbar moderiert, ist klar, direkt, gradlinig. Das Teamwork in der gesamten Redaktion funktioniert ausgezeichnet. Es steckt ja sehr viel mehr hinter einer Sendung als das, was man auf dem Bildschirm sieht.

Werden Sie die Themen nach persönlichen Affinitäten aufteilen?

Ich denke, dass es von Vorteil ist, wenn man schaut, was wem näher steht, aber letztlich entscheidet Karin Frei als Redaktionsleiterin. Sie wird auch einen Grossteil der Sendungen moderieren. Mein Pensum ist eher klein, ich habe durchschnittlich eine Sendung pro Monat.

Was macht den Unterschied zur DRS3-Gesprächssendung «Focus» aus, die Sie bis 2010 geleitet haben?

Die Gesprächsleitung beim «Club», wo man nicht nur einen Gast hat, ist sicher etwas vom Anspruchsvollsten, was es gibt. Entsprechend gehe ich diese Aufgabe mit gebührendem Respekt an. Ob eine Sendung gut herauskommt, hängt jedoch nicht nur von der Moderation ab. Sehr wichtig ist auch, welches Thema man behandelt, wen man einlädt und ob diese Leute auch kommen.

Welche Atmosphäre schwebt Ihnen für den «Club» vor?

Die Basis sind ein Interesse an der Person und der Respekt vor Erfahrungen, Meinungen und Haltungen. Dann läuft man nicht Gefahr, bereits urteilend oder verurteilend in ein Gespräch zu gehen. Es geht darum, zuzuhören und die Fragen zu stellen, von denen man findet, dass sie gestellt werden müssen.

Und lässt auch andere ausreden?

Man darf sich ruhig ins Wort fallen. Bei einem normalen Gespräch passiert das auch, ohne dass es als unanständig empfunden wird. Der Titel der Sendung sagt jedoch viel über den Umgangston: Was ist ein «Club»? Eine Vereinigung von Menschen, die ein gemeinsames Interesse oder Ziel haben. Deshalb geht es nicht darum, anderen «ans Bein zu pinkeln» oder sie von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern sich gemeinsam mit ihnen in ein Thema zu vertiefen. Das macht den «Club» als Sendung einzigartig. Dabei darf man ruhig Kontra geben. Ein gutes Gespräch ist nicht eines, das immer in Minne verläuft.

Sie werden weiter von 5 bis 9 Uhr den «DRS3 Morgen» moderieren. Was meint Ihr Körper zu dieser Belastung?

Natürlich, es ist wie mit den durchgemachten Nächten: Mit 20 Jahren steckt man sie leichter weg als mit 30. Wie es mit 40 sein wird, möchte ich lieber noch nicht wissen... Ich nehme es allerdings in Kauf, da mir das Radiomachen viel wichtiger ist, als in den Ausgang zu können. Diesbezüglich hatte ich ohnehin schon mit 21 das Gefühl, alles schon erlebt zu haben! (lacht)

Vor zehn Jahren haben Sie in einem Interview erzählt, dass es Ihnen am Nachmittag manchmal übel wird. Überfordern Sie sich nicht?

Damals war das Pensum ein ganz anderes. Nach der Frühschicht gings immer noch ins Fernsehen oder an die Uni, das waren häufig 15-Stunden-Tage. Heute lachen alle, wenn ich sage, dass ich bereits etwas reduzieren muss. Dabei sieht man das doch auch bei Sportlern. Wenn man nicht gerade die Physis eines Didier Cuche hat, fährt man mit 36 kein Lauberhornrennen mehr!

Sie wurden in einer repräsentativen Link-Umfrage für die Zeitschrift «Tele» zur beliebtesten Moderatorin in der Sparte Informa- tion gewählt. Wie wohl ist es Ihnen als Everybody's Darling?

Ich habe mich gefreut! Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind ja letztlich meine Arbeitgeber, und es ist wichtig, dass ihnen gefällt, was ich mache. Selber kann man das ja schlecht einschätzen. Mit Kritik muss man in diesem Job auch immer wieder fertigwerden, da tut einem solch grosses Lob zugegebenermassen gut.

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