HBO-Serie

Kein ruhiger Lebensabend für Cops: Wie gut ist die 3. Staffel von «True Detective»?

Verblüffender Mahershala Ali. HBO

Verblüffender Mahershala Ali. HBO

Wie gut ist die 3. Staffel der HBO-Serie «True Detective»? Wir haben Episoden gesehen und meinen, diesmal könnte das Ende hinhauen.

Wie schon als Fernspäher im Vietnamkrieg dringt Detective Wayne David Hays (Mahershala Ali) tief in unsicheres Gelände. Eine Spur führt ihn in den Ozark Mountains von Arkansas zum toten Will. Da liegt der Junge, unter einem Felsvorsprung. Seine zusammengepressten Hände weisen wie im Gebet nach oben. Eben hatten Hays und sein Partner Roland West (Stephen Dorff) noch draussen gesessen und Bier getrunken, auf irgendeinem elenden Schotterplatz. Nun haben sie einen Fall am Hals – der 12-jährige Will tot, seine 10-jährige Schwester Julie vermisst –, der sie ihr Leben lang nicht mehr loslassen wird.

«True Detective» mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson war eines der Serienhighlights 2014. Die von Nic Pizzolatto kreierte Krimiserie erzählte eine Cop-und-Buddy-Geschichte überraschend anders – düster und beklemmend, aber auch unheimlich aufregend. 2015 dann der Schnellschuss: zu viele Figuren und eine unübersichtliche Handlung in einem Kalifornien der Düsternis – gut gespielt zwar von Rachel McAdams und Vince Vaughn. Die feuchte Hitze des sumpfigen Louisiana war einer trockenen gewichen.

Der Trailer zur 3. Staffel:

Mahershala Ali verblüfft

In der dritten Staffel ist es kalt und unwirtlich, was die matte Farbgebung noch unterstreicht. Während Rückblenden die erste Season interessant machten, bekommen jetzt drei Zeitebenen genau gleich viel Gewicht. 1980, das Jahr, als die Kinder verschwanden; 1990, als der Fall um die vermisste Julie wieder aufgerollt wird. Und 2015: Hays ist ein alter Mann, und obwohl er an Demenz leidet, wird er von einer TV-Journalistin vor die Kamera gezerrt. Dieser Fall ist sein Leben, sein Leben ist der Fall. Wie viel hat er selber damit zu tun, dass er immer noch ungelöst ist? Er weiss es nicht (mehr).

Offenbar musste Mahershala Ali Pizzolatto davon überzeugen, ihm die Hauptrolle zu geben. Gute Entscheidung. Nach der mit einem Oscar belohnten Interpretation des feinfühligen Drogendealers in «Moonlight» (für «Green Book» ist er wieder nominiert) muss er seinen Gesichtsausdruck auf Gefühlszustände wie Trauer, Wut und Angst beschränken. Ein Lächeln sieht man von ihm nur andeutungsweise. Auch den 70-jährigen Wayne Hays kriegt er verblüffend hin. Und Stephen Dorff, längst nicht mehr in der Hollywood-A-Liga, gibt ein gelungenes Comeback als harter Cop, der aber stets hinter seinem Partner steht.

Einem schwarzen Cop traut man im White-Trash-Milieu nicht. Dass sich die Verdächtigungen ständig verschieben, erhält die Spannung. Was ist Wahrheit, was Lüge? Das weiss in diesem rassistischen Amerika niemand so genau.

Schwach war an der ersten Staffel nur das Ende. Nach fünf von acht gesehenen Folgen glauben wir fest daran: Diesmal hat Pizzolatto das hingekriegt.

True Detective Staffel 3, auf Sky Atlantic (Teleclub), Sunrise TV, Show.Sky.ch, Amazon, Google Play, iTunes.

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