Abhörskandal
Hugh Grant: «Meine Exkursion in eine andere Welt ist schon faszinierend»

Hugh Grant spielt für ihn ungewohnte Rollen ausserhalb vom Glamour der Film- und Theaterwelt. Er verleiht einem Piraten-Kapitän seine Stimme und spielt eine wichtige Rolle im britischen Abhörskandal.

Marlène von Arx
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Hugh Grant nach seinem Ausflug in die Niederungen der britischen Politik. Paul Grover/ Rex Features

Hugh Grant nach seinem Ausflug in die Niederungen der britischen Politik. Paul Grover/ Rex Features

Im Animationsfilm «The Pirates! In an Adventure With Scientists» aus dem Hause Aardman («Wallace & Gromit») verleiht Hugh Grant einem Piraten-Kapitän in der englischen Originalversion die Stimme (am 29. März im Kino). Im wirklichen Leben übernahm der Schauspieler, der vor drei Jahren zuletzt für einen Spielfilm vor der Kamera stand, das Ruder im Kampf gegen die Telefone anzapfende Presse im britischen Abhörskandal, der bisher einige Köpfe forderte und zur Einstellung von Rupert Murdochs Klatschblatt «News of the World» führte.

Grant hatte im Frühling 2011 heimlich einen ehemaligen «News of the World»-Journalisten aufgezeichnet, als dieser ihm gestand, wie Telefone von Prominenten abgehört wurden und welche Rolle die Polizei und Politiker im Hintergrund spielten. Im November letzten Jahres sagte Grant in der noch anhaltenden Untersuchung von Richter Sir Brian Henry Leveson aus. Während seiner Piraten-Promotour in Las Vegas gibt Hugh Grant eine Zwischen-Einschätzung der Leveson-Untersuchung ab.

Sie sind eine Schlüsselfigur im britischen Abhörskandal. Wie fühlen Sie sich in Ihrer Rolle als Detektiv und Zeuge?

Es ist eine befriedigende, aber auch eine beängstigende Rolle. Beängstigend, weil ich während meiner Kampagne der letzten sechs Monate erstmals öffentlich in meinem Namen redete und nicht wiederholte, was jemand anderer für mich aufgeschrieben hatte. Und befriedigend aus dem gleichen Grund, denn das Texte-Aufsagen von anderen erfüllte mich als Schauspieler ja nie ganz.

Spüren Sie eine gewisse Genugtuung, dass James Murdoch letzte Woche zurückgetreten ist?

Das ist weniger newswürdig, als die Leute meinen. James Murdoch war in England schon längst weg vom Fenster und wieder in den USA. Es gibt Leute, die glauben, dass die Rücktrittsmeldung so terminiert wurde, um von Enthüllungen abzulenken, die am gleichen Tag während der Leveson-Untersuchung über News International gemacht wurden.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand der Leveson-Untersuchung?

Das Ganze ist bei weitem nicht fertig. Zuerst musste mal eine Untersuchung ins Rollen gebracht werden. Weiter sind wir nicht. Die zweite Phase ist dann, dass der Richter am Ende der Untersuchung hoffentlich das Richtige empfiehlt, und dann wirds noch schwieriger, denn dann muss die Regierung einschreiten und diese Empfehlungen auch umsetzen.

Und daran zweifeln Sie?

Ja, denn die Regierung ist politisch konservativ und die Presse auch. Die Regierung hat eigentlich kein Interesse, das Business-Modell der britischen Presse zu zerstören.

Dann gehen Sie jetzt in die Politik, um das zu ändern?

Nein, ich möchte nicht in die Politik. Aber ich muss sagen: Meine kleine Exkursion in eine andere Welt ist schon sehr faszinierend. Ich habe das gebraucht. Ich musste mich mal mit dem wirklichen Leben befassen statt mit dem künstlichen, was ich ja die letzten 25 Jahre getan habe.

Im Oktober haben Sie auch die «Daily Mail» unlauterer Methoden bezichtigt, da Details um die Geburt Ihrer Tochter veröffentlicht wurden. Der Kampf geht also weiter?

Ja, aber momentan gibt es nicht genügend Beweise, dass die «Daily Mail» auch abgehört hat – nur mein starker Verdacht. Der Fleet-Street-Insider Paul McMullan, den ich letzten Frühling heimlich aufgenommen habe, hat so gut wie bestätigt, dass die «Daily Mail» das auch macht, aber im Gegensatz zur «News of the World» gibt es da keine Dokumente, die das belegen. Bewiesen ist, dass sie in einem grossen Ausmass persönliche Daten illegal erworben haben. Das weiss man schon seit 2006, aber es wird alles unter den Teppich gekehrt. Denn aus politischen Gründen oder aus Angst, seinen Ruf zu ruinieren, wagt es niemand wirklich, es mit diesen Tabloid-Biestern aufzunehmen.

Sie sind vom Opfer der Klatschpresse zu deren grossen Problem geworden. Lässt man Sie jetzt dafür in Ruhe?

Während die ganze Untersuchung noch läuft, benimmt sich die Presse anständig, was zu erwarten war. Aber ich hoffe schwer, dass sich davon niemand hinters Licht führen lässt. Das ist ganz klar nur eine temporäre Pose und nicht eine bleibende Reformation.

Dann können Sie Ihre Vaterfreuden also geniessen?

Es ist wirklich sehr nett, eine Tochter zu haben. Sie war nicht geplant, aber jetzt wo sie da ist, könnte ich nicht glücklicher sein. Ich könnte sie nicht noch mehr lieben. Aber das ist natürlich keine revolutionäre Aussage.

Was haben Sie über sich gelernt, seit Sie Vater sind?

Ich glaube, dafür ist es zu früh, Sie ist ja immer noch ein Baby. Aber später werde ich sicher neue Töne in meiner Persönlichkeit entwickeln.

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