Trickfilm
Der kleine Titeuf wird zum grossen Kinohelden

Der erste Kinofilm um den Jungen mit der gelben Haartolle kommt nicht an den Comic heran. Daran sind vor allem die nicht ganz einwandfreie Synchronisation und die schweizerdeutsche Adaption schuld.

Lukas Gloor
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Die grosse Krise kommt gleich zu Beginn – unser geliebter Held Titeuf versteht die Welt nicht mehr: Nadia, die heimliche Geliebte, lädt ihn nicht zur Geburtstagsfeier ein und die Eltern trennen sich auf Zeit – zum «Noochedängge», wie die Krise von der Mutter genannt wird.

Seit 17 Jahren begeistert die Schöpfung von Zeichner Philippe Chappuis alias ZEP mit Geschichten aus seinem Bubenleben. Nun kommt er als Kinoheld zum Zug.

Die Trennung hat auch ihr Gutes

Für Titeuf hat die Trennung der Eltern auch ihr Gutes. Die Bestrafungen für seine Streiche bleiben aus und sogar Nadia hat – wenigstens einen Moment lang – Mitleid mit ihm. Schliesslich kriegt er es mit der Angst zu tun: Etwas kann ja nicht stimmen, wenn er straflos Glibber auf der Glatze des Rektors platzieren und in einer Prüfung ungestört Spicken darf. Bedeutet das, dass er sterben muss, wie der todkranke Hase eines Freundes? Um es definitiv zu wissen, uriniert Titeuf im Wohnzimmer auf den Teppich. Der Vater bringt ihn zum Psychiater.

Aus der Vermengung von Computerspielen und kindlichem Alltagswissen entsteht die Vorstellung, der Psychiater würde ihm den Kopf aufschneiden und das Unerwünschte herausreissen. Kurzerhand geht Titeuf mit Velohelm in die Sprechstunde. Glücklicherweise muss er bloss Tintenflecke betrachten.

Luftgitarre spielen mit einem Slip

So witzig einzelne Ideen und Szenen sind, der grosse Bogen des Films vermag nicht recht zu überzeugen. Der Film lebt von den Momenten, die auch die Comicbände so umwerfend machen. Das detailreich gezeichnete Defäkieren eines Hundes, das Luftgitarrespielen mit einem Slip, furzende Schuhe.

Das Nicht-Verstehen der Kinder oder besser: Der Versuch, aus der Erwachsenenwelt Sinn zu machen, der in wahnwitzigen Vorstellungen über Zungenküsse, Aids und Atombomben mündet und in den Comics regelmässig vom Hocker haut, entfaltet kaum Wirkung im Kino. Daran sind vor allem die nicht ganz einwandfreie Synchronisation und die schweizerdeutsche Adaption schuld, die die Jugendsprache teilweise hölzern erscheinen lassen.

«Titeuf – le film» ist ein Film für Kinder. Viele von ihnen werden auch ihre Freude an der Kinoproduktion haben, daran besteht kein Zweifel. Erwachsene Titeuf-Fans wird er eher kalt lassen. Den Comicgenuss zerstören tut «Titeuf – le film» aber nicht.

Titeuf – le film (F 2011) 87 Min. Regie: Zep. Ab 5. April in den Deutschschweizer Kino.

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