Kultur

Eröffnung der 77. Filmfestspiele in Venedig: Mit rotem Teppich, aber ohne Schaulustige

Jurypräsidentin Cate Blanchett bei der Eröffnung der Filmfestspiele in Venedig: «Ich freue mich sehr, hier zu sein, denn in den vergangenen sechs Monaten habe ich mich nur mit Hühnern und Schweinen unterhalten.»

Jurypräsidentin Cate Blanchett bei der Eröffnung der Filmfestspiele in Venedig: «Ich freue mich sehr, hier zu sein, denn in den vergangenen sechs Monaten habe ich mich nur mit Hühnern und Schweinen unterhalten.»

Am Mittwoch wurden die 77. Filmfestspiele in Venedig mit dem Familiendrama «Lacci» eröffnet. Den Glamour muss man dieses Jahr aber woanders suchen.

Vielleicht winkt Brad Pitt gerade auf dem roten Teppich ins Leere. Oder Jennifer Lawrence macht einen Handstand. Alles könnte möglich sein. Oder nichts. Denn wenn man in diesem Jahr in Venedig vor dem roten Teppich steht, sieht man, dass man nichts sieht – oder zumindest nicht mehr als eine weisse Wand, die den Schaulustigen den Blick verwehrt.

Glamourmässig wird im Pandemie-Festivaljahrgang etwas vorsichtiger und kleiner gedacht – und im Fall der Eröffnung der 77. Filmfestspiele in Venedig bedeutete das statt Hollywood italienische Prominenz auf der Leinwand: Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante und Giovanna Mezzogiorno spielen in Daniele Luchettis «Lacci» mit, der gestern die Filmfestspiele eröffnet hat.

Eröffnungsfilm floppt

Die erste Szene des Films ist den ersten Eindrücken vom diesjährigen Festival nicht unähnlich. Da wird eine Feier gezeigt, bei der Familie und Freunde herumtanzen – nur der Familienvater Aldo (Lo Cascio) macht ein ernstes Gesicht. Während es beim Festival die Coronabestimmungen sind, die die Stimmung bremsen, ist es bei Aldo die Affäre mit seiner jüngeren Kollegin Lidia, die er seiner Frau Wanda (Rohrwacher) gesteht. Das feste Fundament, das gemeinsame Leben mit den beiden Kindern wird dadurch zwar heftig erschüttert. Doch die familiären Banden bleiben. Und genau die untersucht Luchetti nun in seinem kammerspielartigen Beziehungs- und Lebensdrama zwischen Rom und Neapel und mit einem Zeitsprung von rund 30 Jahren.

Was er dabei findet, ist das Gegenteil von lebenslanger Liebe und Zusammenhalt. Die Themen Schuld, Leiden, falsche Loyalität sowie Fragen nach der Abwesenheit von Liebe und einem verschenkten Leben schnürt der Regisseur zu einer Geschichte. Den emotionalen Aufruhr, den er mit seinen soliden aufspielenden Darstellern entfacht, kann er jedoch kaum spürbar machen. Ob es am geringeren Sauerstoff unter der Maske liegt, die während der Vorführungen getragen werden muss?

Trotz einer gewissen Ernüchterung nach «Lacci» muss man sich trotzdem vor Augen führen, was Cate Blanchett betont hat. «Es scheint ein Miracolo», sagte die Schauspielerin und Jurypräsidentin an der Pressekonferenz – ein Wunder, dass in diesen Zeiten das Festival stattfindet. «Ich freue mich sehr, hier zu sein, denn in den vergangenen sechs Monaten habe ich mich nur mit Hühnern und Schweinen unterhalten.»

Solidaritätsbekundungen der Filmbranche

Der Zusammenhalt und die Unterstützung für die Filmindustrie wurde auf dem Lido noch einmal stärker dadurch betont, dass sieben Festivalleiter zum Start der Mostra de Cinema zusammenkamen – darunter auch Cannes-Chef Thierry Frémaux und mit Carlo Chatrian die halbe Berlinale-Doppelspitze. Bei der Gala gaben sie eine gemeinsame Erklärung zur derzeitigen Situation ab. «Wir wollen unsere Solidarität mit der Filmindustrie ausdrücken und unser Engagement allen gegenüber, die mit Film zu tun haben», sagte Venedig-Chef Alberto Barbera dazu. «Wir können diese Krise aber überwinden, wenn wir weiterhin zusammen denken.»

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