Schweizer Filmpreis

Eine Auszeichnung mit Schlüsselfunktion: Zum 20. Mal wird der «Quartz» verliehen

2010: Marie Leuenberger gewann für ihr Debüt «Die Standesbeamtin» einen Quartz.

2010: Marie Leuenberger gewann für ihr Debüt «Die Standesbeamtin» einen Quartz.

Am Freitag wird zum 20. Mal der «Quartz» verliehen. Wie profitieren die Gewinner vom Preis? Marie Leuenberger, Preisträgerin 2010 und aktuell nominiert, blickt auf ihre ersten Schritte im Filmbusiness zurück

Er ist 24 Zentimeter hoch, etwas über zwei Kilo schwer und spiegelt das eintreffende Scheinwerferlicht mal stärker und mal schwächer, je nach Betrachtungswinkel. Der Quartz – so wird die Trophäe des Schweizer Filmpreises genannt – wird morgen Freitag zum 20. Mal verliehen.

Seine Optik, die über die Jahre hinweg immer wieder änderte, aber doch ähnlich blieb, evoziert nicht von ungefähr einen Bergkristall. Der Quartz symbolisiert ein Stück Heimat, aber auch ein Geheimnis, das vom Inneren unserer Alpen-Monolithen nach aussen getragen wurde, so wie Filme das Unsichtbare sichtbar machen.

Wer umgekehrt hineindringen will, in das Bollwerk des Schweizer Films, für den oder die kann der Quartz zu einem Schlüssel werden, der Türen ins Business öffnet. Das vermutet auch Marie Leuenberger, die heuer für «Die göttliche Ordnung» als beste Darstellerin für den Schweizer Filmpreis nominiert ist und bereits 2010 für «Die Standesbeamtin» einen Quartz gewann. «Ich weiss nicht, wie meine Laufbahn ohne diesen Preis verlaufen wäre», sagt die Schauspielerin aus Basel, die heute in Berlin lebt, der «Nordwestschweiz» am Telefon.

«Das fühlte sich surreal an»

Leuenberger war damals seit über zehn Jahren am Theater tätig gewesen, «Die Standesbeamtin» war ihr allererster Kinofilm. Die Darstellerin erinnert sich an einen turbulenten Tag zurück: «Mein Flug von Hamburg nach Luzern war überbucht, ich musste auf den Zug ausweichen. Alles war verschneit, wir hatten Verspätung, und als ich nach zehn oder elf Stunden endlich angekommen bin, war das Kleid, das meine Schwester für mich entworfen hatte, völlig zerknittert.»

Die Hotelmanagerin habe ihr beim Bügeln geholfen, während sich Leuenberger noch eilig schminkte. Die Schauspielerin lacht. «Als ich dann endlich im KKL eintraf, fühlte ich mich einfach erleichtert. Nach all dem war ich schon fast entspannt, als im Saal mein Name ausgerufen wurde. Das Ganze fühlte sich für mich ein bisschen surreal an.»

Leuenbergers Entscheid, sich der Filmwelt zu öffnen, sei aber schon vor der Preisverleihung gefallen. «Ich hatte schon ein halbes Jahr vorher beim Theater gekündet. Ich bin ein intuitiver Mensch. Der Preis war für mich eine Eintrittskarte in die deutsche Filmwelt.» Auch bei ihrer Schauspielagentur war sie bereits untergekommen, bevor sie den Quartz im Gepäck hatte. «Rückblickend betrachtet ist das ein total beruhigendes Gefühl: Die Agentur nahm mich, weil sie meine Arbeit im Film schätzte, und nicht wegen eines Preises. Die Arbeit sollte immer im Vordergrund stehen.»

Die Schauspielerin pendelte fortan zwischen Fernsehfilmen und Kino in der Schweiz und Deutschland hin und her. Natürlich habe Leuenberger nach einem erfolgreichen Casting nie jemand gesagt, ob ihr Quartz ein matchentscheidender Vorteil gewesen sei. Aber: «Ein solcher Preis wird in der Branche wahrgenommen und wirkt sich auf Rollenangebote aus. Du bist dann wie auf einem Serviertablett ausgestellt.»

Man würde sich zwar prinzipiell mit seiner schauspielerischen Tätigkeit für weitere Aufgaben empfehlen, erklärt Marie Leuenberger. Sie höre aber immer wieder, dass es schwierig sei, Darsteller und Darstellerinnen zu besetzen, die erst wenig bekannt seien. Leuenberger vermutet, dass ein Quartz bei Produzenten ein gutes Bewerbungsargument ist. «Wenn jemand einen Preis gewonnen hat, ist es einfacher, andere von sich zu überzeugen.»

Platz für eine zweite Trophäe

Leuenbergers Quartz steht bei ihr zuhause im Gäste-Bad, und daneben hätte es durchaus noch Platz für einen zweiten, bestätigt die 37-Jährige lachend. Zumal sich die aktuelle Trophäe, die 2013 vom Künstler Jean Maubulès entworfen wurde, von ihrer unterscheidet. «Ich weiss gar nicht, wie die neue Trophäe aussieht. Aber das werde ich am Freitag sehen, ein Preis hat unser Film ja auf sicher.» Denn: In der Kategorie Beste Nebenrolle sind ausschliesslich Darstellerinnen aus «Die göttliche Ordnung» nominiert.

Der Film über den Kampf um die Einführung des Schweizer Frauenstimmrechts ist insgesamt siebenmal für einen Quartz nominiert. Marie Leuenberger sei Ende Januar, als die Nominierungen verkündet wurden, gerade an einer Geburtstagsparty in Berlin gewesen. Ihre Produzenten hätten sie auf dem Laufenden gehalten, ihr Handy habe ständig gebrummt. «

Viel mehr als meine eigene Nominierung freut mich aber, dass wir ausgerechnet mit diesem Film so oft berücksichtigt wurden», sagt die Darstellerin. «Der Film liegt mir wahnsinnig am Herzen, sein Thema ist wichtig und erhält dank diesen Nominierungen mehr Aufmerksamkeit.»

Wahrlich: Je stärker das Scheinwerferlicht auf den Quartz einstrahlt, desto heller strahlt er zurück.

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