Südafrika
Ein singender Parkwächter ist der neue Star auf Youtube

Alen Abrahams, der bei einem illegalen Parkwächter-Job hin und wieder sang, ist der neue Youtube-Star Südafrikas. Angefangen hatte es bei seiner Nachtarbeit, die er nie ohne seine Rollerblades machte, um Polizisten entwischen zu können.

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Singt sich auf der Strasse in die Herzen seiner Fans: Alen Abrahams. KEy

Singt sich auf der Strasse in die Herzen seiner Fans: Alen Abrahams. KEy

KEYSTONE

Alen Abrahams, der bei einem illegalen Parkwächter-Job hin und wieder sang, ist der neue Youtube-Star Südafrikas. Angefangen hatte es bei seiner Nachtarbeit, die er nie ohne seine Rollerblades machte, um Polizisten entwischen zu können.

Der Grund: Eine Erlaubnis für den Job hatte er nicht. In Kapstadts unsicheren Vergnügungsvierteln passte er auf Autos auf und kassierte dafür von den Fahrern Trinkgeld – zuweilen sang er ihnen auch ein Lied in der Hoffnung auf ein paar Münzen mehr.

Einer jungen Frau gefiel seine Parodie eines Michael-Jackson-Songs so gut, dass sie den Auftritt mit ihrem Smartphone aufnahm und das Video auf Youtube stellte. Das Lied verbreitete sich im Nu; auch der Radio-DJ Aden Thomas von wurde auf den 31-Jährigen aufmerksam.

Thomas bat seinen Freund Marlon Kruger, den singenden Parkwächter zu finden und ihn in die Sendung zu lotsen. Abrahams war nicht einmal überrascht: «Ich wusste immer, dass das einmal passieren würde.» Mittlerweile ist Kruger sein Manager.

Allein im Februar sahen sie sich über eine halbe Million Menschen die Youtube-Videos von Abraham an. Derzeit stehen diverse Auftritte bei Musikfestivals auf dem Programm. Bald soll die erste CD erscheinen.

Obwohl er für seine Cover-Hits noch Lizenzen braucht, sieht so aus, als ob Abrahams das Elend verlassen könnte. Er wuchs in einem Getto auf – zu Hause herrschte bittere Not. Wenn er als Kind keine Schuhe hatte, ging er barfuss zur Schule. Als Alen neun Jahre alt war, haute er von zu Hause ab, weil sich ohnehin niemand um ihn gekümmert habe, sagt er. Sein Brot verdiente er sich mit Betteln. «Ich habe die Leute so lange genervt und verfolgt, bis sie mir Geld gegeben haben.»

Irgendwie habe er den Weg wieder in die Familie gefunden, sogar seinen Schulabschluss gemacht, sagt er. Vieles klingt etwas wirr, aber gleichwohl wird klar wird, dass dieser Mann keine einfache Kindheit und Jugend hatte. Musik war immer die wichtigste Zuflucht in diesem Leben. «Ich singe, seit ich denken kann», so Abrahams.

In der Schule fiel sein Talent auf, zuweilen drängten ihn sogar seine Mitschüler, einen populären Song zu singen. Zuweilen sind Abrahams Texte aber auch voller Anspielungen auf die düsteren Seite Südafrikas. «Ich singe über das, was ich täglich zu sehen bekomme», sagt er. Und etwas traurig: «Meine Familie ist mir wichtig, ich aber nicht meiner Familie.» Schleunigst will er jetzt ein gesetzestreuer Bürger werden. Sein Personalausweis ist völlig zerfleddert, aber Abrahams hat jetzt genug Geld, die Gebühren für einen neuen zu zahlen.

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