Pop
Passenger verarbeitet seinen Liebesfrust

Der britische Popsänger hat sich von seiner Freundin getrennt. Im Lockdown hat ihn die Einsamkeit doppelt getroffen. Mit positiven Auswirkungen auf seine Kreativität.

Steffen Rüth
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Der britische Sänger Passenger oder Mike Rosenberg.

Der britische Sänger Passenger oder Mike Rosenberg.

Bild: Sony

Mike Rosenberg, besser bekannt als Passenger, hat sich vor einem Jahr getrennt. Das ist unschön für ihn und seine Ex-Partnerin, aber eine Wonne für alle anderen. Denn kaum jemand versteht es so gut wie der 36-jährige Popsänger aus Brighton, seinen Liebesfrust in herrlich melancholische Songs umzuwandeln, wie er auf seinem neuen naheliegend betitelten Album «Songs For The Drunk And Broken Hearted» einmal mehr unter Beweis stellt.

Vier Jahre lang waren Passenger und seine Freundin ein Paar. Keine Ewigkeit, aber «für meine Verhältnisse ist das eine lange Zeit gewesen». Er behielt das Sorgerecht für die beiden Katzen, hin und wieder telefoniere man noch. Und, was soll er sagen, für seine künstlerische Kreativität und das nun auch schon dreizehnte Studioalbum «Songs For The Drunk And Broken Hearted» war das Ende dieser Liebe ein wirkungsvoller Katalysator, so Passenger. «Wenn du so gewöhnt bist an die Wärme und den Zuspruch einer Person und plötzlich driftest du wieder allein durch diese Welt, dann macht dich das verletzlich. Alle deine Nerven sind sozusagen in ständiger Alarmbereitschaft, und du kommst deinem emotionalen Kern, der so wichtig ist zum Songschreiben, sehr nah. Erst recht, wenn dann auch noch die Trennung und der Corona-Lockdown für einen Doppelschlag der Einsamkeit sorgen», sagt er.

Er ist am besten, wenn er traurig ist

Passenger war schon immer dann am stärksten, wenn er traurig ist. Schliesslich entsprang schon seine Welthitsingle «Let Her Go», mit der er vor sieben Jahren in zahllosen Ländern die Charts anführte, dem Liebesleid – mit der damaligen Freundin. «Ich bin einfach nicht wie mein Freund Ed Sheeran, der glücklich ist mit Frau und Kind und sich trotzdem weiter in der Melancholie sonnen wird. Beim Komponieren und Texten muss ich einfach fühlen, was ich singe.»

Gerade auch dann, wenn es richtig wehtut. «Sword From The Stone», die erste Single und Passengers Lieblingslied der neuen Platte, beschreibt diesen Jo-Jo-Effekt der Emotionen zwischen Verletzlichkeit, Lakonie, Langeweile-Besäufnissen und Durchstartstimmung sehr detailliert, während sich Passenger in «Sandstorm» selbst die Hauptverantwortung für die kaputtgegangene Liebe zuschiebt. «Wenn ich nach einer langen Tournee wieder nach Hause kam, war ich der Sturm, der alles, inklusive meiner Partnerin, umherwirbelte. Ich brauchte immer länger, um wieder wirklich zu Hause anzukommen.»

Und so haben ihm letztlich Pandemie und Trennung quasi ein und dieselbe Lektion auf dem silbernen Tablett geliefert: «Ich war ganz schön ausgebrannt. Die Ruhe hat mir wirklich auf die Beine geholfen. In Zukunft muss ich Leben und Arbeit besser in die Balance bringen.»

Passenger, Songs For The Drunk And Broken Hearted (Sony).