Die Gesellschaft im Visier des Theaters

Das Schauspiel in der neuen Saison gibt sich politisch.

Susanne Holz
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Wer braucht hier einen Geldsegen? In Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie «Der Besuch der alten Dame» ist es die verarmte Kleinstadt Güllen, die auf die Milliarde einer in der Fremde reich Gewordenen hofft. Mit Dürrenmatts Klassiker eröffnet das Schauspiel seine Spielzeit am 7. September. Man ist gespannt auf «Tatort»-Kommissarin Delia Mayer als Racheengel.

Bei der Pressekonferenz am Dienstag nennt Sandra Küpper, Leiterin Schauspiel, die Klammer ihres Programms: «Zugehörigkeit». Dialoge seien heute nicht mehr selbstverständlich, deshalb: «Theater soll demokratische Diskurse starten.» Man wolle auch der Frage nachgehen: «Wie beeinflussen Ideologien Menschen?»

Antikenzyklus «Troja» überrascht als Polit-Thriller

Parallel zum Schweizer Klassiker im Theater wird in der Box die «Café-Bar Güllen» öffnen, in der sich Luzerner Bürger und Vereine drei Wochen lang repräsentieren können – ob sie nun tanzen, singen, jassen oder gärtnern ... (Anmeldung bis 10. Juni unter www.luzernertheater.ch). Ähnlich innovativ ist die «Taylor AG», eine «Theaterserie über die Zukunft der Arbeit» in 29 Folgen, ebenfalls in der Box und mit Beteiligung der Luzerner Bevölkerung. An jedem Abend wird ein Experte aus dem Raum Luzern, sei er Schreiner oder Philosoph, seine Impulse einbringen – Ausgang offen!

Schön politisch wird es mit dem Antikenzyklus «Troja», in einer Bearbeitung von Melinda Nadj Abonji. Regisseur Ingo Berk inszeniert den Stoff als Polit-Thriller und à la Hitchcock. Sandra Küpper: «Gefragt wird, wie es zu Krieg kommt und was seine Auswirkungen sind.»

Von Einsamkeit handelt «Solitude», eine «Performance über das Alleinsein» im Spätkapitalismus. Abgeschlossen wird die Spielzeit mit «Tatort Frankenstein» in der Viscosistadt: Das originale «Tatort»-Filmset als fiktives Polizeirevier in einem theatralen Krimi.

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