Liste Basel
Diese Kunstmesse macht alles ein bisschen anders

Mit der Art Basel ist auch die «Liste» zurück. Zum ersten Mal in der Messehalle rückt sie der grossen Schwester gehörig auf die Pelle.

Anna Raymann
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Stilvoll lässt sich die Kunst am besten betrachten. Hier in der Koje von Felix Gaudlitz an der LISTE Art Fair Basel.

Stilvoll lässt sich die Kunst am besten betrachten. Hier in der Koje von Felix Gaudlitz an der LISTE Art Fair Basel.

Gina Folly

Die Kunstwelt brezelt sich auf. Sie putzt sich heraus, holt Zwirn und Klunker aus dem Schrank. In Basel ist die Art-Woche gestartet, das ist die Woche, in der sich die Stadt weltmännisch und exzentrisch geben darf. Und das sieht man auch. Schon am Montagvormittag, selbst für die VIPs sind die Türen erst seit wenigen Minuten geöffnet, stöckeln die ersten Kunstsammler und Galeristinnen wahlweise in beeindruckend hohen Hacken oder dann doch in Kniestrümpfen und giftgrünen Crocs über den Messeplatz.

Hat aber nicht genau diese Spur Glamour gefehlt? Als letztes Jahr – die Gründe dafür sind die Bekannten – die Kunstmessen in den virtuellen Raum umziehen mussten, man digital ausstellte, kaufte und verkaufte, wollte nur schwer Stimmung aufkommen. Das soll dieses Jahr endlich und unbedingt wieder anders werden.

Ein Umzug von der Brauerei in die Messehalle

Den Auftakt gibt die «Liste». Seit 26 Jahren ist sie die Begleitmesse für junge, zeitgenössische Kunst, die parallel zur Art läuft. Schon ab Montagabend steht sie dem breiten Publikum offen. In den letzten Jahren wurde gern getuschelt, sie sei die «bessere» Art, vielleicht weil sie ungezwungener ist, frischer, wilder. Die Liste lebt von den Begegnungen und Entdeckungen. Beides wollen sich die Organisatoren nicht nehmen lassen.

Dafür ist das Warteck, die charmante Heimat der Liste, wie gemacht. Auf mehreren Stockwerken streuen sich dort für gewöhnlich die Räume. So konnte es zwar passieren, dass man einen Aussteller übersah, spätestens aber auf der engen Treppe runter zur hauseigenen Bar wäre man ihm über den Weg gelaufen. Ausgerechnet in diesem Jahr, in der sich Galerien wie Besucher nach «echten» Begegnungen sehnen, muss die Liste in die grosse Halle 1.1 auf dem Messegelände ziehen. Grund: Die engen Winkel und Nischen hätten sich nur schwer mit Abstandsregeln vereinbaren lassen.

Fröhliche Gesichter zu grusligen Dystopien

Zunächst also zu den Entdeckungen. Natürlich gibt es die. Neben klassischer Malerei und Fotografie wachsen Skulpturen wie schleimige Pilze aus dem Boden, es wabert, spiegelt und glänzt. Überhaupt ist so mancher Anblick schaurig schön, man denkt an Visionen aus einer künftigen, dystopischen Welt. Wenn sich auch kaum ein Werk explizit mit der Pandemie beschäftigt, so klingt der Sound aus so mancher Ausstellerkoje nach aufregend-bedrohlicher Endzeitstimmung.

Die Galeristinnen und Galeristen, die an kleinen Tischen vor den Werken auf kauffreudige Kunstfans warten, machen dazu jedoch eine recht freudige Miene. Endlich gehe es wieder los, sagen sie, endlich nicht mehr «nur» online.

Die Kauflaune kommt zurück

Bei der Onlinemesse waren die Preise der meisten Werke offen zu sehen. Die Verkäufe aber geschahen hinter verschlossenen Türen. Das ist nun anders. Wenn die Galeristinnen eilig übers Tablet wischen, steht womöglich eine Verhandlung kurz vor dem Abschluss. Vor einer mehrteiligen Bildserie mit erotischen Szenen des Special-Guest-Duos Jacent kann sich eine Besucherin nur noch nicht für eines entscheiden – im Schlafzimmer würde sich jedes davon gut machen, meint sie. Der Kunstmarkt ist mit der Coronakrise eingebrochen. Zwar sind die Summen, um die es hier geht, deutlich kleiner als bei der Art, und aus einem Tag lassen sich keine Schlüsse ziehen, aber die Kauflaune scheint zurück.

Das charmante Heim der «Liste» im Werkraum Warteck wird für dieses Jahr gegen die Messehalle 1.1 getauscht.

Das charmante Heim der «Liste» im Werkraum Warteck wird für dieses Jahr gegen die Messehalle 1.1 getauscht.

Liste Art Fair Basel

Nicht nur die Kauflaune. Obwohl das Gedränge weniger dicht ist, wie in früheren Jahren, ergeben sich die spontanen Begegnungen dennoch. Das Architekturbüro «OFFICE Kersten Geers David Van Severen» hat mit Richard Venelet eine Piazza in die Halle gebaut. Sie bietet Platz für grössere Werke – quasi eine kleine «Unlimited» – und den Austausch. Die Kojen der Galerien liegen im Kreis drumherum. So entsteht eine Marktplatzatmosphäre, die das strenge Raster, das man sich sonst von Messen wie auch der Art Basel gewohnt ist, heiter brechen. Trotz der neuen Nähe zur grossen Schwester macht die Liste eben alles ein wenig anders.

Liste Art Fair Basel 20.–26.9. Messehalle 1.1.

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