Kultur
Die Aarauerin Malerin Elena Tamburini setzt auf alte Technik und aktuelle Themen

Porträt-Serie zur Auswahl 20 im Aargauer Kunsthaus. Heute Elena Tamburini, die voll auf die Karte Malerei setzt. Nicht als einzige.

Sabine Altorfer
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Kleine Gemälde, grosse Wirkung: Elena Tamburini malt klassisch und doch rotzig frech.

Kleine Gemälde, grosse Wirkung: Elena Tamburini malt klassisch und doch rotzig frech.

René Rötheli/Aargauer Kunsthaus

2020 sei der Jahrgang mit ausserordentlich viel Malerei an der Aargauer Jahresausstellung. Das sagt Kunsthausdirektorin Katharina Ammann. Anlass also, in dieser Serie eine Malerin oder einen Maler zu porträtieren – und dabei jemanden eher Unbekannten herauszupicken.

Die Wahl fiel auf Elena Tamburini, 28. Weil sie erst zum dritten Mal mit dabei ist, und weil ihre beiden Kleinformat-Porträts klassisch und doch rotzig frech anmuten. Mann und Frau starren uns an – oder doch ins Leere? – zwischen ihren Lippen ein Joint, den sie gerade anzünden. Glücklich wirken sie nicht.

Elena Tamburini, 28.

Elena Tamburini, 28.

René Rötheli

Gefühle und Kämpfe sichtbar machen

Zwischen den beiden Porträts hängt ein krakelig gemaltes Schrifttäfelchen: «Middle Fingers Up». «Manchmal muss man der Scheisswelt den Stinkefinger zeigen», erklärt Elena Tamburini am Telefon. Damit spielt sie sowohl auf den Titel des Frauenporträts an («We all felt like shit») wie auf den dunklen Grundton ihrer Gemälde. «Mich interessieren Themen wie Depression, Suizid, Gewalt – das Elend der Menschen, ihre Hilflosigkeit», sagt die Künstlerin. «Das sind schwierige, aber wichtige Themen.» Dazu will sie Geschichten erzählen, «manchmal hilft schwarzer Humor», sagt sie, «wie beim Stinkefinger» – und lacht. Und manchmal hilft die junge Künstlerin auch direkt: Sie hat eine Charity-Aktion gestartet, Bilder verkauft, um Kinder zu unterstützen, die unter Gewalt leiden.

Die Frau auf dem Bild sei für sie zwischen 15 und 19, in einem Alter, in dem man seine Persönlichkeit entwickle, gegen gesellschaftliche Zwänge, Fremdbestimmung oder nervige Eltern kämpfe. «Solche Gefühlslagen will ich zeigen.» Tamburini malt mit heftigem, grobem Pinselauftrag, tonig, dunkel und ausschliesslich Menschen. Malt sie nach Modell? «Nein, Anstupf sind Fotos aus dem Internet, die ich aber verändere. Mir geht es nicht um Abbilder.»

Eine der seltenen Rückkehrerinnen

In ihrem Lebenslauf liest man: 1992 in Zürich geboren, dort Vorkurs für Kunst und Gestalten, dann Kunststudium in Berlin. Wie kam Tamburini 2017 dazu, bei der Auswahl der Aargauer Kunstschaffenden mitzumachen? Sie sei im Aargau aufgewachsen, in Reitnau, und seit zwei Jahren wohne sie in Aarau. Sie gehört also zu den seltenen Künstlerinnen, die nach dem Studium in den Aargau zurückkehren. Leben kann sie von ihrer Kunst nicht, sie arbeitet als Verkäuferin und in einer Bar.

Schaut man sich die Werke junger Künstlerinnen und Künstler an, so arbeiten fast alle multimedial. Tamburini nicht. «Im Vorkurs habe ich die Malerei und die Zeichnung als mein Medium entdeckt.» In Berlin habe sie bei Leiko Ikemura viel darüber gelernt, wie man Geschichten und Inhalte auch subtil erzählen könne. Und bei Uwe Hand vor allem alles Technische. Ihre Farben und Malmittel mischt sie selber, aus Pigmenten, Harz und Ölen. Die Brauntöne etwa aus Erdpigmenten. Das sei enorm spannend. «Es wird seit Jahrhunderten so gemacht. Seit den Höhlenmenschen ist Malerei Teil unserer Welt.»

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft. Was ist ihr Ziel? Berühmt zu werden und am Markt gefragt zu sein? «Nein. Aber ich möchte gerne von meiner Malerei leben können, mehr Zeit dafür haben. Dann könnte ich auch an grössere Formate denken.»

Malerische Werke an der Auswahl 20

Malerei ist bei der Jahresausstellung der Aargauer Künstlerinnen und Künstler dominant. Hier sehen Sie eine Auswahl der Auswahl 20.

Auswahl 20. Aargauer Kunsthaus ist bis zum 22. Januar geschlossen, die Ausstellung deshalb bis 14. Februar verlängert.
Kunstraum Baden. Truffes & Trouvailles, bis 31. Januar.

Bächli, Silvia (*1956) Ohne Titel, 2020. Gouache auf Papier 4 Zeichnungen, je 64 x 46.5 x 3 cm.
14 Bilder
Balmer, Valérie (*1961). «Chronik», 2019-2020. Öl hinter Glas, 40 x 30 x 1 cm.
Barcelo, Annette (*1953). Wir sagen es nicht weiter, 2019. Kohle, Acryl auf Papier, 8-teilig, je 85 x 30 cm.
Ehrler, Fabienne (*1988). she is very invisible, 2020. Acryl, Kohle, Spray, 220 x 330 cm
Grimm, Otto (*1955). Dynamisches Gruppenbild, 2020, Gruppenbild-Ausschnitt, 2020, B auhäusler, 2020. (v.links) alle Aquarell auf Papier
Gros, Mireille (*1954). Fictional Plant Biodiversity, 2020. Bienenwachsenkaustik, Chinatusche und Ölfarbe auf Flachsleinen und Leinwand, 5-teilig, je 210 x 120 cm.
Hauri, Valentin (*1954). A Series of Dreams, 2020, 6-teilig, Öl auf Leinwand
Lämmli, Dominique (*1964). Watery Landscapes (20-1), 2020. Acryl und Pigment auf Baumwolle, auf Keilrahmen bespannt, 300 x 160 x 4 cm.
Matter, Max (*1941). In Verläufen (an Inside), 2019-2020, Farbtinkturen in Japanpapier, 8-teilig, je 400 x 100 cm.
Müller, Barbara (*1956). Erinnerungen 6 Kleinformate, 2018-2020. Öl auf Hartfaserplatte, 6-teilig, je 30 x 24 cm/ 24 x 30 cm.
Naef, Irene (*1961). Un accenno di Fra Angelico I/II/III , 2020. Öl und Acryl auf ungrundierte Leinwand, 3-teilig, je 200 x 140 cm.
Stausland, Mette (*1956). Vange Series 850, 851, 852, 2020. Bleistift auf Papier 3-teilig, je 112 x 90 x 4 cm.
Takács, Paul (*1974). Das Morgen, 2020. 16 Arbeiten, Acryl, Spray, Bleistift auf Papier je 100 x 70 cm.
Trüb, Sabine (*1959). GEFALTERT , 2020. Lackfarbe, Falttechnik, 130 x 375 cm.

Bächli, Silvia (*1956) Ohne Titel, 2020. Gouache auf Papier 4 Zeichnungen, je 64 x 46.5 x 3 cm.

René Rötheli

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