1918, vor 100 Jahren also, ereignete sich eines der folgenschwersten Ereignisse der Schweizer Geschichte. Im November, nur wenige Wochen nach Kriegsende, wurde der Landesstreik ausgerufen. Heute sind viele Forderungen der Streikenden zur Schweizer Selbstverständlichkeit geworden. Wie aber lebten und litten, dachten und fühlten damals Arbeiter und Arbeiterinnen, Soldaten, Kinder, Unternehmer, Politiker? Und wie kann eine moderne Theaterinszenierung heute die damalige Situation der Gesellschaft darstellen?

Dieser Frage stellte sich Regisseurin Liliana Heimberg zusammen mit dem Historiker Stefan Keller. Nach einer positiven Rückmeldung der Solothurner Regierung 2013 zur Realisierung, begann Heimberg mit ihrem Team das Theaterstück «1918.ch – 100 Jahre Landesstreik» zu erarbeiten. Zudem habe man die neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Landesstreik ebenfalls ins Theater einfliessen lassen, erklärte am Donnerstag an einer Medienkonferenz der beratende Historiker und Projektleiter Andreas Affolter.

Morbider Charme der Räume

Am Donnerstag gab es erstmals einen Rundgang durch die Räumlichkeiten der alten SBB-Werkstätte in Olten, wo das Stück gespielt wird. Die Hallen mit ihren alten Holzbalken, Böden und Fenstern strahlen einen morbiden Charme aus. Eine Eisenbahnschiene führt in einen Raum, auch sie wird ins Stück miteinbezogen. «Wir haben in den Räumen, welche den SBB ab 2004 nur noch als Lagerhalle diente, verschiedene Utensilien entdeckt, die nun im Stück eingebaut wurden», berichtet Regisseurin Liliana Heimberg.

Sie schildert, wie der Erarbeitungsprozess für dieses Stücks ablief. «Zunächst: Wir arbeiten nur mit Laienschauspielern. Es ist also ein Theaterprojekt, aber auch ein Vermittlungsprojekt, denn viele Beteiligte wussten nur wenig über den Landesstreik». Eine Feststellung, die wohl für viele Schweizerinnen und Schweizer zutrifft. Es gebe ein Kern-Ensemble von über 100 Schauspielerinnen und Schauspielern, welche in wechselnden Rollen zu sehen sind. Sie singen und spielen die Hauptgeschichte zum Landesstreik.

Dazu kommen pro Theaterabend jeweils zwei Gast-Produktionen aus anderen Kantonen. Heimberg: «Diese Gast-Gruppen beleuchten je andere Ansichten auf den Landesstreik, die sie selbst ganz autonom erarbeiteten, Themen, die mit ihrem Kanton zu tun haben.» So widmet sich die Gruppe aus dem Kanton Aargau zum Beispiel dem Generalstabsmajor Eugen Bircher, der eine Bürgerwehr formieren liess. Eine Gruppe aus dem Kanton Bern wiederum zeigt, wie hungrige Bieler einen Kartoffelwagen plünderten. «Das Ganze soll zu einem Panorama der Gesellschaft um 1900 werden», meint Heimberg.

Musikalisch werden die Theateraufführungen von der Sinfonietta Basel unter der Leitung von Ludwig Wicki begleitet. Jeder Abend wird also anders ausfallen als der Vorherige. «Es ist also möglich und erwünscht, unser Stück mehrmals zu besuchen», so die Regisseurin.

Ein Festspiel für die Schweiz

Ein Festspiel für die Schweiz und es findet in Olten statt. «Olten musste es sein, denn Olten war der Ort, welcher der Streikleitung, dem «Oltener Aktionskomitee», damals ihren Namen gab», sagt Heimberg.

Als Zuschauer hat man die Möglichkeit sich vor der Theateraufführung auf dem Gelände umzusehen. Es gibt hier eine Kunstinstallation zu sehen und mehr über die Entwicklung und Entstehung des Theaterprojektes zu erfahren. Zudem sorgt eine entsprechende Infrastruktur für das leibliche Wohl. 500 Personen sollen pro Aufführung einen Platz finden.

1918.ch – 100 Jahre Landesstreik 16. August bis 23. September. Alte SBB- Werkstätte, Gösgerstrasse 52, Olten. Infos: www.1918.ch