«King Arthur» im Kino
Der König aus der Gosse

Der britische Kultfilmer Guy Ritchie knöpft sich nach «Sherlock Holmes» nun «King Arthur» vor. Das Resultat ist dreckig, draufgängerisch und dröhnend laut.

Lory Roebuck
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Charlie Hunnam als «King Arthur»

Charlie Hunnam als «King Arthur»

Warner Bros.

Was er anfasst, wird zu Dreck. Das ist nicht per se schlecht. Der britische Filmregisseur Guy Ritchie hat einfach ein Flair für das Schmutzige. Schweiss, Blut, gebrochene Knochen und kaputte Zähne.

Guy Ritchie gilt als König der krassen Krimis. Am liebsten suhlt er sich mit seiner Kamera im britischen Untergrund. Wie in «Lock, Stock and Two Smoking Barrells» (1998), «Snatch» (2000) und seinen beiden «Sherlock Holmes»-Filmen (2009/2011).

Doch jetzt hat sich Guy Ritchie rausgebuddelt. Seine Kamera schaut nicht mehr nach unten, sondern nach oben. Direkt an den glitzernden Hof von König Artus und seiner Tafelrunde.

Guy Ritchie und eine mythologische Sagengestalt, passt das zusammen? «Als Brite bin ich eben mit Sherlock Holmes und mit King Arthur aufgewachsen», gab der Filmer achselzuckend zu Protokoll.

Nun, die Sagen um König Artus – oder eben King Arthur, wie er in seinem Mutterland genannt wird – standen bereits für unzählige Filme Pate.

Doch keine war wohl so ambitioniert wie nun Ritchies Adaption (Budget: 102 Millionen US-Dollar). Im Erfolgsfall soll «King Arthur: Legend of the Sword» gleich eine mehrteilige Kinoserie in Gang setzen.

Den Bombast entdeckt

Schon der Beginn des Films macht klar, in wessen Fussstapfen er dabei treten will: Die Armee, die mit gigantischen Elefanten das Schloss Camelot angreift, erinnert nicht von ungefähr an Szenen aus der «Lord of the Rings»-Trilogie (2001–2003).

Und auch Zauberer und andere Biester tummeln sich in dieser Spektakel-Welt.

Guy Ritchie hat also den Bombast für sich entdeckt. Der Kinosaal könnte in sich zusammenstürzen, man würde nichts davon mitkriegen – so dröhnend laut ist «King Arthur: Legend of the Sword».

Aber: Ritchie bleibt seinem Stil auch treu: Sein King Arthur (gespielt von Charlie Hunnam) ist ein gerissenes Grossmaul vom Typ Sherlock Holmes. Aufgewachsen in einem Bordell, abgehärtet in der Gosse. Seine diebischen Jugendjahre zischen im furiosen Zeitraffer über die Leinwand.

Jude Law als böser König Vortigern

Jude Law als böser König Vortigern

Warner Bros.

In Ritchies Film muss Arthur seinen rechtmässigen Thron von seinem bösen Onkel Vortigern (Jude Law) zurückerobern. Das magische Schwert Excalibur soll ihm dabei helfen. Und eine Bande dauerfluchender Raufbolde.

«Wie zum Teufel sollen wir in Camelot eindringen?», fragt einer von ihnen. «Durch die Vordertüre», lautet Arthurs Masterplan.

Sein waghalsiger Aufstand wäre natürlich nicht komplett ohne eine reizende junge Dame mit magischen Kräften (Àstrid Bergès-Frisbey).

Brusthaare statt Muckis

«King Arthur: Legend of the Sword» ist ein Zwitterfilm. Er ist inhaltlich saudoof, aber auch saumässig unterhaltend. Frei von jeglicher Subtilität inszeniert Guy Ritchie ein Action-Epos vollgepumpt mit Testosteron.

Das ist fast wie bei einer Folge «Bachelorette», nur gewinnen bei Ritchie nicht die Männer mit den grössten Muckis, sondern jene mit den flächendeckendsten Brusthaaren. Denn: Ritchie versteht seine Helden eben noch als «echte Kerle».

King Arthur: Legend of the Sword (USA / AUS 2017), 126 Min. Regie: Guy Ritchie. Ab Donnerstag, 11. Mai im Kino.

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