4. Freiämter Poetry Slam
Worte fliegen durch den Raum

Literatur kennt keine Grenzen und Junge interessieren sich brennend für die Dichtkunst. Dies bewies der 4. Freiämter Poetry Slam in Wohlen, der vorwiegend von Jungen besucht wurde. Auf der Bühne präsentierten acht Slammer vor 150 Zuschauern ihr Können.

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Aargauer Zeitung

Tim Honegger

Gegen 21 Uhr eröffnete der Moderator Simon Chen, der selbst seit vier Jahren slammt, den Dichterwettbewerb und erklärte zuerst die Werte der Noten: Eine 1 bedeute, die Druckerschwärze sei zu schade für den Text, und eine 10, dass man den Dichter gleich nach Hause nehmen wolle. Als Erster trat der Wohler Markus Müller auf. Zu Beginn seines Vortages sagte er schmunzelnd, dass er seinen Text von Hand geschrieben habe, damit er keine 1 erhalten könne.

Eine Minute für einen Satz

Whiskey für den Gewinner

Poetry Slam ist eine «lite-rarische Sportart», welche vor 23 Jahren in Amerika entstanden ist. Dabei präsentieren die Poeten ihre Texte; die oberste Regel besagt, dass diese selbst geschrieben sein müssen. Die Künstler haben bei ihren Auftritten fünf Minuten Zeit, um dem
Publikum ihre Gedichte möglichst schmackhaft zu vermitteln. Auf den Sieger eines Poetry Slam wartet traditionsgemäss eine Flasche Whiskey. Speziell an Poetry Slam ist, dass ausser den obigen Regeln alles erlaubt ist und sieben zufällig ausgewählte Leute aus dem Publikum als Juroren entscheiden, welcher Slampoet in die nächste Runde kommt. (th)

Viersprachig und kurzfristig

Dari Hunziker, die ihren Text in vier Sprachen vorstellte, machte ihrem Slammer-Ruf alle Ehre. Die eigentliche Überraschung des Abends war jedoch die Vorstellung von Patti Basler, die zum ersten Mal an einem Poetry Slam teilnahm und ihren Text nur 30 Minuten zuvor fertig gestellt hatte. Mit vielen Wortspielen und Zweideutigkeiten strapazierte sie die Lachmuskeln der Zuhörer im «Chappelehof» und erntete dafür tosenden Applaus und die Maximalbewertung von 50 Punkten.

Nach ihnen traten Daniela Dill und Kilian Ziegler auf. Letzterer verfasste einen Text, in dem er mit den Kindern abrechnet und beispielsweise sagt, das Wort «Problemkind» sei ein Pleonasmus, ähnlich wie etwa der Ausdruck «weisser Schimmel».

Das Rennen machten am Ende Kilian Ziegler und Ga-briel Vetter. Den letzten Entscheid fällt jeweils das ganze Publikum, der Sieger wird durch die Lautstärke des Ap-plauses gemessen. Selbst nach mehreren Anläufen konnte Simon Chen keinen eindeutigen Sieger ausmachen und kürte beide zu Gewinnern.

Junge auf und vor der Bühne

«Für mich ist Poetry Slam eine Kombination zwischen Kreativität und Wettbewerb. Es ist ein Kampf um die Gunst des Publikums», erklärte Kilian Ziegler. Poetry Slam sei der Gegenbeweis zum Klischeebild der Jugend, die nichts mehr mit Literatur am Hut hat. Tatsächlich: Zur zweiten der vier Veranstaltungen von «Argovia Poetry Slam» fanden sich rund 150 Literaturliebhaber in der Wohler Kulturbeiz Chappelehof ein, um den Texten der acht 23- bis 33-jährigen Slammer zu lauschen.

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