New York

Wird da Vincis Christus zur Auktions-Sensation?

Sicherheitsleute bewachen Leonardo da Vincis «Salvator Mundi» bei Christie’s.

Sicherheitsleute bewachen Leonardo da Vincis «Salvator Mundi» bei Christie’s.

Bei Christie’s in New York kommt nächste Woche ein echter Leonardo da Vinci unter den Hammer. Ein echter? 1958 hatte das Gemälde noch für 60 Dollar den Besitzer gewechselt.

Ein Gemälde von Leonardo da Vinci unter dem Hammer! Damit präsentiert Christie’s die Sensation der diesjährigen Herbstauktionen. (15. November in New York). Und heizt das Fieber im heissen wie launischen Kunstmarkt für die gewichtigsten New Yorker Sales an.

Da Vincis «Salvator Mundi» sei das letzte Gemälde des italienischen Meisters in Privatbesitz, betont das Auktionshaus. Generell sind Gemälde des Renaissancemeisters (1452–1519) sehr rar: Er hat lieber Maschinen erfunden als gemalt und hat oft Jahre bis zur Vollendung eines Werkes gebraucht. Nur etwa 20 Werke gelten heute als echte Gemälde von da Vinci – auch wenn regelmässig Funde auftauchen.

Nun also der «Salvator Mundi», ein eigenwilliger, sanfter, aber etwas unscharfer Christus als Erlöser der Welt. Mit der einen Hand segnet er die Betrachter, mit der anderen hält er eine Kristallkugel, die nicht nur die Erde, sondern die ganze Welt meint, die in seiner Hand liegt. Offiziell nennt Christie’s keinen Schätzpreis – «auf Anfrage» heisst es im Katalog. Trotzdem ist natürlich schnell durchgesickert, dass das Auktionshaus bei diesem eigentlich unbezahlbaren und -schätzbaren Werk mit mindestens 100 Millionen Dollar rechnet. Eigentlich wenig, wenn man die proklamierte Einzigartigkeit berücksichtigt. Aber viel, sehr viel, wenn man bedenkt, dass dieses Werk 1958 für 60 Dollar den Besitzer gewechselt hat. Denn damals galt das Original als verschollen, also dachte man, dieser Christus sei nicht vom Meister selber, sondern von einem seiner vielen Nachahmer, Schüler und Nachfolger gemalt worden. Es verschwand dann – wie schon zuvor über Jahrhunderte – von der Bildfläche.

Lippen wie Mona Lisa

2011 war der «Salvator Mundi» wieder da und wurde – laut Christie’s – als echt anerkannt, nachdem Dutzende von Experten und ausgewiesenen Museumsfachleuten das Bild untersucht hatten. Sie stellten fest, dass viele Details für da Vinci sprächen. Die frontale Haltung und der Goldene Schnitt bei vielen Kompositionsdetails seien typisch, ebenso der Träger: Nussbaumholz. Dass der Christus dieselben Lippen und Augen wie die Mona Lisa, dieselben Zapfenzieherlocken wie Leonardos «Johannes der Täufer» habe, sehen sie ebenfalls als Indiz. In einem 174-seitigen Katalog des Auktionshauses bekommt man all das in Wort und grossformatigen Bild-Details vorgesetzt.

Bleibt also abzuwarten, wie viele Sammler und Museen sich auf das Gemälde, auf diese letzte Gelegenheit stürzen und sich Bietergefechte liefern werden. Um den Hype anzuheizen, hat Christie’s das Original im Voraus auf eine Welttournee geschickt – etwas, was Museen wohl nie wagen würden.

Ob wir am 15. November die Auktionssensation erleben werden? Der Kreis der Interessenten wird durch das Sujet eingeschränkt: Einen Scheich aus der islamischen oder einen Milliardär aus dem buddhistisch geprägten Japan und China wird Christi Welterlöser-Geste wohl eher abschrecken. Die Diskussion um echt oder nicht auch manch seriösen Sammler.

Anzumerken gilt , dass gleichzeitig in New York ein «moderner da Vinci» auf den Markt kommt: Andy Warhols «Sixty Last Suppers». Der Pop-Artist hat da Vincis Mailänder Meisterwerk «Abendmahl» zigfach kopiert und umgesetzt. So gross (über neun Meter breit), gleich 60-fach aufs Mal und so teuer allerdings wie nie zuvor. Christie’s nennt auch hier den Preis nur auf Anfrage. Wie man hört, soll «Sixty Last Suppers» sagenhafte 50 Millionen Dollar bringen, also die Hälfte des echten da Vinci. Aber wer versteht schon die Kalkulationen des Kunstmarktes?

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