«Wer sind Flip, Bounty, Krümel und Speedy?», fragt man sich, wenn man seinen Blick weg von den Mobiles schweifen lässt, die im hell erleuchteten Ausstellungsraum von der Decke hängen. Der deutsche Künstler Björn Braun hat auf dem Schild neben den freihängenden Objekten aus Materialien wie Draht, Lollis oder einem Salzblock seine «Kooperationspartner» gelistet.

Die lustigen Namen – so viel wird hier im Kunsthaus Baselland klar – sind ernst gemeint. Nur handelt es sich nicht um Menschen: Flip und Co. sind Tiere. Esel, Ratten, Vögel, ein Zebra. Und etliche andere.

Björn Braun ist 1979 in Berlin geboren. Sein Studium absolvierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe in der Klasse von Professor Meuser. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. In seiner künstlerischen Arbeit setzt er sich seit längerem schon mit der Frage auseinander, inwiefern der Künstler selbst auf sein Werk einwirken soll und den Werkprozess kontrolliert. Wer ist für die künstlerische Entscheidung verantwortlich und wie viel Zufall und Offenheit lässt man im Entstehungsprozess eines Kunstwerks zu?

Der Reiz des Unvorhersehbaren

«Es ist das nicht Planbare, das mich interessiert», sagt Braun im Gespräch mit Ines Goldbach, Direktorin des Kunsthaus Baselland. Im Gegenteil: Überraschungsmomente und der Einfluss des Unkontrollierten und Unberechenbaren reizen den Künstler am meisten. Aus diesem Grund arbeitet Braun bei der Arbeit mit seinen Objekten und Videoinstallationen oft mit Tieren zusammen und tritt damit während des Entstehungsprozesses in einen Dialog mit der Natur.

Der Künstler bietet den Tieren etwas an, versucht sie zu animieren. Doch wie sie auf seine Inputs reagieren und wie das Kunstwerk am Schluss aussehen wird, bleibt immer offen. Braun lässt Tauben auf Schaumstoffplatten balzen, die er dann am Boden zu einer Skulptur drapiert, oder verschiedene Tiere an Blumenkohl und Rüben knabbern, die er danach aus Materialien wie Beton oder Zinn zu säulenartigen Objekten nachformt. Auch die zu Beginn erwähnten Mobiles wurden im Vorfeld angeknabbert, bzw. wurde daran gelutscht.

Die Werke beweisen Humor

Die aus diesem kreativen Dialog entstandenen Werke spiegeln nicht nur Brauns erstrebte Offenheit wieder, sondern beweisen sie gleichzeitig Humor. Die aufeinandergestapelten Baguettes oder die übereinandergetürmten Toblerone mit Bisspuren lassen den eint oder anderen Museumsbesucher schmunzeln.

Doch nicht nur in seinen «tierischen» Arbeiten setzt sich der Künstler mit dem Prozess des Verwandelns und der Umformung auseinander. Direkt beim Eingang des Museums hängen neun Collagen, die auf den ersten Blick wie gewöhnliche Schwarz-Weiss-Fotografien aussehen.
Erst beim zweiten Hinsehen wird klar, dass der Künstler physisch in die Fotografie eingegriffen hat. Da und dort wurde eine Stelle herausgeschnitten, um sie an einem anderen Ort wieder neu zu arrangieren. Sehr subtil werden bekannte Ansichten umgestaltet und zu einer neuen Bildlogik zusammengefügt. Bäume verwandeln sich in einen Weg oder Fabrikgebäude werden zu Bergen.

Mit seiner Herangehensweise relativiert Braun das Bild des Künstlers, der alles allein schaffen will und nimmt sich dabei nicht so wichtig. «Weil es mehr Spass macht», wie er selbst sagt. Ein sympathischer Ansatz – der die Ausstellung umso sehenswerter macht.

   

Björn Braun bis 7. Juli, Kunsthaus Baselland, Muttenz. Vernissage: Donnerstag, 18.30 Uhr.