Sonderausstellung
Wann ist ein Mann ein Mann, ist die Frage im Antikenmuseum

Eine neue Sonderausstellung im Antikenmuseum widmet sich dem Mann-Sein im antiken Athen und schlägt den Bogen zum Heute. Parallel dazu beleuchtet die Skulpturhalle die antike Männerdomäne Sport. Zu sehen sind hochkarätige Exponate mehrheitlich aus den Beständen des Museums.

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Ausstellung im Antikenmuseum: Wann ist ein Mann ein Mann?
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...und zeigt eine Ausstellung rund um das «starke Geschlecht».
Ein Blick in die Ausstellungsräume zeigt was in der Antike wichtig ist: Sport und...
...ein athletischer Körper.
Diese Ideale prägen uns auch noch heute.
Auch wenn die Gesellschaft viel komplexer geworden ist.
Beleuchtet wird die - laut dem Museum besonders gut dokumentierte - Zeit des 6. bis 4. Jahrhunderts vor Christus.
Zu sehen sind um die 100 Exponate:
Der berühmteste Diskuswerfer der Welt: Diskobol des Myron; um 450 v. Chr.; rekonstruierter bronzierter Abguss.
Torso eines nackten Athleten, des sogenannten Diadu menos («der sich eine Siegerbinde um den Kopf legt»); Marmor; römisches Werk nach einer Bronzestatue des griechischen Bildhauers Polyklet aus der Zeit um 420 v. Chr.
Aus dem Heldenleben: die Zeremonie der Bekleidung; Weingefäss (Amphora) aus Athen; Ton; um 550/40 v. Chr.
Männerfreundschaften beim Gelage. Weinschale (Kylix ) aus Athen; Ton; um 470 v. Chr.
Männer unter sich. Im Theater spielten Männer für Männer. Hier ein Chor bei einer Totenklage. Weinmischgefäss (Krater) aus Athen; Ton; um 480 v. Chr.
Ein ehrwürdiger Mann übergibt einem Knaben sein Musikinstrument und gibt seine Kunst weiter. Grabrelief aus Böotien (Mittelg riechenland); Marmor; um 440 v. Chr.
Die Pferde-Disziplinen, insbesondere die Wagenrennen, waren die spektakulärsten Sportarten der Antike. Sieger war jedoch nicht der Wagenlenker bzw. Jockey, sondern der Pferdebesitzer. Weinkühler (Psykter) aus Athen; Ton, um 500 v. Chr.
Szene aus einem antiken Ringkampf. Coaches geben den beiden Ringern mit einer Gerte Anweisungen. Weingefäss (Amphora) aus Athen; Ton; um 550 v. Chr.
Buntes Treiben auf dem Sportplatz: In der Antike sprangen die Weitspringer aus dem Stand und benutzten dazu Sprunggewichte. Drei Weitspringer üben sich in ihrer Disziplin. Ihr Trainer und ein Flötenspieler ergänzen die Szene. Weinschale (Kylix) aus Athen; Ton; Werk des Malers Duris um 490 v. Chr.
Dieses aussergewöhnliche Relief bezeugt als einziges für die Antike eine Art Hockey-Spiel, wohl das in den Schriftquellen überlieferte keretizein. Relief von einer Statuenbasis; Marmor; um 510/500 v. Chr.; Athen, Archäologisches Nationalmuseum (Original); Abguss

Ausstellung im Antikenmuseum: Wann ist ein Mann ein Mann?

Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Ein Mann zu sein, sei heute nicht einfach, schreibt Museumsdirektor Andrea Bignasca in einer Broschüre, die den Besuchern beim Eintritt abgegeben wird und sie durch die Ausstellung begleitet: Männer würden heute um ihre Identität und Selbstdarstellung ringen und stellten sich Fragen.

Anders im alten Griechenland: Männerideale und -rollen waren ab der Geburt streng und konsequent normiert, Abweichungen hatten keinen Platz, die Strafe wäre Verbannung oder zumindest Mobbing gewesen. Heute dagegen sei die Gesellschaft komplexer und die Debatte offener, doch alte Muster prägten uns immer noch auf subtile Art.

Von der Kindheit bis zum Tod

In der ab Freitag geöffneten und bis Ende März dauernden Ausstellung "Wann ist man ein Mann?" folgen die Besucher einem imaginären Athener des Altertums auf einem beispielhaften Weg von der Kindheit bis zum Tod. Die homoerotische Beziehung zu einem älteren Mann, Trinkgelage, religiöse Zeremonien, Krieg oder Politik waren normale Stationen einer männlichen Sozialisation.

Beleuchtet wird die - laut dem Museum besonders gut dokumentierte - Zeit des 6. bis 4. Jahrhunderts vor Christus. Zu sehen sind um die 100 Exponate: Vasen, Schalen, Torsi, Teile einer Rüstung, Statuetten und anderes aus den Beständen des Museums. Daneben stellen moderne Gegenstände und Infos den Bezug zur Gegenwart her.

Manches wird durchaus auch mit leichtem Augenzwinkern vermittelt. So findet sich etwa im ersten Raum neben einer Videoproduktion über Männerbilder und anderem gleich auch ein Skelett. Und der kurvige, zuerst nur in einer Rückenansicht zu sehende Torso erweist sich später weder als Frau noch als Mann, sondern als Hermaphrodit.

Sport: Männerdomäne im Altertum

Die Skulpturhalle zeigt derweil in einer grossen Parallelausstellung Gipsabgüsse und antike Originale zum Thema Sport in der Antike; beides spielte im alten Griechenland eine zentrale Rolle im Leben eines Mannes. Neben Originalexponaten aus dem Antikenmuseum sind in der Skulpturhalle auch solche aus einer Privatsammlung zu sehen

Entstanden sind die Ausstellungen nach einer Idee von Kuratorin Ella van der Meijden. Einen Akzent setzt zudem der seit Anfang Jahr als Direktor amtierende Bignasca mit dem Gegenwartsbezug dieser ersten Schau unter seiner Direktion. Zur Ausstellung gehören im übrigen eine Präsentation der niederländischen Fotografin Brigitte Vincken und ein Begleitprogramm samt Boxkampf mit einem Schwergewichts-Profi.