Bufo Makmal
Vom Kollektiv zum Individuum und zurück

Die junge Basler Tanz-Gruppe «Bufo Makmal» präsentiert mit «All.es» ihr erstes abendfüllendes Stück. Im Roxy Birsfelden erwacht ein Kollektiv zum Leben.

Tumasch Clalüna
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Kein Tiefschlaf: Die vier jungen Tänzerinnen von «Bufo Makmal» könnten die Tanzszene in Basel aus dem Schatten führen. Susana Bruell/zvg

Kein Tiefschlaf: Die vier jungen Tänzerinnen von «Bufo Makmal» könnten die Tanzszene in Basel aus dem Schatten führen. Susana Bruell/zvg

Susana Bruell/zvg

Ein Körperknäuel kauert am rechten Bühnenrand. Links daneben führt eine weisse Tanzbodenbahn in einer Flucht nach hinten und wölbt sich zum Bühnendach. Wabernde Synthesizerklänge bringen die Körper in Bewegung, ein Aneinanderschmiegen, ein Wälzen zur Bühnenkante hin. Dann Auflösung und schnelles Kriechen auf die andere Seite, immer am Boden, wie Einzeller, so scheint es. Sie bilden Skulpturen, die sich als Ganzes bewegen, treffen sich zu Intermezzi zu zweit, zu dritt – und eine bleibt allein. Doch schnell findet sie den Weg zurück in den Schwarm und geht auf im Wogen der Einheit.

Die Geburt eines neuen Wesens

«Bufo Makmal», so der seltsame Name dieser vier jungen Basler Tänzerinnen, die mit «All.es» tatsächlich alles wagen. Eine dauernde Entwicklung vom Kollektiv zum Individuum und wieder zurück. Erstmals zusammengearbeitet haben sie im Oktober 2013 für das Improvisationsstück «We don’t create a piece but we hug a plan» im Sudhaus Warteck. Schon dieser Titel beweist, mit wie viel Eigensinn sie sich an neue Bewegungsformen und Bewegungsthemen wagen. Prompt folgte die Einladung ans Format für Kurzstücke «Mixed Pickles» im Roxy Birsfelden, wo sie «Into pieces» zeigten. Ein Stückchen, das bereits in genau die Richtung ging, die sie mit «All.es» nun weiter ausloten.

Dank Residenzen am Tanzhaus Zürich und im «Südpol» Luzern konnten sie an ihrer Bewegungssprache weiterarbeiten und ihre Organisationsform ausprobieren. Denn Stefanie Fischer, Zoe Gyssler, Margarita Kennedy und Clea Onori haben sich dazu entschlossen, die Frage nach dem Kollektiv und seinen Möglichkeiten in Körpersprache umzusetzen und zugleich als Kollektiv zu arbeiten. Diese Auseinandersetzung ist primär nicht intellektueller Natur, sondern offenbart sich in einer stufenlosen Entwicklung, die an die Geburt eines neuen Wesens erinnert.

Tatsächlich fliegt plötzlich eine der Tänzerinnen nackt auf die weisse Fläche, während die anderen unter dem Belag herumkriechen, Körperteile sichtbar werden lassen und sich schliesslich auch halb nackt zu der Kollegin gesellen. Am Ende ist es ein geschicktes Spiel mit Erwartungen und deren Nichterfüllung, davor ein Morphen von Chaos zu Ordnung, von Konflikt zu Auflösung. Entscheidender Bestandteil ist die Musik von Christian Fischer, der zunächst mit sphärischen Klängen die Entwicklung begleitet und dann auch den ausgefeilten Choreografien den richtigen Sound verleiht.

Unterstützt werden sie von Bildkompositionen: Sie zeigen das Weltall oder schwärmende Kugeln, die sich zu einem Bündel verdichten, so wie die Tänzerinnen auf der Bühne. Alles in allem gibt es hier einen Abend zu sehen, der mutig, eigenwillig und nicht zuletzt aus Basel ist. Denn die hiesige Tanzszene fristet im Moment noch ein leichtes Schattendasein. Dies könnte sich nun ändern.

Weitere Vorstellungen: 18.12. 20 h, 19.12. 20 h, 20.12. 20 h., 21.12. 18 h.

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