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Theater Rigiblick: 37 Stücke von Shakespeares in nur 90 Minuten – geht das?

An den Zürcher Festspielen wagt das Theater Rigiblick den Versuch, das Gesamtwerk von William Shakespeare in nur 90 Minuten zu zeigen. Das Resultat: schmerzhafter Klamauk und brillante Parodie.

Julia Bänninger
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Fünf Tage und Nächte lang würde eine Aufführung des Gesamtwerks von William Shakespeare dauern. (Porträt von William Shakespeare)

Fünf Tage und Nächte lang würde eine Aufführung des Gesamtwerks von William Shakespeare dauern. (Porträt von William Shakespeare)

Keystone

Fünf Tage und Nächte lang würde eine Aufführung des Gesamtwerks von William Shakespeare dauern – das Rigiblick-Ensemble mit Leiter und Regisseur Daniel Rohr will das Unmögliche in eineinhalb Stunden schaffen.

Denn dieser Tage dreht sich bei den Zürcher Festspielen alles um Shakespeare, auch das Theater Rigiblick hat sich dem grossen Dramatiker verschrieben. Tatsächlich halten die drei Schauspieler von «Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)», was sie zu Beginn versprochen haben: Pünktlich um halb zehn ist auch der letzte Klassiker der insgesamt 37 Stücke dargeboten, es bleibt sogar Zeit, «Hamlet» rückwärts zu spielen. Ein gelungenes Ende eines Abends voller Höhe-, aber auch Tiefpunkte.

Rasant, mit viel Tempo und Bewegung, präsentieren uns die selbst ernannten Shakespeare-Experten Peter Kaspar, Johann Patrick Melchior und Christoph Balthasar den «gewaltigen Komplex» des Dichters. Gerade dank ihrer Popularität eignen sich dessen Werke zur Parodie, neu ist das nicht.

Brillante Persiflagen und schmerzhafter Klamauk wechseln sich ab. So wird «Titus Andronicus» kurzerhand zur makaberen Kochsendung und manch plumpe Witze wie fragwürdige Wortspiele hätte man im Verlaufe des Abends lieber nicht gehört. Aber Humor ist bekanntlich Geschmackssache. Der werte Herr krümmt sich neben uns vor Lachen, als Julia dem übermütigen Romeo in die Weichteile greift. Auch der grössere Rest des Publikums scheint vom Abend begeistert zu sein.

Weniger ist manchmal mehr

Auch wir amüsieren uns, als die aufgeweckten Schauspieler Shakespeares Königsdramen in einem spannenden Fussballspiel wiedergeben. Der kreativ gerappte «Othello» bietet interessante Abwechslung, und mit den Komödien wird kurzer Prozess gemacht: «Wozu hat Shakespeare 16 Komödien geschrieben, wenn eine gereicht hätte?», fragen sich die Schauspieler. So fassen sie diese zu einer einzigen Handlung zusammen, woraus eine etwas wirre, aber lustige Geschichte entsteht.

Das raffinierte und schön anzuschauende Bühnenbild – ein grosses Regal mit Requisiten und Kostümen – hält so manche Überraschung bereit. Die sichtbar unechten Kämpfe sowie bewusst unglaubhaften Verkleidungen halten dem Publikum die Illusion des Theaters vor Augen. Die Darsteller spielen mit dem Aufdecken der Täuschung, nehmen ungehemmt Kontakt zum Publikum auf und unterbrechen ihr Spiel, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Auch hier gilt wieder: Manchmal funktioniert es, manchmal wäre weniger mehr gewesen.

Zürich Theater Rigiblick, 19. bis 25. Juni, weitere Vorstellungen im Herbst.

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