Kulturtreppe Riehen

Steffi Klär: «Das Bedürfnis nach Konzerten ist gross»

Steffi Klär ist beim Kulturbüro Riehen zuständig für die «Kulturtreppe». Nicht nur dort ist sie von den Auswirkungen von Corona betroffen.

Steffi Klär ist beim Kulturbüro Riehen zuständig für die «Kulturtreppe». Nicht nur dort ist sie von den Auswirkungen von Corona betroffen.

Am Donnerstag startet die diesjährige «Kulturtreppe» in Riehen. Die Verantwortliche Steffi Klär über das Programm und die Corona-Massnahmen.

Die diesjährige Ausgabe der «Kulturtreppe» ist aussergewöhnlich. Zum einen findet der Event nur an drei Abenden statt, und zwar nicht wie üblich im Spielzeugmuseum Riehen, sondern im Freizeit­zentrum Landauer. Zum anderen gelten wegen der Coronapandemie diverse Schutz­bestimmungen. Für die «Kulturtreppe» ist beim Kulturbüro Riehen Steffi Klär verantwortlich, die als Veranstalterin selber langjährige Erfahrung mitbringt.

Wie wird sich Corona auf das Konzerterlebnis auswirken?

Das Publikum muss Schutzmasken tragen, und wir werden beim Eingang die Kontaktdaten aufnehmen. Das ist Preis, den wir bezahlen müssen. Die Atmosphäre wird aber trotzdem gemütlich sein, davon bin ich überzeugt. Der Aussenbereich des Landauer wird mit Sofas und urchigen Möbeln aus einem ­Brocki bestuhlt. Dazu gibt es Picknick-Decken und Festbänke. Ein Bar- und Verpflegungsangebot ist vorhanden. Und es hat trotz des familiären Rahmens genug Platz für alle.

Seit wann wissen Sie, dass die «Kulturtreppe» überhaupt stattfinden kann?

Eigentlich stand eine Absage nie wirklich zur Debatte. Der Wechsel vom Spielzeugmuseum ins Landauer und der kompakte Rahmen mit nur drei Abenden waren ja bereits vor der Coronakrise beschlossene Sache und hatten nichts mit der Pandemie zu tun, sondern mit Umbauarbeiten im Museum. Und als nach dem Lockdown bekannt wurde, dass kulturelle Veranstaltungen mit 300 Gästen unter gewissen Auflagen wieder möglich sind, war für uns klar, dass wir an den drei Abenden festhalten wollen.

Dann wurden die Auflagen jedoch wieder verschärft.

Als die Verschärfungen im Kanton Basel-Stadt kommuniziert wurden, wussten wir, dass wir einen neuen Weg finden müssen. Die Schutzmasken erlauben es uns nun, mit der geplanten Kapazität von 300 Gästen pro Abend zu fahren, die Kontaktdaten nehmen wir zur Sicherheit zusätzlich mit auf.

Werden die Massnahmen auch Besucher abhalten?

Das mag sein. Wir denken aber, dass das Bedürfnis nach Konzertabenden im Moment sehr gross ist – jetzt, da sämtliche grössere Festivals wegen Corona abgesagt sind. So nehmen wir die Schutzmasken in Kauf. Auch das generelle Bedürfnis nach Austausch, Zusammenkommen und Nähe ist derzeit gross. Die soziale Komponente der Kulturtreppe als eine von der Gemeinde Riehen finanzierte Veranstaltung für alle ist daher nicht zu unterschätzen. Wir wollten nicht einfach resignieren, sondern möchten ausprobieren, wie sich so ein Abend trotz den Massnahmen fürs Publikum und die Künstlerinnen und Künstler anfühlt. Ausserdem ist die Durchführung mit unserem Schutzkonzept absolut vertretbar.

Sie erleben die Krise in der Musikszene derzeit auch in sonstigen Funktionen mit.

Das stimmt. Ich bin selbst Sängerin und von der Konzertflaute direkt betroffen. Als Managerin von Nicole Bernegger bekomme ich zudem hautnah mit, was es heisst mit einem neuen Album nicht touren zu können. Und als Co-Präsidentin des Vereins ­Kultur und Gastronomie bin ich in engem Kontakt mit allen Clubs und nahe am Geschehen. Es ist eine wirklich schwierige Zeit für alle – aber die Kultur- und Veranstaltungsbranche hat es besonders heftig getroffen.

Die «Kulturtreppe» findet aber statt – mit drei sehr unterschiedlichen Abenden. Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm zusammengestellt?

Die «Kulturtreppe» ist kein eigentliches Musikfestival wie zum Beispiel das HillChill, das ebenfalls in Riehen über die Bühne geht. Natürlich steht die Musik dieses Jahr, da wir keine Kinovorführungen haben, im Zentrum, aber die drei Abende sollen primär ein gemütliches Sommer-Event für ein breites Publikum sein. Entsprechend steht das Programm im Zeichen von Vielseitigkeit und Regio­Bezug.

Für den ersten Abend unter dem Motto «Soirée d’été» haben sie Sängerinnen und Sänger aus Basel eingeladen, ihre liebsten Jazznummern zu singen – begleitet von Ihnen und Ihrer Band. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Ich veranstalte im Sääli der Fassbar seit einigen Jahren die «Soirée Lundi». An diesen Montagen treten Künstlerinnen und Künstler aus den unterschiedlichsten Genres auf und wagen sich an den Jazz. Meine Band und ich begleiten sie dabei. Im Sommer, wenn das Sääli Pause macht, spielen wir an wechselnden Orten im Freien. Nachdem wir bei der letztjährigen Ausgabe der «Kulturtreppe» vom Sommergewitter weggespült wurden, versuchen wir es dieses Jahr noch einmal. Jeder Gast wird zwei Jazz-Standards nach eigener Wahl singen. Dazu gibt es ein paar Nummern, die wir gemeinsam als grössere Formation präsentieren.

Als Kontrast dazu spielt am zweiten Abend die Basler Synthpop-Formation Yaya.

Ich finde die Band grossartig. Yaya sind sehr kreativ und ambitioniert. Frontmann Richy ist ein wunderbarer Sänger, und sie kommen direkt aus dem Studio, sind also richtig «warmgespielt».

Nach dem vermutlich älteren Jazzpublikum am ersten Abend werden Yaya jüngere Leute nach Riehen ziehen.

Die Band ist eher ein Szene-Act, das stimmt. Aber auch an der Soirée werden jüngere Künstlerinnen und Künstler auftreten – zum Beispiel aus der Elektro- oder Hip-Hop-Szene. Gut möglich, dass ihre Fans in Riehen vielleicht sogar den Jazz für sich entdecken.

Der dritte Abend mit Prekmurski Kavbojci steht schliesslich im Zeichen von World Music.

Ich finde World Music sehr passend für sommerliche Konzerte im Freien. Man kann mitjauchzen und die beschwingte Atmosphäre geniessen. Die Musik von Prekmurski Kavbojci steht für Lebensfreude, und diese können wir im Moment gut gebrauchen. Zugleich sind sie die vier Herren hochvirtuose ­Musiker, nicht einfach eine Party­band.

Die «Kulturtreppe» 2020 wird als spezieller Jahrgang in die Geschichte eingehen. Rechnen Sie für die nächste Ausgabe mit einer Rückkehr zur Normalität?

Ich bin ein sehr optimistischer Mensch, aber ich glaube, dass Corona uns noch eine ganze Weile begleiten und beschäf­tigen wird. Wir haben jetzt die Möglichkeit zu testen, wie ­unsere Abende im Zeichen von Corona und Schutzmasken funktionieren und für das nächstes Jahr daraus lernen.

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