Berauschend
Publikum wird im Roxy an Georgisches Festessen geladen.

Am Dienstag feierte «Geister, Gäste und wilde Tiere» vom Morphologischen Institut im Roxy Premiere. Mit viel Poesie und rotem Wein tauchte das Publikum in eine georgische Feier ein.

Anna Riva
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Schauspielerin Tako Kekelidze katalysiert die Aufmerksamkeit.

Schauspielerin Tako Kekelidze katalysiert die Aufmerksamkeit.

Magie, Poesie und Sinnlichkeit. Allzu oft geraten diese drei Begriffe zu kuriosen Fremdwörtern im kompromisslosen Alltag. Anders sah es für die Choreographin Salome Schneebeli bei ihren Aufenthalten in Georgien aus: «Die Gabe der Georgier, das Leben magisch zu leben, fasziniert mich. Ebenso ihre Gastfreundschaft und Offenheit, dem Menschen zu begegnen. Dieses Volk hat eine innige, melancholische und offene Seele, die wir als Schweizer nicht kennen.»

Um uns georgisch die Seele zu erwärmen, haben Salome Schneebeli und ihr Kollektiv «das Morphologische Institut» eine performative Installation kreiert, die am Dienstagabend im Roxy Birsfelden Premiere hatte. Für zwei Stunden wurde das Publikum jenseits jeglichen ethnischen Voyeurismus nach Georgien versetzt und zu einem traditionellen Festessen, «Supra» genannt, eingeladen. Buchstäblich: In «Geister, Gäste und wilde Tiere» werden die Zuschauer aufgefordert, sich alle zusammen an eine lange Festtafel zu setzen, in deren Mitte Schauspielerin Tako Kekelidze steht, reglos wie eine Statue. Nach der Ernennung eines Tamadas, eines Tischleiters, der die Festtafel mit brillanten Trinksprüchen leitet, wird dann das Ritual der Supra feierlich eröffnet.

Tod, Liebe und Akrobatik

Die sechs Performer, darunter drei Georgier, stehen einer nach dem anderen auf und sprechen Toasts auf Liebe, Tod und Freundschaft aus. Videoaufnahmen über die Entstehungsgeschichte des Projektes werden gezeigt, während sinnliche Tänze und akrobatische Sprünge der Performer die Zusammenkunft von Unbekannten animieren. Allmählich, Toast um Toast, Weinglas um Weinglas, kommt sich das Publikum näher - und stösst immer beseelter auf die Freundschaft an.

«Die Unbekannte, der Zuschauer, war ein Risiko, das uns gereizt hat», sagt Salome Schneebeli. «Was, wenn das Publikum gar nicht mitmacht?» Eine Befürchtung, die sich an diesem Abend nicht verwirklichte. Als eine Frau aus dem Publikum von der Festtafel aufsteht und ein tschechisches Lied singt, ist es klar: Man ist unter Freunden. Zufällige und beschwipste, vielleicht, aber Freunde, die für einen Abend oder für immer durch die melancholische Intimität einer georgischen Traditionsfeier miteinander verbunden sind.

Somit hat das Morphologische Institut sein Ziel erreicht. Schneebeli ist erleichtert, die Entstehungsgeschichte des Stücks war lang. Im Sommer 2014 unterrichtete sie eine Masterklasse der Tanzakademie im georgischen Tiflis. «Geister, Gäste und wilde Tiere» ist eine Weiterführung davon. So ist der Filmdreh mit 40 georgischen und schweizerischen Performern in Tiflis, der als Auftakt gezeigt wird, ein wichtiger Teil der Installation.

«Vielleicht kennt das Schweizer Publikum ab heute Abend nicht alle Aspekte der georgischen Kultur», sagt Levan Gelbakhiani, ein 18-jähriger Schauspieler. «Das Stück ist aber ein guter erster Schritt, um die Zuschauer mit unserer Kultur vertrauter zu machen».

Spieldaten Do. 29.9., Fr. 30.9. und Sa. 1.10., jeweils um 20 Uhr im Roxy Birsfelden. Weitere Infos: www.theater-roxy.ch

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