Fotografie
Portraits ehemaliger Guantánamo-Insassen mit Prix Photo 2015 geehrt

Der Prix Photo 2015 zeichnet Schweizer Fotografen aus, die nicht dem schnellen Schnappschuss nachjagen. Dieses Jahr gewann das Fotografen-Duo Braschler/Fischer und Niels Ackermann mit seinem Portrait einer Teenagerin aus Tschernobyl.

Sabine Altorfer
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Prix Photo 2015
5 Bilder
Das Bild, aufgenommen am 5. März 2001, zeigt Mohammed al-Gharani, geboren und aufgewachsen in Saudi Arabien. Er war von 2001 bis 2009 in Guantanamo in Gefangenschaft.
Teenagerin aus Tschernobyl von Niels Ackermann.
Als beste Newcomerin gewann Sonja Berta aus Lenzburg den Preis für neue Talente mit ihrer Serie HUNGRY WOMEN EAT MORE SALAD.
Die Gewinner des Prix Photo 2015.

Prix Photo 2015

Mathias Braschler & Monika Fisch

Es brauchte Reisen rund um den Erdball, Detektivarbeit und Überzeugungskraft. Und zuerst noch die Idee, die eigene Überzeugung: Das wollen wir. Ohne diesen langen Atem hätte das Duo Mathias Braschler und Monika Fischer es nicht geschafft, 16 ehemalige Insassen von Guantánamo vor ihre Kamera zu bekommen.

Diese Männer sassen zum Teil jahrelang ohne formelle Anklage und Gerichtsverfahren im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis der USA, weil sie verdächtigt wurden, Terroristen zu sein. Was motivierte Braschler/Fischer zu ihrem Langzeit-Projekt? «Alle wissen, dass es Guantánamo gibt. Aber nur wenige wissen, wer die Leute sind, die dort gefangen gehalten wurden. Wir wollten diesen Personen Stimme und Gesicht geben, wollten ihre Version der Geschichte hören. Und wie sie mit den Erlebnissen aus ihrer Gefangenschaft zurechtkommen.»

Entstanden sind berührende Porträts. Gesichter, in welche die Weltgeschichte Kerben geschlagen hat. Dafür und für die Videos, in denen die Männer erzählen, wurden Mathias Braschler (*1969 im Aargau) und Monika Fischer (*1971 in St. Gallen) gestern Abend ausgezeichnet. Mit dem Prix Photo 2015 für professionelle Fotografen der British American Tobacco Switzerland Foundation (15 000 Franken).

Preise für aktuelle Fotografie

Eine hintergründige Reportage brachte Niels Ackermann (*1987 Genf) den diesjährigen Hauptpreis (20 000 Franken) wie auch den Publikumspreis ein. «Les enfants de Chernobyl sont devenus grands» stellte er bald 20 Jahre nach dem Reaktorunfall fest und porträtierte während dreier Jahre Yulia. Er zeigt, wie sie in einer verboten errichteten Stadt im Umkreis des lädierten Reaktors vom Teenager zur jungen, verantwortungsvollen Frau reifte – und was eine solche Tragödie mit einer Region und den Menschen dort anstellt.

Mit Bildwitz und Leichtigkeit überzeugte Sonja Berta (*1992, Lenzburg) die Jury bei den Young Talents – und gewann 15 000 Franken. Magerkeitswahn, Hunger und Essensverweigerung fasst sie in Bilder, die Tricks aus Werbung, Slapstick und Anzeige vereinen.

Prix Photo 2015 Ausstellung in den Räumen von Sotheby’s Zürich, Talstrasse 83, bis 20. September.