Oltner Kabaretttage
Kabarettist Vitásek: «In Österreich kenne ich schon jede Minibar»

Andreas Vitásek (55) gewinnt den Schweizer Kabarettpreis Cornichon. Im Interview spricht er über nationale Färbungen des Humors, autobiografische Programme und Übernachtungen in fremden Hotels.

David Hunziker
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Sie gewinnen als erster Österreicher den Schweizer Kabarettpreis. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Andreas Vitásek: Zuerst einmal war ich sehr überrascht, da ich dachte, ich sei in der Schweiz gar nicht präsent. Ich bin bisher erst in Arosa und Olten aufgetreten. Der Preis ist eine Bestätigung dafür, dass mein Kabarett bei den Schweizern gut ankommt. Daher könnte ich mir auch eine kleine Tour durch die Schweiz vorstellen.

Wann können wir mit dieser Tour rechnen?

Da ist noch nichts konkret. Ich schaue nun zuerst, wie ich in Olten ankomme und wie sich das für mich anfühlt. Ich möchte dann eine Art Best-of machen, weil ich auch Lust habe, einige ältere Nummern wieder zu spielen. Aber ich werde auch älter und habe eine Familie. Da bin ich froh, wenn ich am Abend nicht in fremden Hotels übernachten muss. In Österreich kenne ich schon jede Minibar. Das verliert mit der Zeit seinen Reiz.

Gibt es nationale Färbungen des Humors?

Ich glaube schon. In der Schweiz ist der Humor weniger frontal und politisch, dafür eher verspielt, poetisch oder auch clownesk. Während meiner Ausbildung konnte ich die Schweizer Clown-Szene etwas kennen lernen. Ich habe 1977 beim Schweizer Clown Pic in Salzburg einen Kurs besucht, und er hat mir den Pantomimen Jacques Lecoq empfohlen, bei dem ich dann in Paris eine Ausbildung gemacht habe. Ich hatte auch einmal geplant, bei Dimitri zur Schule zu gehen.

Beim Clown Dimitri? Welche Rolle spielt der Clown in Ihrem Kabarett?

In der Ausbildung bei Jacques Lecoq war die Suche nach dem Clown in sich selbst sehr wichtig. Der Clown, den ich dort gefunden habe, ist zumindest das leere Blatt Papier, auf das ich dann meine Nummern schreibe.

Das scheint Ihnen leicht zu fallen. Immerhin ist Ihr neustes Programm «39,2° – Ein Fiebermonolog» bereits Ihr elftes.

Der Anfang ist immer die grösste Herausforderung. Aber mittlerweile kenn ich dieses Gefühl. Beim «Fiebermonolog» war die Entstehung speziell. Als ich unter Druck stand, den Titel des neuen Programms bekannt zu geben, lag ich krank im Bett, und es stellte sich heraus, dass ich die Schweinegrippe hatte. Die gibt es wirklich! Also habe ich das als Ausgangspunkt genommen. Das fieberhafte Verhalten zieht sich zwar durchs ganze Programm, ich halte das Thema aber nicht durch. Das wäre mir zu fade gewesen.

Das Thema ist direkt aus Ihrem Leben gegriffen. Wie autobiografisch soll Kabarett bei Ihnen generell sein?

Ich habe mich mit der Zeit selbst immer mehr zum Thema gemacht. Auch aus der Erkenntnis heraus, dass ich eigentlich sehr durchschnittlich bin. Was vermeintlich nur mich betrifft, betrifft auch die Leute im Publikum. Ich esse gern ein Schnitzel, blättere in Autozeitschriften oder schaue mir ein Champions-League-Spiel an.

Sie führen auch Regie oder spielen in Theater und Fernsehen. Welche Rolle nimmt das Kabarett in Ihrem Gesamtwerk ein?

Das Kabarett ist für mich die Basis. Auch wenn ich Theater spiele, bewege ich mich ja in den benachbarten Abteilungen. Zum Beispiel bei Nestroy, dem Urvater des Wiener Kabaretts. Ich habe auch oft Beckett und Ionesco gespielt. Das absurde Element aus dem französischen Absurden Theater spielt eine wichtige Rolle in meinem Kabarett. Ein Schweizer, der mich sehr beeinflusst hat, ist auch Peter Wyssbrod mit seinen Beckettschen Elementen. Ich denke vor allem an ein Stück, das er übers Warten an einem Bahnhof geschrieben hat. Ich bewege mich in einem etwas weiter gesteckten Feld als etwa die Deutschen, die gern reines politisches Kabarett oder reine Comedy haben.

Bietet Ihr neues Programm, das wir in Olten sehen werden, einen guten Einblick in Ihr Kabarett?

Ich fürchte nicht. Daher überlege ich mir, ob ich in Olten eher einen Überblick über meine verschiedenen Stile geben soll. Vielleicht hänge ich dem Fiebermonolog eine kleine Schweizer Mischung an, eine Werkschau.

Sie machen in Ihren Programmen gern politische Anspielungen. Was würden Sie in der Schweiz kommentieren?

Das würde ich nicht wagen. Als Gast mischt man sich nicht in Familienangelegenheiten ein.

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