Kabarett
Islamwitze: Alles nu(h)r Spass, Dieter?

Der deutsche Komiker Dieter Nuhr nimmt in seinem Programm den Islam aufs Korn und hat eine Debatte lanciert. Dies auch, weil Nuhr abseits der Kabarett-Bühne auch mit islamkritischen Aussagen auffällt. Ein gläubiger Muslim hat ihn nun angezeigt.

Stefanie Christ
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Komiker Dieter Nuhr am Humorfestival in Arosa. (Archiv)

Komiker Dieter Nuhr am Humorfestival in Arosa. (Archiv)

Keystone

Dieter Nuhr, der deutsche Komiker, steht für weichgespülte Pointen. Aber bei einem Thema holt er den Vorschlaghammer heraus: dem Islam.

Natürlich, Religionskritik, egal ob am Islam, Katholizismus oder Buddhismus, hat in der Satire eine lange Tradition und muss ihren Platz haben – vermag sie doch einer Gesellschaft im besten Fall den Spiegel vorzuhalten und Doppelmoral zu entlarven.

Doch Erhat Toka gehen Nuhrs Islamwitze zu weit. Der gläubige Muslim hat in Deutschland Klage wegen «Beschimpfung von Bekenntnissen und Religionsgesellschaften» gegen den Komiker eingereicht. Nuhr rechtfertigte sich im «Welt am Sonntag»-Interview und sieht die Meinungsfreiheit in Gefahr: «Zum ersten Mal seit 1945 muss man aufpassen, was man sagt.» Damit versucht er, die Diskussion unter medienethischen Gesichtspunkten zu führen. Eine Diskussion, die in der Schweiz zuletzt wegen Birgit Steineggers «Blackfacing»-Sketch oder Marco Rimas «Neger»-Witzen ausgelöst wurde.

Die Wogen in den deutschen Medien gehen hoch – die angeheizte Berichterstattung wird begleitet durch Leserstimmen von links bis rechts. Auch Schweizer Prominente wie Regula Stämpfli, Güzin Kar oder Gabriel Vetter reagieren auf den sozialen Medien. Doch ist die Aufregung angebracht?

Wer sich Nuhrs Islamsketche zu Gemüte führt, hört Witze à la «Im Buchladen hatte es unter ‹Religion› keinen einzigen Koran mehr – so habe ich halt unter ‹Fantasy› nachgeschaut» – und wird schnell feststellen: Einige der Pointen sind lustig, viele aber sind platt oder berechnend provokativ: «Auf der ganzen Welt werden Abertausende von Patenten angemeldet. Im gesamten arabischen Raum jährlich weniger als zwanzig. Und die Hälfte davon sind wahrscheinlich noch Steinigungsautomaten.»

Ein Tonfall, den sich Frauen von Komiker Mario Barth schon lange gefallen lassen müssen.

In einem satirischen Rahmen scheinen die Witze unproblematisch. Viel fragwürdiger erscheint Nuhrs Auftreten fern der Bühne, wenn er seine persönliche Meinung kundtut.

In einem ARD-Interview, nach einem Einspieler von protestierenden Muslimen, sagte er: «Es macht mich wütend. Der Islam ist nur dann tolerant, wenn er keine Macht hat. Und da müssen wir unbedingt dafür sorgen, dass es bei uns so bleibt.»

Mit solch undifferenzierten Aussagen stilisiert der Komiker eine ganze Religion zum Schreckgespenst, schürt unnötig Ängste – und macht einem mit seinem energischen Auftreten selbst ein bisschen Angst. Der Komiker erscheint auf einmal wie einer jener Fanatiker, die er in seinen Programmen so gern aufs Korn nimmt.

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