Nach zehn Probeabenden und unzählig wiederholten Textpassagen ist es so weit: Die 40 Laienschauspieler aus dem Freiamt kommen in «Landesstreik» endlich zu ihrem Einsatz. «Wir sprechen lieber von ‹Amateuren› anstatt ‹Laien›», korrigiert der Aargauer Theater-Autor Paul Steinmann. Zusammen mit dem Regisseur Adrian Meyer zeichnet er für den Aargauer Beitrag «Wehret euch!» verantwortlich.

Im Mittelpunkt des 6-minütigen Beitrages steht der Arzt, Offizier und Politiker Eugen Bircher. Auf rechtskonservativer Seite bildeten sich als Reaktion auf den Landesstreik eine Reihe von Bürgerwehren. Diese Organisationen hatten zum Ziel, die Polizei und das Militär bei der Aufrechterhaltung der Ordnung zu unterstützen. Die verschiedenen Bürgerwehren des Aargaus kamen schliesslich unter Leitung von Bircher zu einer Dachorganisation, der Aargauischen Vaterländischen Vereinigung (AVV), zusammen.

Theaterautor Steinmann sei von Anfang an klar gewesen, dass möglichst viele Leute am Projekt mitmachen müssten. «Die Hintergrundidee der Landesstreik-Organisatoren ist, dass viele Leute mit diesem Thema konfrontiert werden sollen. Also haben Adrian Meyer und ich gerufen und gehofft, dass ein paar Leute kommen – so war es auch.»

Im Gesamtprojekt fällt Steinmann eine spezielle Rolle zu, denn er ist zusätzlich Autor des Appenzeller Beitrages. Für ihn sei das keine Doppelbelastung gewesen. Im Gegenteil, gerade die Grösse des Theaterstücks habe ihm am meisten Spass gemacht: «Man merkt plötzlich, wie bunt die Eidgenossenschaft ist und wie verschieden die Ausprägungen sind.» Dabei bezieht er sich auf das Theaterschaffen im Allgemeinen und die einzelnen Beiträge für Olten. «Aus Uri kommt beispielsweise nur jemand und aus dem Tessin kommt ein Esel usw.» Moment, Stopp. Hat Paul Steinmann tatsächlich gesagt, aus dem Tessin komme ein Esel?

Seit dem 1. August ist Theaterautor Flavio Stroppini zu Fuss unterwegs von Bellinzona nach Olten. Sein Reisebegleiter ist der Esel «Ronzinante», eine Hommage an Don Quijotes Pferd Rosinante. «In Tat und Wahrheit bin ich der Esel, denn ich laufe die ganze Strecke zu Fuss ab», sagt Stroppini via Telefon aus Reiden und lacht. Für Ronzinante sei es zum Teil schlicht zu heiss gewesen, den ganze Weg zu Fuss zu beschreiten, so Stroppini.

Er erläutert, was die ungewöhnliche Aktion mit dem Landesstreik in Olten zu tun hat: «Wir fanden die Stellungnahme der streikenden Eisenbähnler in Bellinzona von 1918. Darin hielten sie fest, dass ihre Forderungen nicht umgesetzt worden waren und stattdessen eine Revolution nötig gewesen wäre.» Zur Revolution ist es bekanntlich nicht gekommen. Also stellte Stroppini sich vor, jemand sei damals in Bellinzona tatsächlich zur Revolution aufgebrochen, und machte sich gleich selbst auf den Weg nach Olten.

Das Ziel dieser Aktion sei es, mit möglichst vielen Leuten in Kontakt zu treten, erklärt der Tessiner. «Wir reden mit den Menschen darüber, was 1918 geschehen ist, viele wissen nicht Bescheid über dieses Ereignis. Gleichzeitig sammeln wir ihre eigenen Forderungen. Wir haben bereits 750.» In Olten wird Stroppini schliesslich die Forderungen, die er während seiner Ein-Mann-ein-Esel-Revolution gesammelt hat, präsentieren.